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SR-Fernsehen: Lothringen – Mit Pumpen gegen die Flut
Grubenwasser: Beschwichtigungen seitens des Umweltministeriums

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Pilotprojekt gegen Grubenwasseranstieg

Erst bildeten sich Pfützen im Garten. Dann stand das ganze Grundstück von Familie Merten unter Wasser. Damit sind sie nicht allein. Unter 15 Gemeinden rund um Creutzwald steigt der Grundwasserspiegel immer weiter an. Eine Überraschung ist das an sich nicht, denn seit 2006 wird aus den ehemaligen Bergwerken der Gegend kein Wasser mehr abgepumpt. Doch dass es viel höher und schneller als vorhergesehen angestiegen ist, schockiert Anwohner und Gemeinden. Nun hat der französische Staat ein Pilotprojekt in Creutzwald gestartet, um das Grubenwasser rund um besonders betroffene Häuser abzupumpen. Funktioniert das, soll auch in weiteren Regionen gepumpt werden.

Eigentlich sollte auf diesem Gelände kein Haus mehr gebaut werden. Überschwemmungsgefahr hieß es Anfang 2016. Die Baugenehmigung von Jean-Sebastien Brasme lag auf Eis. Laut einer Studie des französischen Staates ist sein Grundstück in Ham-sous-Varsberg vom Anstieg des Grundwasserspiegels bedroht. Jetzt hat er doch gebaut. Allerdings unter Auflagen, erzählt er:

„Wir mussten das Haus etwas höher bauen als geplant, die Fundamente verstärken und einen Kriechkeller einrichten. Diese Veränderungen haben unsere Pläne aber nicht wirklich gestört. Wir konnten sie umsetzen, ohne allzu große Umstände.“

5000 Euro Mehrkosten hatte er dadurch. In Ham ist das Grundwasser noch nicht an der Oberfläche. Doch nicht alle Bewohner in der Region haben so viel Glück.

Trockenlegung durch Pumpen

März 2016. Ein Eigenheim mit Garten war der große Traum von Amélie Merten in Creutzwald. Vor zwei Jahren tauchten erste Pfützen auf. Der Grundwasserspiegel stieg immer weiter. Feuchtigkeit und Schimmel befielen auch die Hausmauern:

„Statt eines Gartens haben wir einen Teich. 170m2 sind unter Wasser, an einigen Stellen bis zu 80cm tief. Der gesamte Garten ist unbenutzbar. Die Kinder können nicht mehr draußen spielen. Hier gibt es nur noch: Schlamm, einen Teich, Schilfrohr und Enten.“

Der Garten heute: Das Schilfrohr ist geblieben und zeugt weiterhin von einem Feuchtgebiet. Aber seit einigen Wochen ist das Wasser weg, zumindest an der Oberfläche. Der Grund: Zwei Pumpstationen, die in Creutzwald installiert wurden. Baukosten: 850.00 Euro. Ein Pilotprojekt des französischen Staates. Bei Erfolg, sollen die Maßnahmen auf weitere Regionen ausgeweitet werden. Seit Juli 2017 sind die Pumpen in Betrieb, 100 Kubikmeter Grundwasser pro Stunde saugen sie zurzeit ab und leiten es in den angrenzenden Fluss. Nicolas Koeberlé ist der Direktor vom Bureau de Recherche Géologique et Minaire:

„Dass diese Pumpen zeitlich unbegrenzt arbeiten werden, ist eine Tatsache. Zurzeit pumpen wir nur mit minimaler Leistung, aber es ist vorgesehen, dass wir sie mehr als verdoppeln können in den kommenden Jahrzehnten.“

Grundwasserspiegel wird überwacht

Im Garten von Amélie Merten macht es sich der Creutzwalder Bürgermeister mit einem Mitarbeiter selbst ein Bild von der aktuellen Lage: „Im Vergleich zum letzten Besuch sind die Schilfrohre ganz schön in die Höhe geschossen. Das war vorher noch nicht so.“ Im Garten der Familie steht jetzt auch eine der insgesamt 7 Creutzwalder Messstationen, die den Grundwasserspiegel dauerhaft überwachen. Bürgermeister Jean-Luc Wozniak sieht die neuen Pump- und Messstationen zwar positiv. Doch die Probleme mit dem Grundwasseranstieg sind ein Fass ohne Boden, sagt er:

„Sie sind hier beim Kern des Problems. Dieses Grundstück, dieses Haus sind unverkäuflich. Niemand wird ihnen so etwas abkaufen. Oder sie bekommen so wenig Geld dafür, dass sie eigentlich nur noch heulen können.“

Bauverbot wird zum Problem

Das gesamte Creutzwalder Stadtzentrum gilt als „rote Zone“ – Überschwemmungsgebiet. Das bedeutet auch: absolutes Bauverbot. Und die Instandhaltung von Kanalisation und unterirdischen Leitungen bereitet Kopfzerbrechen. Liegen die im Wasser, geht gar nichts mehr. Die zwei Pumpen können nur der Anfang sein, sagt Bürgermeister Jean-Luc Wozniak:

„Wenn wir hier nichts machen, geht es uns bald vielleicht wie einigen anderen französischen Gemeinden, wo nur noch die Kirche aus dem Wasser ragt. Oder wir sterben einen langsamen Tod, weil wir im Stadtzentrum gar nichts mehr machen können. Das ist das eigentliche Drama.“

Hoffnung auf Entschädigungszahlungen

Neben den vollgelaufenen Gruben verstärkt ein weiterer Faktor das schnelle Steigen des Grundwasserspiegels in Creutzwald und Umgebung. Es wird weniger Wasser verbraucht als früher. Das liegt einerseits am Industriesterben in der Region, andererseits aber auch daran, dass in den Privathaushalten mehr Wasser eingespart wird. Die Folgen, erklärt der Bürgermeister, sind dramatisch.

„Es ist wie am Strand : Wenn sie dort ein Loch graben, füllt es sich sofort mit Wasser. In Creutzwald ist das genauso. Mit dem kleinen Unterschied: Wir haben hier weder Küste noch Sonne.“

Familie Merten hofft jetzt auf die zugesagten Entschädigungs-zahlungen des Staates. Höhe noch offen. Umzug oder Verkauf sind weiterhin unmöglich. Und die Gemeinde wartet auf die nächste Studie. Im April 2018 soll es soweit sein. Dann soll es mehr Klarheit gehen, wie hoch und wie schnell das Grundwasser noch steigt.

(Quelle: https://www.sr.de/sr/fernsehen/sendungen_a_-_z/uebersicht/wir_im_saarland/grenzenlos/20180115_wims_grenzenlos100~_seite-2.html)

Grüne fordern Klarstellung 

Zur Berichterstattung regionaler Medien über die Folgen des Grubenwasseranstiegs in Lothringen, über die Auswirkungen auf das Saarland sowie zu den Äußerungen der Fachebene des Umweltministeriums hierzu erklärt die stellvertretende Landesvorsitzende der Grünen im Saarland, Barbara Meyer-Gluche:  "Das Beispiel Frankreich führt uns vor Augen, wie weitgehend und kostenträchtig die Folgen des Grubenwasseranstiegs sind. Die Erfahrungen aus Lothringen zeigen außerdem, dass Prognosen im Vorfeld, die Gutachten zeigten, nicht zutreffend waren. Das Ausmaß der Vernässungen ist viel größer als angenommen. Die realen und langfristigen  Folgen des Grubenwasseranstiegs sind nicht im Vorfeld abzusehen. 

Die Aussagen der Fachebene des Umweltministeriums bezüglich des Grubenwasseranstiegs im Saarland machen uns besorgt. Die vollständige Flutung wird nach wie vor nicht ausgeschlossen und die angeführten Argumente sind mehr als dünn. 
Das Argument, dass das salzhaltige Grubenwasser schwerer ist als das Trinkwasser und es sich daher nicht mit ihm vermischen könne, ist völlig leichtsinnig. Grubenwasser ist nicht nur salzhaltig, sondern auch wärmer als Trinkwasser, was einen auftreibenden Effekt bewirkt. Auch dass Vernässungen in erster Phase ausgeschlossen werden könnten, wie Herr Naumann vom Umweltministerium sagt, trifft nicht zu. Das Gegenteil hat Prof. Wagner in seinem Gutachten geschrieben. Er schreibt, dass der Grundwasserspiegel im deutlich darüber liegenden Gebirge ansteigt, selbst wenn zwsichen Grundwasserspiegel und oberem Grundwasser führendem Gebirge noch mehrere hundert Meter wasserungesättigtes Gebirge liegen. (Kap. 5, Seite 45) 

Wir fordern die Landesregierung dazu auf, sicherzustellen, dass das Grubenwasser in Frankreich zum Schutz des Trinkwassers im Warndt nicht weiter ansteigt. Die Bohrungen reichen hierfür nicht aus.

Mit Blick auf die heutigen Äußerungen muss das Umweltministerium klar stellen, dass sich das Grubenwasser trotz seines Salzgehalts mit Trinkwasser vermischen kann. Auch muss das Umweltministerium zugeben, dass Vernässungen in der ersten Phase nicht ausgeschlossen werden können. Da eine Verunreinigung des Trinkwassers nicht ausgeschlossen werden kann, darf es keinen Grubenwasseranstieg geben." 

erschienen am: 2018-08-07 im europaticker



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