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Team aus MA 65 und TierärztInnen kontrolliert sämtliche Standorte
Extreme Hitze: Vassilakou ordnet Aktion Scharf zum Schutz der Fiakerpferde an

Die Wienerinnen und Wiener kämpfen sich durch die heißeste Woche des Jahres. Wer kann, flüchtet sich in den Schatten, ins Grüne oder in dunkle, kühle Innenräume. Fiakerpferde sind trotz Hitze im Einsatz. Nach geltendem Wiener Landesgesetz bekommen Fiakerpferde ab 35 Grad hitzefrei.

Generell gilt das Fiakergesetz, das die Tiere schützen soll. Leider kommt es immer wieder zu Regelverstößen. „In den vergangenen Tagen haben sich viele Wienerinnen und Wiener bei uns gemeldet, die uns auf zahlreiche Verstöße gegen das Wiener Fiakergesetz aufmerksam gemacht haben. Daher sehe ich mich dazu gezwungen, die MA 65 mit scharfen Kontrollen zu beauftragen“, erklärt Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou.

„Darüber hinaus beobachte ich mit großer Sorge eine jüngst präsentierte Initiative, die behauptet, die Pferde würden nicht unter der Hitze leiden, weil sie Steppentiere seien. Sie leiden sehr wohl“, so Vassilakou weiter. Die Tiere leben in der Innenstadt nicht in ihrer natürlichen Umgebung, wo sie kühlere Standorte aufsuchen würden. Auch gebe es in der Steppe keinen Asphalt und Häuser, die Hitze abstrahlen. „Wenn sich einzelne Fiaker-Unternehmer weiterhin nicht an die Regeln halten, muss die Stadt Wien über eine Verschärfung dieses Gesetzes nachdenken bzw. auf Basis der bestehenden rechtlichen Möglichkeiten Fiaker-Unternehmern, die sich nicht an die gesetzlichen Bestimmungen halten, die Konzession zu entziehen“, beschreibt die Verkehrsstadträtin mögliche Handlungsoptionen.

Schutz der Tiere muss im Vordergrund stehen – Ministerin Hartinger-Klein säumig

1693 wurde die erste Fiaker-Lizenz in Wien erteilt und mit rund 1000 Gespannen prägten diese Lohnkutschen Anfang des 20. Jahrhunderts das Bild der Donaumetropole nachhaltig. „Es ist also kein Wunder, dass viele Touristen heute noch gerne dem Flair Wiens oder auch Salzburgs längst vergangener Tage bei einer Kutschenfahrt nachspüren wollen. Die Fiaker gehören damit nach wie vor zu Österreich – so wie das Riesenrad und die Mozartkugel“, zeigt Liste Pilz Gesundheitssprecherin Daniela Holzinger grundsätzlich Verständnis für den Fiakerbetrieb.

Gleichzeitig schränkt sie aber ein, dass es, angesichts der immer wieder festgestellten Verstöße gegen die Mindesterfordernisse des Tierwohls, dringend Reformen braucht: „Pferd und Auto, das geht nicht zusammen. Ein Fiaker im Berufsverkehr wie das etwa am Rudolfskai in Salzburg und in Wien am Ring beobachtet werden kann, das ist ein grausamer Anblick. Die Tiere leiden unter Lärm, Abgasen, enormem Stress und haben schlicht und ergreifend dort nichts verloren“, so Holzinger.

Ähnlich verhalte es sich zudem mit der Versorgung, Unterbringung oder dem Einsatz der Tiere: „Pferde sind Lebewesen und haben Bedürfnisse, auf die Rücksicht zu nehmen ist. Das betrifft etwa eine Unterbringung mit genügend Auslauf, aber natürlich auch den Einsatz. Extreme Temperaturen im Winter, aber auch im Sommer müssen hier berücksichtigt werden und der Betrieb ab gewissen Werten ganz einfach eingestellt werden“, fordert Holzinger.  Auch die Verpflegung mit geeignetem Futter und ausreichend Tränken am Weg seien hier enorm wichtig.

Um die Tradition der Fiaker beibehalten zu können, ist es in den Augen der Gesundheitssprecherin, in deren Ressort auch der Tierschutz fällt, unerlässlich, hierfür vernünftige und tiergerechte Rahmenbedingungen zu schaffen: „Beginnen muss das Ganze mit der Einhaltung, Überwachung und notfalls Sanktionierung der bestehenden Regelungen, damit es nicht zu so eklatanten Verstößen kommen kann, wie sie etwa der VGT regelmäßig aufzeigt. Weiters fordere ich die Sozialministerin auf, endlich tätig zu werden und eine erste Sitzung der Tierschutzkommission einzuberufen. Hartinger-Klein ist hier bisher säumig, was der Weiterentwicklung des Tierschutzes allgemein, aber auch in Hinblick auf die Fiaker, keinen Dienst erweist. Zusammengesetzt aus ExpertInnen und ParlamentarierInnen, wurde dieses Gremium geschaffen, um die Ministerin zu beraten – ein Angebot auf das sie dringend zurückgreifen sollte.

Und zu guter Letzt muss klar sein, dass Pferde und Kraftfahrzeuge nichts gemeinsam auf der Straße verloren haben. Wer Tierschutz ernst nimmt, wird an der Einrichtung eigener Fiakertrassen bzw. der Beschränkung von Kutschfahrten auf Parks wie etwa Schönbrunn nicht vorbeikommen,“ so Holzinger abschließend.

Ein Team aus TierärztInnen und MitarbeiterInnen der MA 65 kontrolliert heute den Zustand der Tiere, regelkonformes Auffahren an den Standorten (zwischen 11 und 22 Uhr) und das Einhalten der erlaubten Fahrtzeiten. Bei den Kontrollen wird geachtet auf:

• Ernährungszustand

• Allgemeinverhalten

• Kreislauf

• Atmung

• Hufbeschlag und der Zustand der Hufe

• Extremitäten und Lahmheiten

• Einsatzfähigkeit und Verhalten

In Wien gibt es

• 152 Konzessionen für Fuhrwerke

• 355 Pferde

• 6 Standplätze in der Inneren Stadt

• 26 Fiaker-Unternehmen

David Vladar, stv. Leiter der MA 65 (Verkehrsrechtliche Angelegenheiten) wird die Aktion Scharf überwachen. „In den letzten Wochen ist es immer wieder zu zahlreichen Verstößen gegen das Wiener Fiakergesetz gekommen. Deshalb mussten wir schon vergangene Woche am Stephansplatz vehement einschreiten, um die Ordnung wiederherzustellen. Sollten Pferde aufgrund der Hitze gesundheitlich beeinträchtigt sein, so werden diese auf behördliche Anordnung aus dem Fahrdienst genommen.“

erschienen am: 2018-08-08 im europaticker


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