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Von Bestandserhaltung oder gar Verbesserungen des Öffentlichen Verkehrs kein Wort, kein Cent

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Sonderprogramm für den Nationalpark Bayerischer Wald – wurde etwas Entscheidendes vergessen?

Der BUND Naturschutz in Bayern e.V. (BN) begrüßt das finanzielle Sonderprogramm mit dem der Nationalpark Bayerischer Wald anlässlich seines 50-jährigen Bestehen „fit für die Zukunft“ noch attraktiver gemacht werden soll. Mit rund 30 Millionen Euro, dem sogenannten „Nationalpark-Packerl“, soll die wirtschaftliche Entwicklung der Region unterstützt werden. Doch die vorgesehene Mittelverwendung ist nicht gerade dienlich für eine Vorzeigeregion für umweltfreundlichen Tourismus. Gut zwei Drittel des Geldes ist für die Sanierung kommunaler Straßen im Landkreis Freyung-Grafenau vorgesehen. Von Bestandserhaltung oder gar Verbesserungen des Öffentlichen Verkehrs kein Wort, kein Cent.

In einer Presseerklärung bezeichnet Umweltminister Dr. Marcel Huber den Nationalpark Bayerischer Wald als ein Juwel für den Naturschutz und den sanften Tourismus in Bayern. „Zu Recht, und darauf sind wir auch sehr stolz,“ sagen Peter Mayer, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Freyung-Grafenau und Roland Schwab, sein Kollege aus Regen, unisono. „Doch sanfter Tourismus ist untrennbar mit öffentlicher Mobilität verbunden. Wie passt das zusammen, wenn man immer öfter hört, dass sogar die Finanzierung der Igelbusse in Frage gestellt wird und erste Gemeinden überlegen, ob sie bei GUTi noch gut aufgehoben sind?“, fragt Mayer.

BN-Landesvorsitzender Richard Mergner gibt zu bedenken, dass sich die Nationalpark-Region über Jahre hinweg einen exzellenten Ruf in Sachen nachhaltige Mobilität erarbeitet hat. „Schon vor über zwanzig Jahren waren die Igelbusse bundesweit das Vorzeigemodell für autofreien Nationalpark-Tourismus. Die Region hat es immer geschafft, das Angebot weiterzuentwickeln und zu optimieren. Sogar die von der Einstellung bedrohte Bahnstrecke Zwiesel-Grafenau wurde saniert und könnte bald im Stundentakt betrieben werden. 2012 hat der Bund Naturschutz in Bayern diese Leistungen mit der Bayerischen Naturschutzmedaille geehrt. 2009 und 2016 ging der Fahrtziel-Natur-Award, bei dem auch der BUND maßgeblich beteiligt ist, an Bayerwald-Ticket bzw. GUTi. Mit GUTi hat sich die Region bundesweites Ansehen erarbeitet und wurde zum Vorbild“, zählt Mergner weiter auf. „Es wäre ein gewaltiger Rückschritt, wenn man nun diesen Vorsprung leichtfertig aufs Spiel setzt und in die Mobilitäts-Steinzeit zurückfällt“, so der Landesvorsitzende. Deshalb ist es für ihn unverständlich, weshalb Regionalpolitik und Tourismusexperten diesen Vorsprung nicht nutzen. „Noch vor wenigen Jahren war das Thema GUTi und nachhaltiger Nationalpark-Tourismus in den Medien regelmäßig, auch bundesweit, präsent,“ so Mergner.

„Vielleicht sind die Politiker am Nationalpark mit dem Bus- und Bahnangebot so zufrieden, dass sie es schlicht vergessen haben, nennenswerte Verbesserungen dafür einzufordern“ ergänzt Richard Mergner mit etwas Sarkasmus. „Oder man hofft, dass der ÖPNV als touristische Infrastruktur über die von Ministerpräsident Söder in Aussicht gestellten Tourismusoffensive gedeckt wird, es wäre jedenfalls wünschenswert und weiterhin notwendig für eine zukunftsfähige Entwicklung“, so Mergner.

Mit gedämpften Zweckoptimismus interpretiert BN-Regionalreferentin für Niederbayern, Julika Selinger-Schreiber, die hohe Mittelzusage für den Straßenbau: „Wenn der Landkreis Freyung-Grafenau und die Gemeinde Spiegelau knapp 20 Millionen Euro für Straßensanierung und -unterhalt sparen, sollten eigentlich genügend Mittel zur Verfügung stehen, um die Igelbusse auf einen soliden Taktverkehr umzustellen und die Infrastrukturverbesserungen für den Stundentakt zwischen Zwiesel und Grafenau abzuschließen.“ „Hoffentlich bleibt dann auch noch etwas über, um dem ÖPNV wieder zu einer besseren Wahrnehmung vor Ort zu verhelfen. Denn leider wissen heute oft nicht einmal die touristischen Leistungsträger, dass man zu vielen Orten in der Nationalpark-Region mit der Bahn anreisen kann und wichtige Ausflugsziele vor Ort mit dem ÖPNV gut zu erreichen sind“, bedauern die BN-Kreisvorsitzenden Mayer und Schwab.

erschienen am: 2018-08-08 im europaticker



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