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Monitoringreport des Nachhaltigkeitsministeriums zeigt steigenden Energieverbrauch
trotz wachsender Effizienz
Klimaziele: Österreich muss noch mehr tun

Die Energieeffizienz in Österreich nimmt zu, allerdings steigt auch der Energieverbrauch. Diesen Schluss zieht das Nachhaltigkeitsministerium im aktuellen Monitoringreport zu den Klima- und Energiezielen ( III-159 d.B.), die sich die Republik auf Grundlage unionsrechtlicher Vorgaben gesetzt hat. Zwar hätten strategische Maßnahmen wie Förderprogramme der öffentlichen Hand und die Verpflichtung von Energielieferanten zur Effizienzsteigerung deutliche Einsparungen gezeitigt, doch würden mehr Straßenverkehr und der Klimawandel zu einer Zunahme des Energieaufwands führen. Der Endenergieverbrauch in Österreich lag laut Ministerium bereits 2016 mit 1.121 Petajoule über dem 2020-Ziel von 1.050 Petajoule. Ob dieser Wert erreicht wird, sei folglich unsicher, zumal der Verbrauch von "nur schwer beeinflussbaren Größen" wie Klima, Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum abhänge. Als nicht verbindliches Reduktionsziel beim Energieverbrauch bis 2020 hat sich Österreich 21% gesetzt.

Eine Steigerung gab es zuletzt auch bei den Treibhausgasen - für 2016 wird ein Emissionsanstieg von 0,8 Mio. Tonnen CO2-Äquivalent gegenüber dem Vorjahr erwartet -, wiewohl der Wert noch unter der zulässigen Höchstmenge lag. Dennoch erachtet das Ministerium zusätzliche Maßnahmen für erforderlich, um Österreichs Zielpfad bis minus 16% am Ende der Periode einzuhalten.

Bei erneuerbaren Energieträgern ist für Österreich das Ziel von 34% wiederum in greifbarer Nähe, nicht zuletzt dank des großen Anteils an Wasserkraft. Allerdings, heißt es aus dem Nachhaltigkeitsministerium, müssten künftig Schwankungen in der Wasserführung von Flüssen, bedingt durch unterschiedliche Niederschlagsmengen, in die Prognosen einbezogen werden.

Ausgangspunkt für die nationale Klimapolitik bilden EU-Regelungen, die im Klima- und Energiepaket 2007 zusammengefasst sind. Die EU hat sich damit verpflichtet, bis 2020 den Ausstoß von Treibhausgasen um 20% im Vergleich zu 1990 zu reduzieren, und den Anteil erneuerbarer Energiequellen im gleichen Zeitraum auf 20% zu steigern. Gleichzeitig ist die Energieeffizienz um 20% zu erhöhen.

Fokus auf Steigerung der Energieeffizienz

Eine konsequente Steigerung der Energieeffizienz in allen Sektoren bildet laut Nachhaltigkeitsministerium den Kern der österreichischen Energie- und Klimapolitik. So habe man bei der Energieeinsparung den geforderten Zielwert von 80,4 Petajoule (PJ) schon 2015 mit 88,6 PJ an gemeldeten Einsparungen übererfüllt, geht aus dem Monitoringreport des Ministeriums für Umweltagenden hervor. Zurückgeführt wird diese Entwicklung auf seit 1991 laufende Aktionen. Strategische Maßnahmen, vor allem striktere Vorgaben der Bauordnung, Förderprogramme im Umweltbereich, Steuern (z.B. Elektrizitätsabgabe) und eine Ausweitung der thermischen Sanierung von Gebäuden, hätten in den Bereichen Raumwärme, Warmwasser und Gebäudehülle zu deutlichen Effizienzsteigerungen geführt. Außerdem müssen Energielieferanten im Rahmen eines Verpflichtungssystems Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz nachweisen.

Obwohl beim heimischen Endenergieverbrauch zuletzt aufgrund von makroökonomischen Faktoren ein Anstieg verzeichnet wurde, nimmt das Ministerium an, dass durch das Verpflichtungssystem und die gesetzten strategischen Maßnahmen, die zusätzlich als effizienzsteigernd anrechenbar sind, bis 2020 das Einsparziel von 218 PJ sowie das Endenergieeffizienzziel von 310 PJ erreicht wird.

Ausweitung erneuerbarer Energien in der Zielgeraden

Gemessen am Ausgangsjahr 2005 hat Österreich seinen Anteil erneuerbarer Energien wie Wasser, Wind und Solarstrom auf 33,5% (2016) ausgebaut. Das gesteckte Ziel von 34% bis 2020 sollte daher leicht erreicht werden, so das Umweltressort. Welcher Energieträger als erneuerbar gewertet wird, hängt von seinem Bruttoendenergieverbrauch ab. Unter anderem werden hier End- und Eigenverbrauch der Strom- und Fernwärme-Produktion sowie energetische Transportverluste miteinberechnet. Als anrechenbare Erneuerbare gelten biogene Energieträger, Solar-, Erd- und Umgebungswärme, Biokraftstoffe, Wasserkraft, Windkraft und Photovoltaik. Am größten war der Anteil erneuerbarer Energieträger 2016 bei der Elektrizitätserzeugung (71,3%) bzw. im Haushaltssektor (51,7%), gefolgt von Dienstleistungen (51,4%) und Landwirtschaft (48,3%).

Im Sinne der Dekarbonisierung strebt das Nachhaltigkeitsministerium eine verstärkte Sektorkoppelung bei der Energiewirtschaft an, besonders im Verkehrsbereich und im Kühl- bzw. Wärmesektor. Entscheidend für das Ausmaß erneuerbarer Energieträger im Land sei außerdem die Entwicklung des gesamten österreichischen Bruttoendenergieverbrauchs.

Stärkere Reduktion der Treibhausgasemissionen nötig

Generell sei seit 2005 ein rückläufiger Trend der Treibhausgas-Emissionen zu beobachten, schreibt das Nachhaltigkeitsministerium und führt das auf die Reduktion kalorischer Kraftwerke, auf klimagerechte Sanierungen und auf weniger fossile Brennstoffe zur Gebäudebeheizung zurück. Im Verkehrssektor ortet das Ministerium dennoch großen Handlungsbedarf, um langfristig eine Reduktion der Treibhausgas (THG) - Emissionen im Land zu bewerkstelligen. Immerhin verursache der Verkehr 44,7 % dieser klimaschädlichen Abgase, wobei 26% der Emissionen im Straßenverkehr auf Tanktourismus zurückzuführen seien. Aufgrund des kräftigen Anstiegs des Dieselabsatzes im Jahr 2016, vermuten die UmweltexpertInnen des Ministeriums, "dass der seit 2005 sinkende Trend der THG-Emissionen im Verkehrssektor gebrochen ist".

Aber auch in den anderen Sektoren – besonders Landwirtschaft (16,3%), Gebäude (16,1%), Energie und Industrie (12,6%) – ist dem Umweltressort zufolge noch mehr zu tun. Wohl habe Österreich die sektoralen THG-Höchstmengen in beinahe allen Sektoren eingehalten, und insgesamt die zulässige Emissionshöchstmenge mit minus 2,2 Mio. Tonnen CO2-Äquivalent unterschritten. Doch könnten aktuelle Anpassungen der Mitgliedstaaten-Ziele die Zielerreichung zusätzlich erschweren, warnt das Ministerium. Vorgeschlagen wird in diesem Zusammenhang, bei Bedarf nicht genutzte Emissionsmengen in späteren Jahren als Gutschrift heranzuziehen.

Zur gerechten Lastenverteilung unter den Mitgliedstaaten am Weg zur anvisierten unionsweiten THG-Ausstoßreduktion von 20% wurde anhand der jeweiligen Wirtschaftsleistung eine Aufteilung der Emissionsziele in Sektoren außerhalb des EU Emissionshandels vereinbart. Österreich muss demnach die Treibhausgas-Emissionen um 16% vermindern. Bund und Länder haben sich dazu sektorenspezifische Ziele gesetzt, zur Zielerreichung regt aber das Ministerium noch vor 2020 einen weiteren Maßnahmenplan an.

Beispielsweise sollten im Sektor Energie und Industrie weitere Vorkehrungen zur Erhöhung der Energieeffizienz sowie zum Wechsel auf erneuerbare Energien getroffen werden, sodass ungeachtet der Abhängigkeit von wirtschaftlichen Entwicklungen längerfristige Klimaziele eingehalten werden können.

erschienen am: 2018-08-08 im europaticker


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