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Durchbruch beim Kampf gegen illegale Manipulation an Lkw-Abgasanlagen

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Der vertuschte Abgasskandal

Der Messtechnik-Hersteller AVL hat ein neues Messverfahren vorgestellt, mit dem sich Manipulationen an den Abgasanlagen von Lkw leicht nachweisen lassen. Der Berufsverband Camion Pro fordert, die Kontrollbehörden umgehend mit dieser Technik auszustatten.

Seit Jahren ist das Problem bei Fachleuten und Behörden bekannt: Osteuropäische Spediteure manipulieren die Abgasanlagen Ihrer Lkw, um den Zusatzstoff AdBlue zu sparen. Obwohl ein Großteil dieser Fahrzeuge auch in Deutschland unterwegs ist, standen die Politik und die Behörden in Deutschland, dem Treiben bisher nahezu hilflos gegenüber. Das Problem: Die Laster werden von den Eigentümern nachträglich, mit „Schummelsoftware“ manipuliert, die von der Polizei und Fachwerkstätten kaum nachzuweisen ist.

Nun hat der Messtechnik-Hersteller AVL aus Mainz-Kastel, Deutschland, ein Diagnosegerät entwickelt, mit dem es möglich sein soll, illegale Software in den Lastwagen nachzuweisen. Auf der Automechanika 2018 in Frankfurt gehörte das Produkt zu den Finalisten der Innovation Awards in der Kategorie Truck Products & Services.

„Wenn diese neue Messtechnik funktioniert, haben deutsche Behörden endlich ein brauchbares Mittel in der Hand, gegen diese kriminellen Unternehmen vorzugehen“, freut sich Andreas Mossyrsch, vom Berufsverband Camion Pro e.V.. Mossyrsch hatte 2016 bei Undercover-Recherchen in Rumänien die Manipulationen an Lkw aufgedeckt und eine Studie beim Institut für Umwelttechnik der Universität Heidelberg in Auftrag gegeben. Die Universität führte daraufhin Abgasmessungen bei über 160 Lkw durch. Das alarmierende Ergebnis: 20 bis 40 Prozent der osteuropäischen Lkw hatten Stickoxidwerte, die teilweise den Sollwert um mehr als das Fünfzigfache überstiegen. Deutsche und westeuropäische Lkw zeigten diese Auffälligkeiten nicht. Fachleute sind sich deshalb einig, dass sich andere Ursachen als Manipulationen an den Fahrzeugen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausschließen lassen.

„Die deutsche Politik hat das Thema bisher vollständig verschlafen“, so Andreas Mossyrsch weiter. Er weist darauf hin, dass der Stickoxidausstoß bei den erwähnten AdBlue-Manipulationen bei Lkw den des VW-Abgasskandal um ein Vielfaches übersteigen könnte. „Da es kaum möglich war, die Täter zu überführen, haben Politik und Industrie wohl versucht, das Problem auszusitzen“, vermutet Mossyrsch. Bei einer parlamentarischen Anfrage der Grünen (Stefan Kühn, MDB) 2017 argumentierte die Bundesregierung „das Problem der illegalen Abgasmanipulationen sei wohl deutlich niedriger, als die Zahlen aus dem Gutachten der Universität Heidelberg“. Dabei berief man sich auf die geringe Zahl von Lkw (zwei bis drei Prozent), die bei Kontrollen mit manipulierten Abgasanlagen festgestellt wurde. Die Krux: Fachleute haben schon mehrfach darauf hingewiesen, dass weder die Polizei noch das Bundesamt für Güterverkehr geeignete Ausrüstung zum Nachweis dieser Manipulation haben.  

AVL Ditest stellt den neuen SCR-Manipulations-Detektor auf der Messe „Automechanika“ der Öffentlichkeit vor. „Für die politisch Verantwortlichen kann es nun in der Komfortzone eng werden“, stellt Andreas Mossyrsch fest. Wenn der Nachweis der „AdBlue-Emulatoren“, wie die Mogelsoftware korrekt heißt, nun technisch möglich ist, wird die Politik nach Ansicht des Camion-Pro-Vorsitzenden nicht umhinkommen, Behörden mit der Technik auszurüsten.

Das ganze Ausmaß der Manipulationen würde dann erkennbar. Fachleute sprechen von über 10.000 Tonnen Stickoxid pro Jahr. Andreas Mossyrsch: „Weil das Mautsystem der deutschen Autobahn abgasarme Lkw begünstigt, haben osteuropäische Täter durch die Abgasmanipulationen nach unserer Schätzung in den letzten Jahren rund eine Milliarde Euro an Mautgebühren hinterzogen.“

erschienen am: 2018-09-12 im europaticker



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