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Equal Pay Day: LRin Fischer präsentiert Publikation der Landesstatistik

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Studie zeigt Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern in Tirol

Mit dem Equal Pay Day wird ein Zeichen gesetzt, um die immer noch weit auseinander klaffende Lohnschere zwischen den Geschlechtern in Erinnerung zu rufen. Denn mit dem morgigen Tag, dem 9. Oktober, haben Männer bereits das Einkommen erreicht, wofür Frauen noch bis Jahresende arbeiten müssen. Jeder einzelne Tag, von heute bis Silvester, ist also Zeichen der weit auseinandergehenden Lohnschere.

„Das Thema der Lohnunterschiede ist nach wie vor sehr aktuell. Es sind viele Faktoren dafür verantwortlich, warum Frauen weniger verdienen als Männer. Um diese ganz spezifisch für Tirol herauszuarbeiten, wurde vom Land Tirol eine Studie erstellt, die diesen Lohnunterschieden auf den Grund geht“, berichtet Frauenlandesrätin Gabriele Fischer. Auf Basis der verfügbaren Daten wurden die Tendenzen der geschlechtsspezifischen Lohnunterschiede aufgezeigt und einige Charakteristika „weiblicher” Erwerbsarbeit in Tirol beschrieben.

Die Ursachen für den Gender Pay Gap – so wird im Allgemeinen der Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern bezeichnet – liegen nicht nur in der Berufswahl und Diskriminierung. Durch die ungleiche Aufteilung von Erwerbsarbeit und unbezahlter Betreuungs- und Erziehungstätigkeit kommt es bei Frauen öfter zu Unterbrechungen im Erwerbsleben und Teilzeitarbeit. Die vorliegende Studie ortet „ein komplexes Zusammenspiel der genannten Faktoren“, das dafür verantwortlich ist, „dass sich — trotz aller Fortschritte — die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern bis heute nicht geschlossen hat“.

Charakteristika „weiblicher“ Erwerbsarbeit in Tirol

Um einige Charakteristika „weiblicher” Erwerbsarbeit in Tirol herauszuarbeiten, wurde das Augenmerk auf die Branchen mit dem höchsten Anteil an weiblichen Erwerbstätigen gerichtet. Jene Branche mit dem höchsten Frauenanteil im Jahr 2014 war das Gesundheits- und Sozialwesen. Hier betrug der Frauenanteil 72,8 Prozent, dies macht rund 17,5 Prozent aller unselbstständig beschäftigten Frauen in Tirol aus. Die meisten erwerbstätigen Frauen in Tirol arbeiteten im Handel (23,8 Prozent). Hier betrug der Frauenanteil 58,2 Prozent. Nur etwas geringer war der Anteil der weiblichen Erwerbstätigen im Gastgewerbe mit 11,5 Prozent. In vier der fünf „weiblichen” Wirtschaftsbereiche liegt der Bruttostundenlohn der Frauen deutlich unter dem durchschnittlichen Tiroler Gesamt-Bruttostundenlohn. In Bezug auf den Tiroler Arbeitsmarkt kommt noch hinzu, dass Branchen mit einem hohen Frauenanteil, in denen auch ein großer Teil der weiblichen Erwerbstätigen beschäftigt ist, einen hohen Anteil an Niedriglohnempfängerinnen aufweisen.
Teilzeitarbeit ist, wie erwartet, unter weiblichen Erwerbstätigen in allen Branchen stark ausgeprägt. In den fünf Branchen mit dem höchsten Frauenanteil sind zumindest 75 Prozent der Teilzeitkräfte weiblich.

Vor allem junge Frauen in Tirol haben im Bildungsbereich in den vergangenen Jahren jedoch wesentlich aufgeholt und konnten so ihre Aufstiegschancen und Verdienstmöglichkeiten verbessern. Allerdings zeigt sich, dass, besonders was die Lehre betrifft, die Berufswahl nach wie vor stark von geschlechtsspezifischen Stereotypen geprägt ist. Laut der Lehrlingsstatistik der Wirtschaftskammer Tirol ergreifen männliche Lehrlinge hauptsächlich technische und handwerkliche Lehrberufe. Bei den Mädchen ist Einzelhandelskauffrau der bei weitem beliebteste Lehrberuf: 27 Prozent der weiblichen Lehrlinge lassen sich im Handel ausbilden. Darauf folgen Bürokauffrau und Friseurin (jeweils 11 Prozent) und mit Hotel- und Gastgewerbeassistentin (6 Prozent), Restaurantfachfrau (5 Prozent) und Köchin (4 Prozent) drei Berufe in Beherbergung und Gastronomie.

„Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Gender Pay Gap in Tirol trotz Fortschritten in den letzten Jahren im europäischen Vergleich nach wie vor hoch ist“, betont LRin Fischer. Einen der maßgeblichsten Faktoren für den Lohnunterschied stellt die Konzentration der weiblichen Arbeitnehmerinnen auf wenige Branchen dar, die einen hohen Anteil an Teilzeitarbeit aufweisen. Teilzeitarbeit wirkt sich zwar nicht zwingend negativ auf den Stundenlohn aus, allerdings sinken durch Teilzeitarbeit das Lebenseinkommen und somit die Pensionsansprüche weiblicher Arbeitnehmerinnen. Gleichzeitig kann die Tatsache, dass nur eine gewisse Anzahl an Stunden pro Woche gearbeitet wird, negative Konsequenzen für Verdienstmöglichkeiten und Aufstiegschancen der Arbeitnehmerinnen haben.

Initiativen für Lohngerechtigkeit

Im Rahmen der Möglichkeiten versucht Tirol mit verschiedensten Programmen einer Lohngerechtigkeit näher zu kommen. Das Programm „FiT – Frauen in Handwerk und Technik“ des Arbeitsmarktservices soll mehr Frauen dazu animieren, typische Männerberufe zu ergreifen. Diese Berufe sind deutlich besser bezahlt als typisch „weibliche“ Berufe in den diversen Dienstleistungsbranchen. Hinzu kommt, dass gerade typische Frauenberufe massiv von einer arbeitnehmerInnenfeindlichen Dynamik am Arbeitsmarkt betroffen sind. Auch bei der jüngeren Generation wird angesetzt, um mehr Mädchen für naturwissenschaftliche und technische Berufe zu begeistern: Dazu zählt der alljährlich im April stattfindende Girls’ Day“.

„Care-Berufe“ müssen aufgewertet werden

Eine echte Trendwende bezüglich der branchen- und berufsspezifischen Aufsplittung von Frauen und Männern am Tiroler Arbeitsmarkt ist trotz arbeitsmarktpolitischer Förderungsmaßnahmen und Initiativen in näherer Zukunft nicht absehbar. Denn die Berufswahl der jungen Frauen und Mädchen — mit den verschiedensten individuellen Entscheidungsgrundlagen – verlangsamt den Prozess der Reduktion des Gender Pay Gaps in Tirol.

„Grundsätzlich braucht es eine Neubewertung der Arbeit. Die sogenannten ‚Care-Berufe‘, in denen die Pflege oder die Erziehung fallen, müssen den Stellenwert bekommen, der ihnen zusteht“, stellt LRin Fischer klar. Dies erfordere ein gesellschaftliches Umdenken. Denn nicht nur Profitmaximierung und Kostenersparnis, sondern auch sozial relevante Faktoren müssen bei der Bewertung einer Tätigkeit herangezogen werden. Ein weiteres wichtiges Anliegen ist der Frauenlandesrätin, dass mehr Frauen Führungspositionen in wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Funktionen einnehmen.

Die Studie „Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern in Tirol“ ist hier abrufbar.

 

erschienen am: 2018-10-08 im europaticker



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