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Gute Wirtschaftsentwicklung setzt sich fort – Probleme bei der Stellenbesetzung

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Konjunkturumfrage der IHK Wiesbaden / Sonderumfrage Fachkräfte

Die gute Entwicklung der Wirtschaftsregion Wiesbaden setzt sich im Jahresverlauf fort. Die aktuelle Geschäftslage wird von den Unternehmen in Wiesbaden, dem Rheingau-Taunus-Kreis und in Hochheim weiterhin hervorragend beurteilt, die Geschäftserwartungen für die kommenden zwölf Monate haben sich leicht gedämpft, bleiben aber hoch. Der hohen Einstellungsbereitschaft stehen Probleme bei der Besetzung offener Stellen gegenüber. Während die Investitionsneigung insgesamt auf hohem Niveau stabil bleibt, haben Unternehmen ihre Exporterwartungen weiter nach unten korrigiert. Das sind die Ergebnisse der repräsentativen Umfrage zur wirtschaftlichen Lage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Wiesbaden im Herbst 2018. Der Geschäftsklimaindex, Indikator für die regionale Wirtschaftsentwicklung, steigt um einen Punkt auf 136 Zähler. Gegenüber dem hessischen Durchschnitt von 124 Punkten gewinnt der Wiesbadener Indikatorwert, der sich aus den Einschätzungen zur derzeitigen Geschäftslage und den Geschäftserwartungen errechnet, weitere 5 Punkte Vorsprung. „Bei einer Wachstumsschwelle von 100 signalisiert der Geschäftsklimaindex einen Wachstumsimpuls. Aktuell ist der Impuls deutlich größer ist als jener für ganz Hessen“, sagt Dr. Florian Steidl, Chefvolkswirt der IHK Wiesbaden. „Im Jahresverlauf blickt die heimische Wirtschaft bislang auf eine glänzende Entwicklung zurück. Das schlägt sich auch in den Gewerbesteuereinnahmen der Kommunen nieder. Anhaltende Probleme bei Stellenbesetzungen erweisen sich zunehmend als Wachstumsbremse.“

Branchenübergreifend bleibt die Investitionsneigung auf hohem Niveau stabil. 36 Prozent der Unternehmen in der IHK-Region wollen ihre Investitionsausgaben in den kommenden zwölf Monaten steigern. 9 Prozent planen eine Kürzung ihrer Investitionsbudgets (jeweils -3 Prozentpunkte gegenüber der Befragung im Frühsommer). Während Dienstleister und die Handelsbranche mit steigenden Investitionen rechnen, wollen Industriebetriebe deutlich weniger investieren als noch im Frühsommer. Nur noch ein Drittel der Industrieunternehmen will die Investitionsausgaben steigern (-12 Punkte). Gleichzeitig wollen 19 Prozent ihre Investitionen zurückfahren (+8 Punkte). Der Saldo der Investitionserwartungen sinkt damit deutlich von 34 auf 14 Punkte.

„Während die Geschäfte aktuell gut laufen, schlagen sich die zunehmend protektionistischen Tendenzen in der globalen Handelspolitik nunmehr in den Exportplänen der Unternehmen nieder“, so Steidl. „Die Exporterwartungen werden abermals nach unten korrigiert. Die Betriebe verlieren ihre jahresanfängliche Euphorie über das Auslandsgeschäft.“ 24 Prozent der exportierenden Betriebe rechnen in den nächsten 12 Monaten mit einem wachsenden Exportvolumen (-22 Prozentpunkte), 9 Prozent gehen von einem Rückgang aus (-2 Punkte), 67 Prozent von gleichbleibenden Exporten. Der Saldo aus steigenden und abnehmenden Exporterwartungen sinkt auf 15 Punkte (-20 Punkte). „Insgesamt wird sich das Wachstum des Ausfuhrvolumens deutlich abschwächen. Insbesondere im Dienstleistungsbereich wird nur noch ein kleines Wachstum der Exporte gesehen.“

Die aktuelle Geschäftslage wird von den Unternehmen im Bezirk der IHK Wiesbaden weiterhin als hervorragend beurteilt. 57 Prozent der Unternehmer beschreiben ihre Lage als gut (+2 Prozentpunkte), 4 Prozent (-4 Punkte) als schlecht. Die Geschäftserwartungen haben sich leicht gedämpft. Ein Viertel der Unternehmen hat positive Erwartungen (-6 Punkte), 4 Prozent rechnen mit schlechteren Aussichten (-2 Punkte). 71 Prozent gehen von gleichbleibenden Erwartungen aus.

Die Betriebe in der Wirtschaftsregion Wiesbaden sind nach wie vor sehr einstellungsfreudig. 27 Prozent planen eine Vergrößerung ihrer Belegschaft in den kommenden 12 Monaten (-3 Punkte), 6 Prozent wollen Stellen abbauen (-2 Punkt). Gut zwei Drittel wollen den Personalstand konstant halten. „Die gute wirtschaftliche Lage geht Hand in Hand mit der hohen Einstellungsbereitschaft, macht sich aber auch auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar. Der Fachkräftemangel bleibt weiterhin das größte Risiko für die Geschäftsentwicklung.“ Wie bereits im Frühsommer identifizieren 64 Prozent der Betriebe den Fachkräftemangel als Top-Risiko.

„Die Sonderauswertung zu Fachkräften zeigt, wo Unternehmen Probleme sehen und wo sie Unterstützungsbedarf haben“, sagt Steidl. So geben 45 Prozent der Unternehmen an, offene Stellen mehr als 2 Monate nicht besetzen zu können, weil sie keine passenden Arbeitskräfte finden (-2 Prozentpunkte gegenüber der Vorjahresumfrage). Hat heute ein Viertel der Betriebe keine Probleme mit der Stellenbesetzung, war es vor einem Jahr ein Fünftel. Unverändert hat rund ein Drittel keinen Personalbedarf. Unternehmen können durchschnittlich 3,5 Stellen nicht besetzen. Vor allem Industrieunternehmen haben Probleme bei der Stellenbesetzung

Unternehmen, die offene Stellen längerfristig nicht besetzen können, suchen vor allem Arbeitskräfte mit (Fach-)Hochschulabschluss (50 Prozent), Weiterbildungsabschluss (z.B. Fachwirt, Meister) (45 Prozent) oder mit dualer Berufsausbildung (45 Prozent). 16 Prozent der Unternehmen suchen Arbeitskräfte ohne abgeschlossene Berufsausbildung. Als Gründe, warum Stellen nicht besetzt werden können, nennen Unternehmen vor allem den grundsätzlichen Mangel an Bewerbern (77 Prozent), eine zu geringe bzw. unpassende Qualifikation der Bewerber (66 Prozent) und zu hohe Forderungen – wie etwa beim Gehalt und bei den Arbeitsbedingungen (52 Prozent). Eine zu geringe Berufserfahrung ist nur für ein Fünftel der Unternehmen ein Grund, offene Stellen längerfristig nicht besetzen zu können. 6 Prozent nennen eine mangelnde Attraktivität von Unternehmensstandort oder Region (Infrastruktur, Wohnumfeld).

48 Prozent der Unternehmen haben Bedarf an Fachkräften aus Nicht-EU-Ländern. Von diesen Unternehmen geben 60 Prozent an, Hilfe bei der Einstellung von Fachkräften zu benötigen. 57 Prozent würden verbesserte Sprachkenntnisse durch mehr Sprachangebote im In- und Ausland bei der Einstellung von Fachkräften aus Nicht-EU-Ländern helfen. Jeweils 38 Prozent finden eine Vereinfachung des administrativen Verfahrens (z.B. Visabeantragung, Arbeitserlaubnis) und die Unterstützung im gesamten Prozess von der Bewerbersuche bis zur Einstellung (z.B. durch Arbeitsagenturen oder IHKs) hilfreich. 29 Prozent wünschen sich eine bessere Transparenz bzw. Übersichtlichkeit der aktuellen Regeln zur Einstellung, 26 Prozent eine Erleichterung der Zuwanderungsregelungen (z.B. Erweiterung Positivliste, Senkung Mindestentgelt bei Blauer Karte).

Der IHK-Konjunkturbericht im Herbst 2018 kann kostenfrei als pdf aus dem Internet heruntergeladen werden: www.ihk-wiesbaden.de/konjunkturbericht

erschienen am: 2018-10-09 im europaticker



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