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Prognose: Der Wolf werde sich in Deutschland weiter ausbreiten

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Experten fordern mehr Wolfsmanagement

Es muss ein "Miteinander von Wolf und Weidetier" möglich sein, sagte Alois Gerig (CDU), Vorsitzender des Ausschusses für Ernährung und Landwirtschaft, zum Auftakt eines Fachgesprächs mit dem Thema "Wolf und Herdenschutz - Suche nach konstruktiven Lösungsansätzen" am Montag. Die Rückkehr des Wolfes sorgt in vielen Regionen Deutschlands zunehmend für Beeinträchtigungen in der Weidetierhaltung. Fünf Sachverständige waren deshalb eingeladen, dem Gremium ihre Erfahrungen und Lösungsvorschläge zu präsentieren, um im "Spannungsfeld der Wolfsbefürworter und -gegner" zu zukunftsfähigen Ergebnissen zu kommen.

Aus brandenburgischer Sicht, erläuterte Gregor Beyer, Geschäftsführer des Forums Brandenburg e.V., sei der Wolf nie weg gewesen. Zur DDR-Zeit sei er zwar bejagt worden, er habe sich aber schnell wieder reproduziert. Der heutige Bestand lasse sich mit etwa 300 Tieren in Brandenburg angeben, was einem Zuwachs von 30 Prozent entspreche. In gleicher Höhe lasse sich außerdem auch der Zuwachs der zu Schaden gekommenen Tiere abschätzen. Beyer betonte, dass die im Koalitionsvertrag vereinbarte Herbeiführung einer Bestandsreduktion der Wölfe in den Verbänden des "Forum Natur" Freude hervorrief. Nun sei es an der Zeit, zu einem funktionierenden Wolfsmanagement zu kommen und jagdrechtlich in Bezug auf den Wolf für Klarheit zu sorgen.

Michael Böer, Facharzt für Wildtiere und Zoodirektor des Zoos Osnabrück, sprach sich für eine stärker regional konzentrierte Forschung aus. Das Wolfsmanagement sei vor allem dann zu optimieren, wenn konkrete Beobachtungen vor Ort vorgenommen und bearbeitet werden würden. Dabei sei beispielsweise auch die Berücksichtigung des Verhaltens einzelner Wolfsfamilien entscheidend. Maßnahmen zum Schutz von Weidetieren müssten deshalb auch immer jeweils gesondert und mit Blick auf lokale Faktoren angesetzt werden. Die gezielte Berücksichtigung und Verwertung regional gewonnener Informationen und Forschungsergebnisse, so der Tiermediziner, würde die Arbeit des DBBW, die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf, und anderer Bundesbehörden effektiver gestalten.

Am höchsten sei der Wolfsdruck in Sachsen und Brandenburg, betonte Knut Kucznik, der 1. Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Herdenschutzhunde e.V. Neben dem Zaunbau, der Grundvoraussetzung für den Herdenschutz, müssten zudem Herdenschutzhunde eingesetzt werden. Der Umgang und die Haltung dieser speziell trainierten Hunde sei allerdings anspruchsvoll und mit entsprechender Schulung verbunden - das gelte es im Blick zu behalten. Außerdem, so Kucznik, müsse der Herdenschutzhund rechtlich verankert werden. Darüber hinaus sollten Herdenschutzmaßnahmen zu 100 Prozent aus öffentlicher Hand finanziert und Wölfe, die die Schutzbarrieren überwinden, augenblicklich entnommen werden.

Der Wolf werde sich in Deutschland weiter ausbreiten, prognostizierte Ilka Reinhardt vom LUPUS Institut für Wolfsmonitoring und -forschung in Deutschland. Die Bedingungen, die das Tier im Land vorfindet, seien gut, so werde es etwa zukünftig auch immer mehr Nahrung finden. Ein zukunftssicheres Wolfsmanagement und eine flächendeckende Herdenschutzgestaltung seien deshalb von absoluter Wichtigkeit. Oberste Priorität, so Reinhardt, müsse der Herdenschutz von besonders wehrlosen Tieren wie Schafe und Ziegen haben. Aus Sicht der Forscherin ist es zudem unabdinglich, Betroffene stärker zu unterstützen und von landwirtschaftsbehördlicher Seite besser zu beraten. Außerdem müsse der Fokus klar auf Schutzmaßnahmen und deutlich weniger auf Jagdfragen gelegt werden.

"Wir haben bisher noch nie über die Rettung der Weidetierhaltung aus der finanziellen Krise gesprochen", mahnte Andreas Schenk vom Bundesverband Berufsschäfer e.V. und forderte einen Rettungsring für betroffene Landwirte. Die Politik müsse zeitnah Lösungen finden und einen artenschutzrechtlichen Rahmen für die Länder schaffen. Die doppelte Normalität von Wolfsschutz und Wolfsentnahme führen zu Komplikationen, die dringend abgebaut werden müssen. Wünschenswärt wäre aus Sicht Schenks die Einrichtung eines Kompetenzzentrums auf Bundesebene. Auf dem Spiel stehe schließlich nicht nur die Herdenwirtschaft und -kultur, sondern auch deren Weiterentwicklung und Zukunftsfähigkeit.

erschienen am: 2018-10-10 im europaticker



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