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Besonders dramatisch ist die Lage in der Zentralafrikanischen Republik, wo es seit 2000 keine Verbesserung gab

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Welthunger-Index: Wie steht es um die Hungersituation weltweit?

Wurden Fortschritte erzielt oder sind Rückschläge zu verzeichnen? Mit dem Welthunger-Index lässt sich die globale Hungersituation aussagekräftig berechnen und bewerten. Der Welthunger-Index (WHI, auf Englisch: Global Hunger Index, GHI) ermöglicht es, Hunger und Unterernährung mehrdimensional zu messen. Er soll zu einer stärkeren Wahrnehmung und einem besseren Verständnis des Kampfes gegen den Hunger führen und dazu dienen, die Hungersituation in verschiedenen Ländern und Regionen zu vergleichen. Der WHI soll die Aufmerksamkeit auf jene Weltregionen lenken, in denen am dringendsten zusätzliche Ressourcen benötigt werden, um den Hunger zu beenden.

Die analysierten Länder können in Kategorien einsortiert werden, je nachdem, ob die Hungersituation gravierend, sehr ernst, ernst, mäßig oder gering ist. Vier Indikatoren fließen in die Berechnung des WHI-Werts ein. Je höher der Wert, desto höher der Schweregrad des Hungers in diesem Land.

Der Bericht wird gemeinsam von der Welthungerhilfe und dem Alliance2015-Partner Concern Worldwide herausgegeben.

Der jüngste Bericht zeigt, dass die Bekämpfung des Hungers Fortschritte macht: Die Werte zur Hungersituation sind weltweit seit dem Jahr 2000 um 28 Prozent gefallen. Doch gleichzeitig spielen Krisen und Konflikte eine verheerende Rolle für die Ernährungslage vieler Länder – sie sind die schlimmsten Hungertreiber

Besonders dramatisch ist die Lage in der Zentralafrikanischen Republik, wo es seit 2000 keine Verbesserung gab. Mit einem WHI-Wert der Kategorie “gravierend” bildet das Land weltweit das Schlusslicht im Index. Sechs Länder – Tschad, Haiti, Madagaskar, Sierra Leone, Jemen und Sambia – weisen “sehr ernste” Hungerwerte auf. 45 der 119 Länder des Welthunger-Index fallen in die Kategorie “ernst”.

In einigen Ländern konnte aufgrund unzureichender Daten kein WHI-Wert ermittelt werden. Dazu zählt auch Syrien, ein Land, das durch den andauernden Krieg in eine Spirale von Armut, Elend und Hunger gerutscht ist. Hier und in allen andren Krisenländern brauchen die Menschen dringend eine dauerhafte politische Lösung.

Minister Gerd Müller: „Noch immer müssen mehr als 820 Millionen Menschen weltweit hungern, trotz aller Erfolge, die wir in den vergangenen Jahrzehnten verzeichnen konnten. Die Zahl der Hungernden war seit 1990 kontinuierlich gesunken, obwohl die Weltbevölkerung gleichzeitig um mehr als zwei Milliarden Menschen gewachsen ist. Seit drei Jahren steigt die Zahl der Hungernden aber wieder. Das ist ein Skandal – denn unser Planet hat Potenzial, alle Menschen zu ernähren. Das Wissen und die Technologie sind vorhanden für Eine Welt ohne Hunger. Die Voraussetzungen sind in vielen Ländern gut. Aber immer häufiger sind gewaltsame Konflikte der Grund für Hunger. Der Welthungerindex stellt zu Recht heraus, dass Hunger, Flucht und Vertreibung eng zusammenhängen – in Syrien, im Jemen oder im Südsudan. Dort sind Krieg und Gewalt verantwortlich, dass sieben Millionen Menschen akut vom Hunger bedroht sind. Viele internationale Helfer trauen sich nicht mehr in die Krisengebiete. Wir müssen schnellstens unsere Anstrengungen verstärken, diese Konflikte auch politisch zu lösen, wenn wir den Kampf gegen den Hunger gewinnen wollen."

Der Welthungerindex (WHI) 2018 zeigt auf, dass langfristig erneut Fortschritte in der Hungerbekämpfung erzielt werden konnten. Seit dem Jahr 2000 ist der Gesamtwert des WHI von 29,2 auf 20,9 gesunken (Schweregrad auf Skala von 0-50). Dennoch gibt es große Unterschiede zwischen den Weltregionen. Südasien und Subsahara-Afrika sind weiterhin am stärksten von Ernährungsunsicherheit betroffen. Zudem ist die Hungersituation in allen Hauptherkunftsländern von Flüchtlingen ernst bis gravierend.

Das Bundesentwicklungsministerium hat 2014 die Sonderinitiative "Eine Welt ohne Hunger“ ins Leben gerufen. Damit fördern wir unter anderem mit 15 Grünen Innovationszentren in Afrika und Indien nachhaltige und innovative Anbaumethoden. Davon profitiert schon jetzt eine Million Kleinbauern. Insgesamt verbesserte die Sonderinitiative die Ernährungssicherheit von 18 Millionen Menschen. Zudem konnten 340.000 Hektar Boden wieder fruchtbar gemacht werden.

Das BMZ hat darüber hinaus in den letzten Jahren seine Unterstützung für das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen deutlich ausgebaut und in den Jahren 2015 bis 2017 knapp 700 Millionen Euro zugesagt - insbesondere im Krisenbogen rund um Syrien.

Die Deutsche Welthungerhilfe (WHH) und die irische Nichtregierungsorganisation CONCERN Worldwide geben den Welthungerindex (WHI) seit 2006 jährlich heraus. Der WHI erfasst die globale, regionale und nationale Hungersituation und stellt damit eine wichtige Datengrundlage dar. Thematischer Schwerpunkt des WHI 2018 ist der Zusammenhang zwischen Flucht, Vertreibung und Hunger.

HOFFMANN: Brauchen weniger entwicklungspolitische Alleingänge der Bundesregierung

Zum Welthunger-Index 2018 erklärt der entwicklungspolitische Sprecher der FDP-Fraktion Dr. Christoph Hoffmann: „Die Bekämpfung des Hungers ist nicht nur eine Frage der Humanität, sondern auch ein bedeutender Faktor bei der Bekämpfung von Fluchtursachen. Knapp 70 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht, Hunger ist einer der Hauptgründe dafür. Mit der Agenda 2030 hat sich die Weltgemeinschaft das Ziel gesetzt, den Hunger auf der Welt bis Ende des nächsten Jahrzehnts zu beenden. Um dieses Ziel aber tatsächlich erreichen zu können, muss auch Entwicklungshilfeminister Müller umdenken. Wir brauchen weniger entwicklungspolitische Alleingänge und mehr Zusammenarbeit mit multilateralen Organisationen.

Der Welthunger-Index zeigt insgesamt bedeutende Fortschritte bei der Bekämpfung von Hunger und Unterernährung. Diese Erfolge sind nicht zuletzt auf die fortschreitende Liberalisierung des Welthandels zurückzuführen. Der Bericht macht deutlich, wo die Internationale Gemeinschaft und die Bundesregierung nachlegen müssen. In mehr als 50 Ländern ist die Lage weiterhin ernst oder sehr ernst.“

Website des Welthunger-Index

Alle aktuellen Zahlen, eine interaktive Karte sowie alle WHI-Berichte der letzten Jahre.

Zur Welthunger-Index Website

erschienen am: 2018-10-11 im europaticker



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