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Schleusenkammer in Brunsbüttel (Kreis Dithmarschen) muss dringend realisiert werden

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Brunsbüttel: Schleusenbau am NOK deutlich teurer

In Brunsbüttel entsteht derzeit die fünfte Kammer der Schleuse. Sie soll Platz für größere Schiffe bieten und die vier älteren, bestehenden Schleusenkammern am Nord-Ostsee-Kanal (NOK) entlasten. Die Arbeiten laufen bereits seit April 2015. Seitdem gab es aber immer wieder Probleme auf der größten Wasserbaustelle Europas - und das hat mittlerweile Auswirkungen. Der Bau verzögert sich erheblich und wird voraussichtlich um mindestens 260 Millionen Euro teurer als zuletzt geplant. Dies geht aus einer Mitteilung des Bundesverkehrsministeriums hervor, wie die Nachrichtenagentur dpa am Donnerstag berichtet.

Zum Bericht des Bundesverkehrsministeriums, in dem es weitere Verzögerungen beim Bau der 5. Schleusenkammer in Brunsbüttel prognostiziert, erklärt der Vorsitzende der FDP-Landtagsfraktion, Christopher Vogt: „Die erneuten Verzögerungen beim Schleusenbau in Brunsbüttel sind eine ganz schlechte Nachricht für unsere maritime Wirtschaft. Der Bund hat den Erhalt und den Ausbau des Kanals jahrzehntelang vernachlässigt. Das muss endlich ein Ende haben. Die Zuverlässigkeit und eine größere Leistungsfähigkeit der Schleusen sind von elementarer Bedeutung für die norddeutsche Wirtschaft.

Es handelt sich zwar nicht um ein alltägliches Bauprojekt, aber es ist besorgnis-erregend, dass das Bundesverkehrsministerium mit dieser wichtigen Aufgabe offensichtlich völlig überfordert ist. Die Risiken sind ja nicht erst seit gestern bekannt. Dass es bei der Realisierung eines solchen Bauwerks zu Verzögerungen und Kostensteigerungen kommen kann, ist nicht besonders überraschend. Für die unnötigen Verzögerungen, die durch Schlampereien und Missmanagement entstanden sind, habe ich allerdings keinerlei Verständnis.

Der Bundesverkehrsminister ist in der Pflicht, schnellstmöglich einen qualitativ hochwertigen Neubau der 5. Schleusenkammer in Brunsbüttel zu organisieren. Dass es immer noch ernsthafte Zweifel am Bauverfahren gibt, ist unfassbar. Es rächt sich für den Norden erneut, dass das Bundesverkehrsministerium immer wieder als Beruhigungspille an die CSU gegeben wird. Wenn es sich um ein Großprojekt in Bayern handeln würde, wäre ein solches Desinteresse der Haus-spitze undenkbar. Anstatt sich mit der unsinnigen PKW-Maut zu beschäftigen, sollte sich Herr Scheuer besser dringend um sein Kerngeschäft kümmern.

Wir brauchen die 5. Schleusenkammer in Brunsbüttel dringend und sie muss ohne weitere Verzögerungen realisiert werden. Minister Scheuer muss der norddeutschen Öffentlichkeit jetzt unbedingt erklären, wie er dies schaffen will. Das Vertrauen insbesondere der maritimen Branche wird die Bundesregierung nur mit Offenheit und klarer Kante zurückgewinnen können. Wir brauchen auch endlich eine Entrümpelung des viel zu komplizierten Planungsrechts und mehr Expertise des Ministeriums beim Projektmanagement.“

Kai Vogel: Die Schleuse in Brunsbüttel darf kein zweiter BER werden

Der Bericht des Bundesrechnungshofes ist für Schleswig-Holstein schockierend. Die Baumaßnahme der 5. Schleusenkammer am Nord-Ostsee-Kanal (NOK) in Brunsbüttel dauert erheblich länger und die Kostensteigerungen sind noch nicht ansatzweise abzuschätzen. Zudem scheint der Bundesverkehrsminister die Wichtigkeit dieser Baumaßnahme zu unterschätzen. Der NOK hat als meistbefahrene künstliche Wasserstraße der Welt eine weit über Schleswig-Holstein herausgehende Bedeutung. Viele hundert Arbeitsplätze in Schleswig-Holstein und insbesondere im Hamburger Hafen hängen von einem Funktionieren des Kanals ab. Die Schleusen sind seine Achillessehne, die mit der 5. Schleusenkammer endlich entlastet werden würde.

Die mangelnde Sorgfalt bei der Baumaßnahme schockiert. Wie kann ein Ministerium einer Baumaßnahme mit Düsenstrahlpfählen zustimmen, deren dauerhafte Belastung nie überprüft wurde? Die Parallelen zum BER sind erschreckend, denn auch dort wurde mit dem Bau ohne umfassende vorherige Prüfungen begonnen. Der Bundesverkehrsminister muss jetzt einlenken. Wir wollen keinen zweiten BER bei uns in Schleswig-Holstein. Wir fordern, dass Ministerpräsident Daniel Günther in dieser Bauangelegenheit umgehend bei Bundesverkehrsminister Scheuer interveniert. Norddeutschland darf durch die Versäumnisse im Bundesverkehrsministerium nicht abgehängt werden.

IIn Brunsbüttel gibt es eine Kleine und eine Große Schleuse mit jeweils zwei Schleusenkammern. Die Große Schleuse ist seit 1914 durchgehend in Betrieb. Umfangreiche Untersuchungen haben ergeben, dass sowohl der Massivbau, der Stahlwasserbau als auch die maschinen- und elektrotechnischen Anlagen dringend instand gesetzt werden müssen. Dazu wären allerdings mehrjährige Sperrungen jeweils einer Schleusenkammer erforderlich. Um erhebliche Einschränkungen für die Schifffahrt zu vermeiden, wird eine zusätzliche große Schleusenkammer – sozusagen als Bypass – gebaut.
Die neue Schleusenkammer entsteht im Bereich zwischen den beiden vorhandenen Schleusen, auf der sogenannten Schleuseninsel.

Vorherige Planungen

Bevor es zur Entscheidung für einen Neubau kam, wurden im Rahmen einer Systemstudie zunächst elf verschiedene Varianten der Grundinstandsetzung untersucht und miteinander verglichen: Von der ausschließlichen Sanierung der vorhandenen Großen Schleuse, über den Ersatzbau einer Schleuse im Bereich der Kleinen Schleuse, dem Bau einer „Kleinschiffschleuse“, bis zum Neubau einer fünften Schleusenkammer auf der Schleuseninsel mit anschließender Grundinstandsetzung der Großen Schleuse. Für die Planungen wurden die Kapazität der Schleusen in Brunsbüttel anhand der vorliegenden Schiffszahlen und eine Prognose der Verkehrsentwicklung im theoretischen Modell überprüft. Die Ergebnisse haben deutlich gezeigt, dass der Bau einer weiteren Schleusenkammer notwendig ist, um erhebliche Verkehrseinschränkungen für die Schifffahrt zu vermeiden.
Die Grundvarianten dieser Systemstudie wurden dann anhand von Kosten-Nutzen-Untersuchungen bewertet. Dabei wurden alle möglichen Varianten jeweils volkswirtschaftlich nach Kosten und Nutzen erfasst und verglichen.

Entscheidung für den Bau einer 5. Schleusenkammer

Die Kosten-Nutzen-Untersuchung, die Betrachtung der Kapazitäten und die Ergebnisse der Systemstudie haben gezeigt, dass der Neubau einer 5. Schleusenkammer wirtschaftlich und technisch sinnvoll ist. Daraufhin hat das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) 2007 zu Gunsten der Schifffahrt entschieden und grünes Licht für den Bau einer weiteren Schleusenkammer gegeben.

In 2014 wurden die Bauaufträge in Höhe von rund 500 Mio. Euro für die neue Schleusenkammer und die Schiebetore erteilt.
Den Zuschlag für den Bau der Schleusenkammer hat eine Bietergemeinschaft, bestehend aus den Firmen Wayss & Freytag Ingenieurbau AG aus Hamburg, BAM Civiel bv aus Gouda (Niederlande) sowie Wayss & Freytag Spezialtiefbau GmbH aus Düsseldorf, erhalten. Der Auftrag für die drei Schiebetore und zwei Hebepontons der Schleusenkammer wurde an die Bietergemeinschaft DSD Noell GmbH aus Würzburg und Plauen Stahl Technologie GmbH aus Plauen vergeben.

Nach Abschluss der erforderlichen Planungen und Untersuchungen waren zunächst umfangreiche Vorarbeiten zur Baufeldfreimachung durchzuführen. Unter anderem wurde die komplette Steuerungstechnik und Energieversorgung der gesamten Schleusenanlage mit sämtlichen Leitungen verlegt. Dafür wurden vorher ein neues Betriebsgebäude außerhalb der Schleuseninsel sowie ein neuer Versorgungstunnel quer unter der Schleusenanlage gebaut. Weil die Mole 3 durch die Baumaßnahme wegfällt, muss der elbseitige Vorhafen mit Verlängerung der Mole 2 entsprechend den nautischen Anforderungen der Schifffahrt angepasst werden.
Ein großer Teil der Arbeiten besteht im Bodenaushub für die Kammer und die Neugestaltung des Vorhafens. Dabei fallen etwa 1,6 Millionen Kubikmeter Aushubböden an, die mit Schuten über den Nord-Ostsee-Kanal zum 11 km entfernten Dyhrssenmoor verbracht werden. Dort wurde eigens für diesen Zweck ein Bodenlager angelegt.

Die Schleusenkammerwände werden in Spundwandbauweise mit einem auf Bohrpfählen gegründeten Stahlbetonüberbau errichtet. Die beiden Schleusenhäupter werden in Massivbauweise (Stahlbeton) hergestellt. Die Kammersohle wird als mit Pfählen rückverankerte Unterwasserbetonsohle ausgebildet. Etwa 2.000 Ankerpfähle, sogenannte Düsenstrahlpfähle, werden Wände und Sohle der neuen Schleusenkammer gegen Erddruck und Auftrieb im Erdreich rückverankern.
Die neuen Schleusentore werden in Sektionsbauweise in Deutschland gefertigt und nach der Endmontage nach Brunsbüttel verschifft.

Ursprünglich war die Fertigstellung der fünften Schleusenkammer für 2021 vorgesehen. Probleme mit dem Verankerungssystem und Kampfmittelverdachtsflächen führen zu terminrelevanten Verzögerungen, die Auswirkungen auf den Termin der Verkehrsfreigabe haben. Der Bauzeitenplan befindet sich in der Überarbeitung.  Im Anschluss an die Fertigstellung der fünften Kammer können die bestehenden großen Schleusenkammern saniert werden.

Die neue Schleusenkammer wird genauso breit sein wie die vorhandenen beiden großen Schleusenkammern. Dadurch können bei Bedarf, nach der Grundinstandsetzung der Großen Schleuse – beispielsweise im Falle einer Havarie – die vorhandenen Reservetore in jeder Kammer eingesetzt oder die Schiebetore zwischen den Kammern ausgetauscht werden. Die schiffbare Nutzlänge der neuen Kammer wird mit 330 Metern um 20 Meter länger sein als die der bisherigen großen Schleusenkammern.
Weitergehende Informationen zum zugehörigen Planfeststellungsverfahren finden Sie unter: NOK Schleusen Brunsbüttel

erschienen am: 2018-10-11 im europaticker



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