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Fluss wird durch die intensive Landwirtschaft gebeutelt

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Messfahrt vom VSR-Gewässerschutz zeigt eine viel zu hohe Nitratbelastung in der Saale

Die Nitratkonzentration in der Saale wurde im Rahmen einer Messfahrt im März 2017 vom Mittellauf bei Kaulsdorf in Thüringen bis zu ihrer Mündung in die Elbe bei Barby untersucht. Dabei stellten die Gewässerschützer fest, dass die Saale im gesamten beprobten Bereich eine viel zu hohe Nitratkonzentration aufweist. Der Ursache der Nitratbelastung geht der VSR- Gewässerschutz schon seit Jahren nach.

Die Saale oder Sächsische Saale, früher auch Thüringische Saale oder (seltener) Vogtländische Saale, ist ein Fluss in Bayern, Thüringen und Sachsen-Anhalt. Bei einer Länge von 413 Kilometern ist sie nach der Moldau der zweitlängste Nebenfluss der Elbe. Mit einem mittleren Abfluss von 117 m³/s nimmt sie in der Rangfolge der wasserreichsten Nebenflüsse knapp vor der Havel ebenfalls Platz zwei hinter der Moldau ein. Die Saale entwässert von der Quelle bis zur Mündung ein Gebiet von 24.167 Quadratkilometern. Seit dem 3. Oktober 1990 ist die Saale von km 0,0 bis 124,2 Bundeswasserstraße und wird von der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Magdeburg) betreut.

Saale hat für die Nährstoffmenge in der Elbe eine große Bedeutung

Die Umweltschutzorganisation stellte bei ihren Grundwassermessungen in weiten Bereichen stark nitratbelastetes Grundwasser fest. Dieses sickert der Saale zu und trägt somit zu einer erheblichen Nitratbelastung bei. Die intensive Landwirtschaft führt zudem dazu, dass die Saale in vielen Bereichen von Ackerflächen umgeben ist. Es fehlen Auen, welche die Nährstoffe aus dem Saalewasser herausfiltern können.

Die Saale hat für die Nährstoffmenge in der Elbe eine große Bedeutung. Sie gehört zu einem der wasserreichsten Nebenflüsse. Gerade deshalb sieht der VSR-Gewässerschutz eine Nitratbelastung von 18 Milligramm pro Liter (mg/l) an der Saalemündung als sehr kritisch an. Die Saale ist stark daran beteiligt, dass die Elbe beim Zufluss in die Nordsee den Grenzwert von 12,3 mg/l Nitrat nicht einhalten kann. Dieser Wert ist als Ziel durch die Oberflächengewässerverordnung festgesetzt, um die Belastung der Nordsee zu verringern. „Doch eine Verringerung der Nährstoffeinträge in die Nordsee wird scheitern, wenn nicht bereits Zuflüsse wie die Saale im Binnenland eine geringere Nitratbelastung aufweisen.“ so Susanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende im VSR-Gewässerschutz..  

Besonders hoch ist die Belastung mit 26 mg/l Nitrat am Startpunkt der Messfahrt, Saalfeld in Thüringen. Durch den Zufluss der Schwarza mit nur 8,8 mg/l verringert sich die Nitratbelastung in Rudolstadt auf 22,8 mg/l. Die Schwarza wird kaum durch Nährstoffe aus der Landwirtschaft belastet, da sie vorwiegend durch ausgedehnte Wald- und Wiesengebiete fließt.

An weiteren Messstellen in Kahla, Jena, Dornburg und Camburg bleibt die Belastung auf dem gleichen Niveau. Erst der Zufluss der Ilm mit 15,1 mg/l reduziert den Nitratwert auf 21,8 mg/l im Raum Naumburg. Die Unstrut verringert mit 14,6 mg/l Nitrat die Belastung in der Saale bei Weißenfels auf 18,5 mg/l. Die Nitratbelastung der Unstrut liegt, wie bereits bei der Messfahrt 2004 beobachtet, an stärkeren Regenfällen. Bei der Messfahrt 2010 trug die Unstrut mit 23 mg/l  noch wesentlich zur Belastung der Saale bei.

Im weiteren Verlauf liegt die Belastung in Bad Dürrenberg bei 18,2 mg/l und in Merseburg bei 17,8 mg/l Nitrat. Trotz dem Zufluss der Laucha mit 23,5 mg/l und der Weißen Elster mit 21,4 mg/l Nitrat kommt es bis Halle nur zu einer geringfügigen Erhöhung der Nitratkonzentration auf 18,9 mg/l. In diesem Bereich liegt mit der Saale-Elster-Aue eine große Auenlandschaft. Hier wurde ein hoher Anteil der ursprünglichen Flussauen erhalten. Diese sind natürliche biologische Flächenkläranlagen, welche die Nährstoffe aus dem Saalewasser entnehmen. Danach bleibt die Nitratkonzentration in Wettin, Könnern und Alsleben mit 18,7 mg/l unverändert hoch. Erst nach dem Zufluss der Wipper steigt die Nitratbelastung wieder an und liegt in Bernburg und Nienburg bei 19,7 mg/l.

Erst der Zufluss der Bode verringert die Nitratbelastung in der Saale wieder. Die Bode transportiert große Wassermengen aus dem Harz. Durch die großen Waldgebiete sickert nur Grundwasser mit geringen Nitratkonzentrationen zu. Erst im Unterlauf durchfließt die Bode intensiv bewirtschaftete landwirtschaftliche Flächen. Ihr Nitratwert liegt somit bei nur 9,4 mg/l. Von Calbe bis zur Mündung der Saale in Barby liegen die Nitratkonzentrationen nun bei 18,4 mg/l.  „Besonders Ackerflächen mit einer hohen Düngeraufbringung führen zu einer Erhöhung der Nährstoffbelastung in der Saale. Unsere Messwerte belegen, dass Naturschutzflächen zu einer Verbesserung der Wasserqualität führen.“ so Susanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende im VSR-Gewässerschutz. Daher fordert der VSR-Gewässerschutz weitere Renaturierungsmaßnahmen an der Saale. Diese sind dringend nötig, um die Nährstoffbelastung zu senken. Aber auch die Nitratbelastung im Grundwasser muss gesenkt werden. Damit in Zukunft die Nitratbelastungen in der Saale abnimmt, bedarf es ein Umdenken bei den Landwirten und landwirtschaftlichen Verbänden. Der VSR-Gewässerschutz möchte mit seinen Messungen dazu beitragen, dass die Notwendigkeit, Düngerausbringung zu vermindern, akzeptiert wird.

erschienen am: 2018-01-24 im europaticker



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