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Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast "jammert" über
illegal angebrachte Kameras zu Aufnahmen in einem Schlachthof in der Stadt Oldenburg

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Tierschutzbüro erstattet Strafanzeige gegen Rinderschlachthof in Oldenburg und fordert Schließung

Das Deutsche Tierschutzbüro hat Fälle von extremen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz im Rinderschlachthof der Standard-Fleisch GmbH & Co. KG in Oldenburg aufgedeckt. Auf mehreren hundert Stunden Videomaterial, das von Aktivisten im September und Oktober 2018 durch versteckte Kameras aufgenommen und an das Deutsche Tierschutzbüro übergeben wurde, sind extreme Fälle von Tierquälerei dokumentiert. Unterdessen "jammert" die niedersächische Landwirtschaftsministerin über illegal angebrachter Kameras.

Die Videos zeigen, wie eine Vielzahl von Rindern und ausgedienten Milchkühen unzureichend und nicht fachgerecht betäubt werden und, obwohl sie augenscheinlich bei Bewusstsein sind, noch lebend gestochen und getötet werden. Dies lässt sich auf den Aufnahmen in erschreckender Vielzahl bei den Tieren feststellen. Darüber hinaus werden Tiere verbotenerweise bis zu 28 Mal mit Elektroschockern malträtiert, mit Treibpaddeln oder anderweitig gewaltsam aus ihren Boxen getrieben und unnötigerweise Verletzungsgefahren ausgesetzt. Die Aufnahmen zeigen auch, dass anwesende Veterinäre nicht einschreiten, wenn Tiere misshandelt werden. "Aus unserer Sicht zeigt das Material klare und schwerwiegende Verstöße gegen das Tierschutzgesetz und Straftaten", so Jan Peifer, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Tierschutzbüros e.V. Die Tierrechtsorganisation hat gestern bei der zuständigen Staatsanwaltschaft Oldenburg eine Strafanzeige gestellt und das Ministerium sowie das Veterinäramt informiert. "Die Zustände auf den Aufnahmen sind erschütternd und zeigen Tierquälerei in extremen Ausmaßen. Der Schlachthof gehört unverzüglich geschlossen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen", fordert Jan Peifer.

Das Deutsche Tierschutzbüro präsentierte die Recherche-Ergebnisse am heutigen Dienstag bei einer Pressekonferenz in Oldenburg zusammen mit der Veterinärmedizinerin Dr. Claudia Preuß-Ueberschär und der Juristin Dr. Davina Bruhn. "Die auf den Aufnahmen erkennbaren Sachverhalte sind vielfach nicht nur als Verstoß gegen die Schlachtverordnung, sondern auch als Verstoß gegen das Tierschutzgesetz und damit als Straftat zu bewerten. Die zuständigen Behörden müssen unverzüglich einschreiten, um diese tierschutzrechtlichen Missstände abzustellen", so Juristin Dr. Davina Bruhn von der Kanzlei Günther aus Hamburg.

Der Schlachthof der Standard-Fleisch GmbH & Co. KG gehört zu den größten Rinderschlachtbetrieben Deutschlands. In einem Ranking der "allgemeinen fleischer zeitung" von 2016 lag der Betrieb auf dem achten Platz deutschlandweit. Laut eigenen Angaben liegt die jährliche Schlachtleistung bei über 90.000 Rindern. Der Schlachthof ist BIO-Zertifiziert und zerlegte in der Vergangenheit, laut Angaben eines Abnehmers, mindestens einmal die Woche Tiere aus biologischer Haltung. Eine enge Kooperation besteht seit 2017 mit der Böseler Goldschmaus GmbH, die selbst zu den größten Betrieben für die Produktion und den Vertrieb von Wurst- und Fleischwaren zählt und ihr Rindfleisch u.a. von der Standard-Fleisch GmbH & Co. KG bezieht. Nach eigenen Angaben der Goldschmaus-Gruppe betreibt diese seit Anfang 2018 die Großviehschlachtung in Oldenburg gemeinsam mit dem Eigentümer der Standard-Fleisch GmbH & Co. KG.

Zum 1. Januar 2019 ist die gesamte Zusammenführung des Großviehgeschäfts von Goldschmaus Natur mit dem der Standard-Fleisch Oldenburg Gmbh & Co. KG geplant. Goldschmaus selbst vertreibt verarbeitete Fleisch- und Wurstwaren an verschiedene Hersteller und Supermarktketten. So beliefert Goldschmaus laut Medienberichten von 2015 u.a. die Bedientheken der Supermärkte der Bünting-Gruppe (z.b. famila-nordwest, Combi und Markant) und unterhält Verbindungen zur Supermärkte Nord Vertriebs GmbH & Co KG, Hit-Märkten in Nordrhein-Westfalen und Edeka. Auch hinter den Marken "Gut Bartenhof", "Goldmarie" und "Die Marke der Bauern", die u.a. bei den Handelsketten Norma, famila, Combi und Markant erhältlich sind, steckt von Goldschmaus kommendes Rindfleisch. Laut Firmen-Website bezieht auch Frosta sein Rindfleisch von Goldschmaus. "Der Verbraucher muss sehen, welch extreme Tierquälerei hinter seinen Produkten steckt. Solche Zustände sollten für niemanden tragbar sein und bringen den Tieren noch mehr Qualen, als das System der Massentierhaltung es so schon tut", so Jan Peifer.

Allein in Deutschland werden jährlich mehr als 3,5 Millionen Rinder in über 3.000 Betrieben geschlachtet. Trotz gesetzlicher Vorgaben gibt es in Schlachthäusern regelmäßig Fälle von Gesetzesverstößen und Tierquälerei. Die aufgedeckten Zustände in Oldenburg sind ein weiterer Fall in einer Reihe von extremen Skandalen in deutschen Schlachthöfen in den letzten Monaten. Bis heute wurden bereits fünf Schlachthöfe temporär oder dauerhaft wegen Tierquälerei und anderen Gesetzesverstößen geschlossen, nachdem Tierrechtler Undercover- Recherchen durchgeführt haben. Erst vor wenigen Wochen wurde ein Betrieb in Bad Iburg (Niedersachsen) dauerhaft geschlossen. "Die Aufnahmen sind ein erneutes und trauriges Beispiel dafür, wie das System an allen Ecken und Enden versagt. Der einzige Weg, Bilder dieser Art zu vermeiden, ist ein Ende der Massentierhaltung und ein Umstieg zu veganer Ernährung", so Peifer abschließend.

In Bezug auf die Vorwürfe gegenüber einem Schlachtbetrieb in der Stadt Oldenburg, dem Verstöße gegen das Tierschutzgesetz vorgeworfen werden, erklärt Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast: „Zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen erreichen uns Bilder von misshandelten Rindern und offenkundigen Verstößen gegen das Tierschutzrecht. Wie hier mit Tieren umgegangen wird, ist in keinster Weise akzeptabel. Ich bin entsetzt, und es macht mich wütend."
Die Ministerin macht darauf aufmerksam, dass einige Schlachtunternehmen selbst Kameras in den Bereichen der Anlieferung, der Betäubung und der Tötung eingerichtet haben, um eine tierschutzgerechte Behandlung der Tiere zu gewährleisten und Verstöße selbst nachvollziehen zu können. Barbara Otte-Kinast: „Das halte ich für ausgesprochen sinnvoll. Ich lasse mein Haus daher derzeit juristisch prüfen, welche Möglichkeiten es gibt, verbindlich ein Kamerasystem in den Bereichen der Anlieferung, des Zutriebes, der Betäubung und der Schlachtung der Schlachthöfe anzuordnen." Hierbei müsse es sich um eine bundeseinheitliche Regelung handeln, die entsprechend gesetzlich verankert ist.
Folgende Maßnahmen hat das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (ML) umgehend eingeleitet:

Ferner werden noch in diesem Jahr seitens ML landesweite Schulungen des amtlichen Kontrollpersonals, insbesondere der amtlichen Tierärztinnen und Tierärzte durchgeführt.
Der Hintergrund:
Die Organisation „Deutsches Tierschutzbüro" hat mit illegal angebrachten Kameras Aufnahmen in einem Schlachthof in der Stadt Oldenburg gemacht und dieses Material gestern der Staatsanwaltschaft in Oldenburg übergeben. Das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz hatte am gestrigen Montag zunächst durch eine Presseanfrage von den Vorwürfen erfahren und im Laufe des Tages einen etwa zehnminütigen Ausschnitt der Filmaufnehmen erhalten.
Erst vor wenigen Wochen hatte das ML Strafanzeige gegen einen Schlachthof im Landkreis Osnabrück gestellt, nachdem ihm der Verein „Soko Tierschutz" Verstöße unter anderem gegen das Tierschutzgesetz vorgeworfen hatte. Damals hatte das ML Filmmaterial zur Ansicht erhalten und nach dessen Sichtung selbst Strafanzeige erstattet. Das Unternehmen wurde anschließend vom zuständigen Landkreis stillgelegt und ist inzwischen aufgelöst worden.

Weitere Informationen zur Recherche finden Sie unter: www.tierschutzbuero.de/realitaet-schlachthof

erschienen am: 2018-11-06 im europaticker



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