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Bis zu 7000 Tonnen Kunststoff-Tragetaschen fallen jährlich in Österreich als Abfall an

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Österreich: Regierung kündigt Aus für Plastiksackerl an

Die österreichische Bundesregierung will ein komplettes Verbot von Plastiksackerln im Handel ab dem Jahr 2020 beschließen. Betroffen sind alle Kunststofftragetaschen, mit Ausnahme jener, die biologisch vollständig abbaubar seien. Außerdem ist ab übernächstem Jahr ein Verbot der Beimengung von Mikroplastik in Kosmetik und Reinigungsmitteln geplant, teilte das Umweltministerium am Sonntag in einer Aussendung mit. Das Verbot der Kunststoff-Tragetaschen soll im nächsten Ministerrat am Mittwoch, 5. Dezember 2018, beschlossen werden.

Bis zu 7000 Tonnen Kunststoff-Tragetaschen – auch als Plastiksackerl bekannt – fallen jährlich in Österreich als Abfall an. Und belasten die Umwelt, denn allzuoft landen sie nach dem Gebrauch in den heimischen Flüssen oder verschmutzen Fläche und Räume. Das stellt die Städte und Gemeinden vor wachsende Herausforderungen. Das Maßnahmenpaket der Bundesregierung, das unter anderem das Verbot von nicht-abbaubaren Plastiksackerl ab 2020 enthält, wird auch vom Seniorenbund unterstützt.

„Unsere Seniorinnen und Senioren wissen, wie wichtig eine intakte Umwelt für ihre Kinder und Enkel ist, das kommende Plastiksackerl-Verbot ist ein Gebot der Stunde und ein wichtiger Beitrag dazu, diese intakte Umwelt für unsere Nachkommen zu erhalten,“ so LAbg. Ingrid Korosec, Präsidentin des österreichischen Seniorenbundes.

Die Grünen Niederösterreich zeigen sich grundsätzlich erfreut, dass es künftig keine Einwegplastiksackerln in Österreich mehr geben soll: „Das ist aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein“, sagt Helga Krismer, Klubobfrau im NÖ Landtag. „Wenn man an 140km/h, dritte Flughafenpiste, Lobautunnel und Waldviertelautobahn denkt, dann kann man nur zum Schluss kommen: Kurz ist und bleibt einer der größten Klimaanheizer“. Österreich sei vom ehemaligen Musterland zum Schlusslicht beim Klimaschutz in Europa geworden.
Ein größeres Plastik-Problem als Plastiksackerl gibt es mit Getränkeflaschen – diese würden rund drei Viertel des Mülls ausmachen, der achtlos weggeworfen wird. Die Grünen NÖ fordern daher ein Pfandsystem für alle Plastikflaschen und Alu-Dosen als ersten großen Schritt gegen Plastikmüll. Um die Klimakatastrophe beim Hauptverursacher – Verkehr – anzupacken, seien Anstrengungen nötig, den Güterverkehr verstärkt auf die Bahn zu verlagern. Außerdem müssten Bahn und Bus attraktiver werden. „Wir fordern für Niederösterreich seit Jahren ein 365€-Ticket, auch für ganz Österreich muss es ein attraktives Angebot geben“, sagt Krismer abschließend.

Nach Greenpeace-Kampagne: Regierung kündigt Aus für Plastiksackerl an
Umweltschutzorganisation begrüßt Ankündigung, warnt aber vor falschen Lösungen aus Papier oder Bio-Plastik

Nach einer Greenpeace-Kampagne gegen Wegwerfplastik hat die schwarz-blaue Regierung heute angekündigt, Plastiksackerl bis zum Jahr 2020 zu verbieten. Die Umweltschutzorganisation begrüßt diesen Schritt, warnt jedoch davor das Plastiksackerl mit Sackerl aus Papier oder Bio-Plastik zu ersetzen. Denn nur Mehrwegsackerl sind tatsächlich umweltschonend. Derzeit werden in Österreich laut Greenpeace Berechnungen rund 750 Millionen Wegwerfsackerl aus Plastik ausgegeben - mit gravierenden negativen Folgen für die Umwelt.

“Wir begrüßen die Ankündigung der Bundesregierung, dem Wegwerfsackerl aus Plastik ein Ende zu setzen. Jetzt darf die Regierung aber auf keine falschen Lösungen setzen: Wenn die 750 Millionen Wegwerfsackerl aus Plastik mit Wegwerfsackerl aus Bio-Plastik oder Papier ersetzen, haben wir der Umwelt keinen Gefallen getan. Ministerin Köstinger muss garantieren, dass es zu einer Reduktion der Abfallflut und nicht zu einer Problemverlagerung auf andere Verpackungsmaterialien kommt”, sagt Greenpeace-Geschäftsführer Alexander Egit.

Ein Verbot der Wegwerfsackerl aus Plastik muss zu einer Reduktion der Abfallmengen führen und darf das Abfallproblem nicht auf andere Materialien verlagern, die eine ähnlich schlechte Ökobilanz aufweisen, wie das Plastiksackerl. Das sei bei der Ausgestaltung des Gesetzes sehr wichtig, fordert Egit. Auch muss mit dem Verbot des Plastiksackerls die Gratis-Abgabe von Wegwerfsackerl aller anderen Materialien beendet werden.

“Will die Regierung tatsächlich die Plastik-Krise eindämmen und falsche Alternativen vermeiden, kann nur Mehrweg die Lösung sein. Gemeinsam mit dem Handel muss die Bundesregierung daher wiederverwendbare Mehrwegtaschen an erste Stelle setzen”, so Egit. Vor allem im Obst- und Gemüsebereich werden in Österreich jedes Jahr immer noch 388 Millionen sehr leichte Plastiksackerl - so genannte Knotenbeutel - kostenfrei ausgegeben. Viele Supermärkte bieten hier bereits waschbare Mehrweg-Beutel an, die immer wieder verwendet werden können.

“Das angekündigte Verbot kann zu einem wirklichen Gewinn für die Umwelt werden. Wir werden die Bundesregierung allerdings an ihren konkreten Taten messen. Bis dahin ist noch ein weiter Weg”, sagt Egit.

WKÖ-Buchmüller: Plastiksackerl-Verbot aus Sicht des Handels nicht notwendig
Gratis-Plastiksackerl dank freiwilliger Vereinbarung schon jetzt praktisch Geschichte – Handel braucht Unterstützung, um Kunden praktikable Alternativen anbieten zu können

Kritisch sieht der österreichische Handel das von der Regierung angekündigte Plastiksackerl-Verbot ab 2020: „Der Handel bekennt sich – natürlich – zum Umweltschutz. Das zeigt sich auch daran, dass die freiwillige Vereinbarung mit großen Handelsunternehmen zur Reduktion des Kunststofftaschenverbrauchs hervorragend funktioniert“, so Peter Buchmüller, Obmann der Bundessparte Handel in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). „Tatsache ist: Das Gratis-Plastiksackerl ist im österreichischen Handel schon jetzt praktisch Geschichte, der Verbrauch an Plastiktaschen massiv zurückgegangen Das jetzt angekündigte generelle Verbot ist aus unserer Sicht nicht notwendig. Österreich steht hier auch im EU-Vergleich sehr gut da und von europäischer Seite wird auch kein generelles Verbot vorgegeben.“ 

Buchmüller weist auch darauf hin, dass der Handel eine Ausweitung der freiwilligen Vereinbarung auf kleinere Handelsbetriebe angeboten habe. „Wenn es jetzt trotzdem zu einem Plastiksackerl-Verbot kommen soll, brauchen die Betriebe Unterstützung, um ihren Kunden praktikable Alternativen anbieten zu können.“ Gefordert seien daher „gemeinsame Gespräche und eine abgestimmte Vorgehensweise zwischen Wirtschaft und Politik. Setzen wir uns zusammen und reden wir darüber, wie eine sinnvolle und für die Betriebe umsetzbare Lösung gefunden werden kann.“ Darüber hinaus brauche es eine Aufklärung und Sensibilisierung bei den Kunden. „Auch hier ist die Regierung gefordert, entsprechende Maßnahmen zur Bewusstseinsbildung zu setzen“, fordert Buchmüller.

Zudem könne es nicht sein, „dass hier einmal mehr nur der österreichische Handel, nicht aber der ausländische Online-Versandhandel in die Ziehung kommt“, so Buchmüller: „Tonnen von Verpackungsmaterial landen in den österreichischen Wohnzimmern, weil bei ausländischen Versandhandelsgiganten à la Amazon bestellt wurde. Auch für sie muss es eine entsprechende Regelung geben.“

Handelsverband nimmt gesetzliches Plastiksackerl-Verbot zur Kenntnis.
Verpackungen internationaler Online-Händler ebenfalls regulieren!
Rainer Will: Handel mit freiwilliger Vereinbarung bereits Vorreiter. Stakeholder-Dialog wichtig. Gastronomie als blinder Fleck.

Wien (OTS) - Im Kampf gegen Plastikmüll und die Verschmutzung der Weltmeere (ocean littering) hat der österreichische Handel bereits freiwillig Initiativen gesetzt und ist mit bestem Beispiel vorangegangen. Allein mit der von BMNT und Handelsverband gestarteten, freiwilligen Initiative "Pfiat di Sackerl" zur Reduktion des Kunststofftragetaschenverbrauchs konnten seit 2014 mehr als 112 Millionen Plastiksackerl in Österreich eingespart werden – ein Rückgang von 20 Prozent wurde erreicht.

Jährlich fallen immer noch bis zu 7.000 Tonnen Kunststofftragetaschen unterschiedlicher Dicke in Österreich an. Diese sind eine Belastung für die heimische Umwelt, denn sie landen oft in Flüssen oder auf landwirtschaftlich genutzten Feldern. Heute hat die Österreichische Bundesregierung ein Maßnahmenpaket angekündigt, das u.a. das Verbot von nicht-abbaubaren Plastiksackerln ab 2020 vorsieht.

Mehrweg-Kunststoff-Tragetaschen sinnvoll

Der Handelsverband bewertet einige der im Paket enthaltenen Maßnahmen – etwa die rasche Umsetzung der Einwegplastik-Richtlinie der EU oder das Verbot der Beimengung von Mikroplastikpartikeln in Kosmetikprodukten und Reinigungsmitteln – positiv.

"Der Handel hat sich proaktiven Schritten zur Reduktion von Plastik bzw. des Tragetaschenaufkommens nie verschlossen. Wir haben dies durch eine freiwillige Vereinbarung und Kostenpflicht für Papier- und Kunststofftaschen vorgelebt. Der Lebensmittelhandel hat etwa alle Knotenbeutel vom Kassenbereich entfernt. Andere Branchen, etwa Apotheken, Würstelbuden oder Marktstände haben sich hingegen leider nicht verpflichtet", bestätigt Frank Hensel, Vizepräsident des Handelsverbandes.

Auch mit einem generellen Verbot von Plastiksackerln – mit Ausnahme jener Tragetaschen, die biologisch vollständig abbaubar sind – wird der Handel leben müssen. "Wir würden uns jedoch wünschen, dass hochwertige Mehrweg-Kunststofftragetaschen im Handel weiterhin kostenpflichtig eingesetzt werden dürfen. Diese werden schließlich nicht nach einem Einkauf weggeworfen. Darüber hinaus verfügt Österreich über die besten Systeme für Recycling und Getrenntsammlung", so Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will.

Regulierung des internationalen Onlinehandels und Bewusstseinsbildung beim Konsumenten entscheidend!

"Ein Österreich ohne Plastikmüll ist nur durch die Zusammenarbeit und den Einbezug aller relevanten Branchen möglich. Das gilt auch für den internationalen Online-Handel, der bisher von allen diesbezüglichen Regulierungen ausgenommen war – sofern er keine Betriebsstätte in Österreich unterhält. Die Paket-Volumina im E-Commerce wachsen Jahr für Jahr zweistellig, hier sehen wir dringenden Handlungsbedarf für die Schaffung fairer Spielregeln" sagt Will.

Für die Bekämpfung von Plastikmüll braucht es einerseits entsprechende Rahmenbedingungen seitens der Politik, andererseits muss für die bestmögliche Umsetzung gemeinsam mit Unternehmen und Experten nach fairen Lösungen gesucht werden. Daher begrüßt der Handelsverband auch den weiteren Einbezug in den Stakeholder-Dialog. "Darüber hinaus erwarten und empfehlen wir eine breite konsumentenseitige Kampagne, um auch beim Verbraucher die notwendige Bewusstseinsbildung zu erreichen", so Will.

erschienen am: 2018-12-03 im europaticker



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