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VdL Positionspapier zur Einstufung von Titandioxid

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Lack- und Druckfarbenindustrie wehrt sich gegen eine Stigmatisierung des Weißpigments

Die Europäische Kommission prüft derzeit, ob eine Einstufung von Titandioxid in Anhang VI der CLP-Verordnung als "Stoff mit Verdacht krebserzeugender Wirkung beim Menschen" durch Inhalation (Kategorie 2, Kennzeichnung mit GHS08 und H351) angemessen ist oder nicht. Frankreich hatte bei der Europäischen Chemikalienagentur ECHA eine harmonisierte Einstufung des Weißpigments Titandioxid als wahrscheinlich kanzerogen (Kategorie 1B) vorgeschlagen. Der Ausschuss für Risikobeurteilung (RAC) der ECHA hat im Juni 2017 hingegen eine Einstufung als Krebsverdachtsstoff (Kategorie 2) empfohlen. Der Verband der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie (VdL) hat ein neues Positionspapier zum Einstufungsverfahren des Weißpigments Titandioxid veröffentlicht.

Die Lack-, Lack- und Druckfarbenindustrie ist mit einem Anteil von 57% der Hauptabnehmer von Titandioxid. Titandioxid besitzt aufgrund der hohen Lichtstreuungskraft seiner Kristalle die höchste Deckfähigkeit aller weißen Pigmente. Es ist unverzichtbar bei der Herstellung von weißer Wandfarbe, Farbtönen und bedruckten Verpackungen. Es gibt keine gleichwertigen Alternativen.

Den Pigmenten wird Titandioxid als Pigment zugesetzt und anschließend dauerhaft in der Bindemittelmatrix gebunden. Titandioxid stellt weder am Arbeitsplatz noch in der Nutzungsphase von Titandioxid enthaltenden Produkten ein Risiko für den Menschen dar.

Das Risk Assessment Committee (RAC) der ECHA hat deutlich gemacht, dass das diskutierte Thema breiter ist als Titandioxid: Die beschriebene Gefahr für Titandioxid ("allgemeine Partikeleffekte") ist nicht spezifisch für den Stoff selbst, sondern für mehr als 300 Stoffe in Pulverform, bekannt als "schlecht lösliche Partikel mit geringer Toxizität" (PSLTs). Jede Entscheidung über Titandioxid ist daher ein Präzedenzfall für diese gesamte Stoffgruppe.

Deutschland hat den Alternativvorschlag zur Angleichung der derzeit in Europa geltenden unterschiedlichen Staubgrenzwerte für den Beruf gemacht. Dieser Ansatz adressiert effektiv und proportional die möglichen Auswirkungen von PSLT-Substanzen wie Titandioxid. Darüber hinaus wäre eine solche Harmonisierung ein wichtiger Schritt für die Gesundheits- und Sicherheitsstandards der europäischen Arbeitnehmer.

Im Gegensatz dazu hätte die vorgeschlagene Einstufung von Titandioxid unter CLP keine direkte positive Auswirkungen auf die Gesundheit und Sicherheit der Arbeitnehmer. Darüber hinaus ist es höchst fragwürdig, wenn die CLP-Verordnung eine Einstufung aufgrund von Nicht-Substanzen gesetzlich zulässt spezifische Wirkungen.

Auch eine Einstufung von Titandioxid hätte weitreichende und signifikante Auswirkungen unerwünschte Folgen: Zum Beispiel jeder Abfall mit einem Titandioxidgehalt von 1% oder mehr müsste als "gefährlicher Abfall" behandelt werden. Dies würde für gelten eine Vielzahl von Abfallströmen, wie Plastikmüll, Bauschutt wie Altmüll Fensterrahmen, Tapeten- und Farbreste, hochwertige Papiere, Möbel, Keramik, Arzneimittel usw. Für solche Abfallströme wäre eine Einstufung drastisch Verringerung der Recyclingmöglichkeiten und Erhöhung der Kosten für die Wirtschaft und Verbraucher. Eine solche Einstufung hätte auch erhebliche negative Auswirkungen auf Lebensmittel Kontaktmaterialien und Spielzeug zum Beispiel.

Auch aus gesundheitspolitischer Sicht bringt die vorgeschlagene Einstufung nur Vorteile Nachteile, da in Zukunft viel mehr Produkte als potenziell gekennzeichnet werden krebserregend. Hier besteht die Gefahr einer Überkennzeichnung, durch die die Gefahr einer Gefährdung besteht gesamtes Gefahrenkennzeichnungssystem.

Fazit Eine Einstufung von Titandioxid in Anhang VI der CLP-Verordnung lehnen wir als ab ungerechtfertigt und nicht verhältnismäßig. Der alternative Vorschlag zur Harmonisierung der Unterschiede Die derzeit in Europa geltenden Grenzwerte für die berufliche Staubbelastung geben die richtige Antwort auf die Thema auf dem Spiel und wäre ein großer Schritt für die europäischen Arbeitsschutznormen. Das vorgeschlagene Warnschild für flüssige und feste Gemische (in Anhang II der CLP-Verordnung) ist irreführend, unverhältnismäßig und daher auch abgelehnt.

Wir fordern die Kommission auf, ihr Ermessen gemäß Art. 37 (5) CLP und entscheiden, ob eine Einstufung und Kennzeichnung in diesem speziellen Fall das richtige Werkzeug ist oder nicht. Um sicherzustellen, dass der Vorschlag eine rechtliche Stellung einnimmt, ermutigen wir die Kommission ein Gutachten des Juristischen Dienstes einholen, um zu klären, ob das CLP Die Regulierung erlaubt eine Einstufung basierend auf allgemeinen Partikeleffekten und ob a Die Einstufung wäre in diesem Fall verhältnismäßig. Darüber hinaus schlagen wir vor, zu bewerten die sozioökonomischen Auswirkungen einer Einstufung im Vorfeld - in Übereinstimmung mit der Ansatz "Bessere Rechtsetzung" und Empfehlungen des REFIT-Berichts.

mehr lesen: VdL Position paper on the proposal for a substance classification for titanium dioxide (Nov 2018)

Um gegenüber Stakeholdern, Kunden oder Geschäftspartnern die Herkunft und Bedeutung von Titandioxid für die Farbenherstellung zu erläutern sowie die wirtschaftlichen Auswirkungen und die politischen Prozesse rund um eine mögliche Einstufung aufzuzeigen, hat der VdL die Info-Broschüre "Titandioxid-Spezial" herausgegeben. Die Broschüre ist im Frühjahr 2018 in der 4. Auflage erschienen. Das gedruckte Faltblatt im A4-Format kann über die VdL-Geschäftsstelle bezogen werden. Eine digitale Version des Titandioxid-Spezial finden Sie auch hier zum Download: 

 Titandioxid-Spezial (4. Auflage, März 2018)

Weitere Downloads zum Thema Titandioxid

BDI-Positionspapier zum Vorschlag einer harmonisierten Einstufung von Titandioxid (Jan 2018)

Rechtsgutachten zum Einstufungsverfahren von Titandioxid (Okt. 2017)

Presseinformation: RAC Empfehlung zur Einstufung von Titandioxid (09.06.2017)

erschienen am: 2018-12-03 im europaticker



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