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Mitten in Deutschland am Südrand des Harzes erstreckt sich ein einzigartiger Lebensraum,
die Südharzer Gipskarstlandschaft

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BUND Thüringen veröffentlicht Schwarzbuch zum Gipsabbau im Südharz

Der BUND Thüringen hat Donnerstag (06.12.2018) sein „Schwarzbuch Gips: Raubbau in der Südharzer Gipskarstlandschaft Thüringens“ präsentiert.  Darin gibt der Umweltverband Einblicke in aktuelle und geplante Abbauvorhaben und zeigt die reale Bedrohung der einmaligen und artenreichen Gipskarstlandschaft in Thüringen auf.  „Die Gipsindustrie zerstört mit ihrem Hunger nach dem „Weißen Gold“ eine ganze Region“, kritisiert Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen.  

Durch den Abbau von Gips sind bereits mehr als 250 ha Landschaft im Südharz unwiederbringlich verloren gegangen. Dennoch sieht der Regionale Raumordnungsplan von 2018 weitere Abbauflächen von insgesamt ca. 87 ha für die Gipsindustrie vor. Darin enthalten sind 53 ha für die Gewinnung hochwertigen Gipses. Zudem sind auf einer Fläche von 68 ha zwei neue „Vorranggebiete vorsorgender Rohstoffgewinnung“ geplant. Doch allein die bereits bestehenden Abbaugebiete sichern den Gipsunternehmen noch für Jahrzehnte den Abbau von Gips. Zudem stehen die Neuausweisungen im Widerspruch zu dem Gutachten, das die Regionale Planungsgemeinschaft beim Erfurter Sachverständigenbüro Reyer in Auftrag gegeben hat. Das Gutachten sieht keine Notwendigkeit neuer Abbauflächen für die Naturgips- und Anhydritgewinnung. Lediglich in Bezug auf die Gewinnung von hochwertigem Gips wird ein Bedarf von 26,5 ha für die nächsten 25 Jahre ermittelt. „Die geplanten Erweiterungen und neuen Vorranggebiete sind völlig überzogen. Es ist höchste Zeit, dass die Bagger endlich gestoppt werden“, so Dr. Burkhard Vogel. Er führt weiter aus: „Die natürliche Ressource Gips ist endlich und die Industrie sollte zur Entwicklung von Substitutionsprodukten und dem Ausbau von Rohstoff-Recycling angehalten werden. Eine völlige Ausbeutung der landschaftlich einmaligen Südharzer Gipskarstlandschaft kann keine Lösung sein.“

Das durch die Naturstiftung David geförderte Schwarzbuch des BUND Thüringen dokumentiert nicht nur bereits erfolgte Schäden der Landschaft durch den Gipsabbau. Es stellt dem Leser gleichzeitig die Einmaligkeit und das Artenspektrum eines weltweit einzigartigen Naturjuwels vor, das über Jahrmillionen entstanden ist und weist auf Alternativen für die Industrie hin. „Die Menschen vor Ort sollen eine Chance auf eine nachhaltige Zukunft bekommen“, sagt Dr. Burkhard Vogel. „Eine solche Zukunft hat die Region nur als Biosphärenreservat. Dafür fordern wir ab 2019 die Einrichtung eines Aufbaustabs im Südharz“, ergänzt der Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen.

Der BUND warnt ausdrücklich davor, dass eine Ausdehnung des Gipsabbaus im Interesse einzelner Wirtschaftskonzerne auf Kosten einer nachhaltigen Entwicklung in der Region geschehe. Der sanfte Tourismus in der Region schaffe schon heute mehr Arbeitsplätze als alle Gipsunternehmen gemeinsam. „Wir appellieren an Ministerin Keller, den Raumordnungsplan abzulehnen, denn er steht in keinem Verhältnis zum Bedarf. Damit wird die einmalige und wertvolle Gipskarstlandschaft im Südharz nur weiterer Zerstörung preisgegen“, so Dr. Burkhard Vogel.

Becker: Schwarzbuch Gips legt Finger in die Wunde

Anlässlich der heutigen Präsentation des Schwarzbuchs Gips: „Raubbau in der Südharzer Gipskarstlandschaft Thüringens“ durch den BUND Thüringen erklärt Dagmar Becker, die umwelt- und naturschutzpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Thüringer Landtag: „Mein ganzes politisches Leben lang setze ich mich dafür ein, dass die weltweit einmalige Gipskarstlandschaft im Südharz nicht zerstört wird. Wie das Schwarzbuch Gips zeigt, gibt es hier noch immer eine Menge zu tun. Gemeinsam mit den Akteuren vor Ort kämpfen wir gefühlt wie Don Quichotte gegen Windmühlen. Das Schwarzbuch des BUND Thüringen legt den Finger auf die Wunde und führt allen, die es wissen wollen, den unglaublichen Raubbau vor Augen, den die Gipsindustrie für ihre Profite auch im 21. Jahrhundert noch immer betreibt.

Es gibt zwei wichtige Argumente, die gegen den Gipsabbau im Südharz sprechen: Zum einen gibt es genügend andere Vorräte, auf die die Gipsindustrie zugreifen könnte, zum anderen bestehen Alternativen wie den REA-Gips. Der Raubbau an der einmaligen Gipskarstlandschaft im Südharz ist vermeidbar. Es wird Zeit, dass die Alternativen in den Fokus rücken. Außerdem steht die Gipsindustrie in der Pflicht, ihre eigenen Produkte besser und stärker zu recyceln.“

 

Hintergrund REA-Gips:
REA-Gips wird aus Abgasen von Rauchgasentschwefelungsanlagen (REA) gewonnen. Dabei reagiert das in den Abgasen enthaltene Schwefeldioxid mit zusätzlich beigemengtem Kalkstein zu Gips. Bei modernen REAs ist der Gips von so hoher Qualität und Reinheit und so gering mit Schadstoffen belastet, dass er bis auf wenige Spezialanwendungen Naturgips größtenteils oder vollständig ersetzen kann.
In den Industrienationen fällt REA-Gips heute teilweise in Mengen an, die über der Nachfrage liegen, so dass Überschüsse trotz guter Qualität als Abfall deponiert werden müssen.

erschienen am: 2018-12-06 im europaticker



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