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Projekt ASKURIS erforscht technische Möglichkeiten zur Beseitigung von Arzneimittel-Rückständen
Verursacher- und Vorsorgeprinzip stärken
Demografischer Wandel wird zur Herausforderung für die Wasserwirtschaft

Es ist eine erfreuliche Entwicklung: Die durchschnittliche Lebenserwartung der Bevölkerung in Deutschland steigt kontinuierlich. Eine alternde Gesellschaft führt allerdings zu vielfältigen neuen Herausforderungen: So wird der Pro-Kopf-Verbrauch von Arzneimitteln in Deutschland deutlich ansteigen, laut einer BDEW-Studie um bis zu 70 Prozent bis 2045. Da Rückstände von Medikamenten auch ins Abwasser gelangen können, steigen die Anforderungen an einen vorsorgenden Gewässerschutz.

Mit welchen technischen Möglichkeiten sich Spurenstoffe wie beispielsweise Medikamentenrückstände aus dem Abwasser beseitigen lassen, darüber informierte sich heute der Demografie-Beauftragte der CDU-/CSU-Bundestagsfraktion, Michael Frieser, in der Oberflächenwasseraufbereitungs-Anlage Tegel der Berliner Wasserbetriebe. In der Anlage wurde im Rahmen eines Forschungsprojekts untersucht, welche Technologien mit Blick auf eine ebenso effektive wie wirtschaftliche Entfernung von Spurenstoffen besonders geeignet für einen großtechnischen Einsatz sind.

Jörg Simon, Vorstandsvorsitzender der Berliner Wasserbetriebe und BDEW-Vizepräsident Wasser/Abwasser, betonte im Rahmen des Termins die Grundsätze des Verursacher- und Vorsorgeprinzips: "Trotz der technischen Möglichkeiten zur Beseitigung unerwünschter Stoffe aus den Gewässern muss die Vorsorge im Mittelpunkt stehen: Belastende Stoffe müssen soweit wie möglich aus dem Wasserkreislauf herausgehalten werden. Investitionen in kommunale Abwasser­anlagen können nicht alle Spurenstoffe signifikant redu­zieren. Eine Beschränkung auf "End-of-Pipe-Maßnahmen" der Wasserwirtschaft greifen daher zu kurz. Zwar gibt es heute keinerlei Anlass zur Sorge um die hohe Trinkwasserqualität. Dennoch sollte alleine aus Sicht eines vorsorgenden Umwelt- und Gesundheitsschutzes der Eintrag von Arzneimitteln in die Umwelt so gering wie möglich sein. Notwendig ist deshalb eine ganzheitliche Arzneimittelstrategie zur Vermeidung, die unter Berücksichtigung des Verursacherprinzips ein breites Maßnahmenpaket umsetzt."

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft sieht auch die Hersteller von Arzneimitteln in der Pflicht: Sie sind gefordert, umweltschädliche Wirkstoffe nach Möglichkeit zu ersetzen. Umweltaspekte und Gewässerrelevanz sollten möglichst schon bei der Entwicklung von Arzneimitteln bedacht werden. Die Hersteller tragen die Produktverantwortung in Bezug auf Umweltverträglichkeit, also auch in Hinblick auf die Reduzierung des Eintrags in die Umwelt. Daneben geht es auch um Möglichkeiten, Wirkstoffe zielgenauer und sparsamer zu dosieren.

Der verantwortungsvolle Umgang mit Medikamenten ist für die Verminderung von Wirkstoffeinträgen in die Umwelt besonders relevant. Ärzte sind dazu aufgerufen, ihre Verschreibungspraxis anzupassen und auf therapiegerechte Mengen und passgenaue Packungsgrößen zu achten, so der BDEW.

Auch die Apotheker und die Verbraucher können etwas tun: Apotheken sollten bei nichtverschreibungspflichtigen Medikamenten auf bedarfsgerechte Verpackungsgrößen achten, Verbraucher ihre alten Medikamente sachgerecht über den Haus- oder Sondermüll entsorgen.


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