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Tiroler Schulen sollen geschlossen teilnehmen - elterliche Entschuldigungen ausnahmslos akzeptiert werden

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Fridays For Future: Für die eigene Zukunft zu demonstrieren, darf nicht sanktioniert werden

Am Freitag werden weltweit und auch in Innsbruck hunderte Schüler*innen unter dem Slogan "Fridays For Future" auf der Straße erwartet, um gegen die Klimakrise und ignorante Politik zu demonstrieren. Über die Zulässigkeit des Fernbleibens vom Unterricht wird mitunter in den Schulen heftig diskutiert. Ein einheitliches Vorgehen ist nicht in Sicht, auch wenn der Tiroler Bildungsdirektor Paul Gappmaier heute die Teilnahme an der Demo grundsätzlich begrüßt hat und eine Empfehlung ausgesprochen hat.


Die Grüne Bildungssprecherin Stephanie Jicha geht daher einen Schritt weiter und spricht sich für eine generelle Ausnahme für die Großdemo aus. „Die Schüler*innen fehlen nicht unentschuldigt, sondern haben den besten Grund überhaupt: sie gehen für ihre Zukunft auf die Straße. Und sie gehen auf die Straße, weil Generationen von Politiker*innen ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben. Kein Klassenvorstand sollte seinen Schüler*innen dafür sanktionieren. Vielmehr sollten alle Schulen geschlossen an der Demonstration teilnehmen“, ruft die Grüne Bildungssprecherin auf. Die Demonstration findet am Freitag ab 10:00 Uhr vor der Annasäule statt. Schüler*innen organisieren die Veranstaltung selbst.

Die 29-jährige Landtagsvizepräsidentin unterstützt das politische Aufbegehren der Schüler*innen vollinhaltlich und wird selbst daran teilnehmen: "Die Schulen sollen politisches Interesse von Schüler*innen fördern, und keinefalls bestrafen. Gerade wenn sie die soziale Verantwortung für ihre Generation übernehmen. Wir sind die letzte Generation die die Klimakrise abwenden kann. Dafür müssen wir aber jetzt handeln. Und zwar weltweit“, so Jicha.

„Die Anliegen der demonstrierenden jungen Menschen sind berechtigt“

Die Anliegen der demonstrierenden jungen Menschen sind berechtigt“ – so die Überschrift einer Stellungnahme von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die unter dem Namen „Scientists For Future“ die seit Wochen demonstrierenden Jugendlichen unterstützen und deren Forderungen nach schnellem Handeln wissenschaftlich bekräftigen. Bis heute (Stand 12.3) haben 12.155 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz den Aufruf bereits unterzeichnet. Die Unterschriftensammlung soll bis Donnerstagabend andauern.

Dr. Gregor Hagedorn, Initiator der Initiative: „Die rasante Zustimmung, die das Statement in der Wissenschaft erhalten ist überwältigend und zeigt, wie richtig und wichtig der Protest der Schülerinnen und Schüler ist.“

Die Stellungnahme, die heute von vier Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Anwesenheit von Luisa Neubauer und Jakob Blasel von Fridays For Future in der Bundespressekonferenz in Berlin präsentiert wurde, fordert von der Politik, die Anliegen der jungen Generation Ernst zunehmen und Maßnahmen zu ergreifen. Die Politik stehe „in der Verantwortung, zeitnah die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Insbesondere muss klimafreundliches und nachhaltiges Handeln einfach und kostengünstig werden, klimaschädigendes Handeln hingegen
unattraktiv und teuer
“ heißt es in dem Papier.

Prof. Dr. Maja Göpel, Generalsekretärin des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) unterstützt dies: „Ökonomische Investitionen und technologische Innovationen brauchen angemessene politische Rahmenbedingungen. Dann wird der Umbau zur Nachhaltigkeit unserer Wirtschaft machbar. Das ist eine große politische Herausforderung, die breite gesellschaftliche Unterstützung braucht und den Mut, aus der Zukunft zu denken, um herkömmliche Grabenkämpfe zu überwinden.“ Den Protest der Jugendlichen sieht sie als Aufforderung an die Politik, zu handeln. „Jeden Freitag werden Unterstützung, Mut und Zukunft lauter. Das sollte die EntscheiderInnen dieser Republik motivieren.“

Prof. Dr. Volker Quaschning, Professor für Regenerative Energiesysteme an der HTW in Berlin, betont einmal mehr die Notwendigkeit, unverzüglich Maßnahmen zu ergreifen, die den weltweiten Temperaturanstieg mit hoher Sicherheit auf 1,5°C zu begrenzen. „Dazu müssen wir in Deutschland möglichst innerhalb der nächsten 20 Jahre klimaneutral werden. Weder das aktuelle Reduktionstempo der Treibhausgasemissionen noch die von der Regierung geplanten Klimaschutzmaßnahmen reichen dafür auch nur ansatzweise aus. Es geht jetzt darum, sofort zu handeln. Erneuerbare Energien sind in der Lage, schnell, sicher und mittlerweile auch zu vertretbaren Kosten unsere gesamte Energieversorgung zu decken.“ 

Karen Helen Wiltshire, Stellv. Direktorin des Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI), weißt darauf hin, dass die Klimawandelfolgen als ersten an den Küsten zu spüren sind: „Der menschliche Lebensraum, insbesondere die Küste, wo in Zukunft immer mehr Menschen leben müssen, ist hochgradig gefährdet durch den Meeresspiegelanstieg. Auch die Belastungen, die zum Beispiel durch Fischerei und Tourismus entstehen, werden den Druck auf die Küsten weiter zunehmen lassen. Wir müssen umgehend handeln, globale Küstenmanagementpläne sind unabdingbar.“

 Scientists For Future gehen dabei auch auf die gesundheitlichen Gefahren des Klimawandels ein. Für Dr. Eckart von Hirschhausen, Arzt und Wissenschaftsjournalist eine notwendige Konsequenz: „Ärzte müssen darauf hinweisen, wenn Leben bedroht ist. Die Klimakrise ist die größten Gesundheitsgefahren der Zukunft. Nach internationalem, wissenschaftlichem Konsens drohen Wasser- und Nahrungsmangel, direkte Auswirkung der Überhitzung auf den menschlichen Körper und neue Infektionskrankheiten. Gleichzeitig bieten die notwendigen Veränderungen in Mobilität und Ernährung sehr viele Vorteile, weil sie für Mensch und Planet gesünder sind.“

erschienen am: 2019-03-14 im europaticker



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