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Fallende Zahl der Neuaufträge macht dem Verarbeitenden Gewerbe weiter zu schaffen

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EMI: Rückläufiger Auftragseingang dämpft Industriewachstum

 Auch im letzten Monat des Jahres hat sich das Wachstum der deutschen Industrie weiter abgeschwächt. Das signalisiert der saisonbereinigte IHS Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI), der im Dezember 2018 leicht auf 51,5 Punkte von vormals 51,8 gesunken ist. Dieser Wert ist der niedrigste seit März 2016; gleichzeitig gab der deutsche Industrie-PMI nun schon den fünften Monat in Folge nach.

Die fallende Zahl der Neuaufträge macht dem Verarbeitenden Gewerbe der größten Volkswirtschaft Europas weiter zu schaffen, teilte der englische Finanzdienstleister IHS Markit mit. Zahlreiche Umfrageteilnehmer berichteten in diesem Zusammenhang von der wachsenden Zurückhaltung bei vielen Unternehmen und Kunden sowie von der nach wie vor nur verhaltenen Nachfrage in der Automobilindustrie.

„Die deutsche Industrie muss sich 2019 auf deutlich stärkeren Gegenwind einstellen“, betonte Dr. Silvius Grobosch, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME), am Dienstag in Eschborn. Der Kostendruck dürfte seiner Einschätzung nach „auch in den kommenden Wochen weiter hoch bleiben. Allerdings könnten die Einkäufer von den relativ niedrigen Rohstoffpreisen profitieren.“

„Die vor rund einem Jahr begonnene konjunkturelle Abkühlung setzt sich laut EMI derzeit noch fort. Die Chancen stehen aber gut, dass es im Laufe dieses Jahres zu einer Trendwende kommt“, kommentierte Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen, am Dienstag auf BME-Anfrage die aktuellen EMI-Daten. Wachstumsfördernd seien insbesondere zwei Faktoren: zum einem eine expansivere Fiskalpolitik in Deutschland, Europa, aber auch voraussichtlich in China, und zum anderen der stark gefallene Ölpreis. „Somit erwarten wir, dass das deutsche Bruttoinlandsprodukt 2019 mit rund 1,5 Prozent weiterhin oberhalb der Beschäftigungsschwelle wachsen wird“, teilte die Helaba-Bankdirektorin dem BME abschließend mit.

„Die Anspannung in der Industrie nimmt zu“, bewertete DIHK-Konjunkturexpertin Sophia Krietenbrink am Dienstag die aktuellen EMI-Daten. Die handelspolitischen Verwerfungen und die Herausforderungen in der Automobilindustrie seien 2018 deutlich zu spüren gewesen. Im neuen Jahr schaffe der Brexit zusätzliche Unsicherheit. Die Sorgen um die schwächere Nachfrage im In- und Ausland nehmen laut DIHK-Konjunkturumfrage insgesamt spürbar zu. Angesichts dieser Unwägbarkeiten gingen auch die Investitionsabsichten der Industrieunternehmen merklich zurück.

„Die globale Nachrichtenlage beschert uns Stimmungsschwankungen zwischen Erleichterung und Sorgen“, sagte Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, am Dienstag dem BME. So hätten zuletzt Meldungen von den Verhandlungen zwischen den USA und China oder einem leichten „Einlenken“ der italienischen Regierung im Haushaltsstreit es geschafft, einige Sorgenfalten zu glätten. Doch gleichzeitig fänden öffentlichkeitswirksame Abwärtsrevisionen von Konjunkturprognosen statt, und der Brexit-Prozess nehme immer chaotischere Züge an. Zudem sei der Dezember noch durch die Proteste in Frankreich – immerhin Deutschlands zweitwichtigstem Handelspartner – verhagelt worden. Kater: „Diese Probleme sollten auch 2019 auf der Tagesordnung bleiben.“

Mit Blick auf die jüngste Entwicklung des EMI-Teilindex „Einkaufspreise“ sagte Dr. Heinz-Jürgen Büchner, Managing Director der IKB Deutsche Industriebank AG, am Dienstag dem BME: „Der stärker als erwartet gesunkene Rohölpreis hat schon auf große Teile der Wertschöpfungskette in der Kunststoffproduktion durchgeschlagen. Hier sehen wir noch weiteres Potenzial für Preissenkungen. Der aktuelle Rohölpreis macht zudem erste Frackingprojekte unrentabel. Die beschlossenen Kürzungen der OPEC-Fördermenge könnten allerdings bald für eine Trendumkehr sorgen.“

Die Entwicklung der EMI-Teilindizes im Überblick:
Industrieproduktion: Das Produktionsniveau wuchs im Dezember so kräftig wie seit drei Monaten nicht mehr. Nichtsdestotrotz war es eine der schwächsten Zuwachsraten seit Beginn der Wachstumsphase vor mehr als fünfeinhalb Jahren. Das Plus ging dabei fast ausschließlich auf Zuwächse im Konsumgüterbereich zurück, wo mehr Neuaufträge die Produktion ankurbelten.

Auftragseingang insgesamt/Export: Zum Jahresende 2018 fiel das Minus beim Auftragseingang erneut größer aus. Der dritte Rückgang hintereinander beförderte den Teilindex auf den tiefsten Stand seit November 2014. Einige Umfrageteilnehmer verwiesen auf die niedrigere Nachfrage in der Automobilindustrie, während andere meinten, die generelle Unsicherheit vieler Kunden wirke sich negativ auf die Verkaufszahlen aus. Die Hersteller von Vorleistungsgütern registrierten die deutlichsten Einbußen. Im Bereich Investitionsgüter fiel das Minus ebenfalls markant aus.
Zu den rückläufigen Zahlen im Gesamtauftragseingang trug auch der erneute Rückgang der Neuaufträge von Firmen mit Sitz im Ausland bei. Mehr noch, der saisonbereinigte Teilindex Exportorder rutschte weiter ab und notierte auf dem tiefsten Stand seit Dezember 2012. Eine ganze Reihe der befragten Manager schrieb das Minus den geringeren Umsätzen in China zu. Daneben bremsten auch die politischen Unsicherheiten und Spannungen die weltweite Nachfrage.

Beschäftigung: Im Bestreben die Kapazitäten zu erweitern sowie durch verstärkte Marketing- und Vertriebsaktivitäten die Absatzzahlen zu steigern, trieben die Unternehmen ihren Jobaufbau weiter voran. Zwar zog die Steigerungsrate gegenüber November leicht an, sie blieb damit aber immer noch auf einem der tiefsten Werte der vergangenen zwei Jahre.

Einkaufs-/Verkaufspreise: Zum Jahresabschluss schwächte sich die Inflationsrate der Einkaufspreise merklich ab. Entsprechend notierte der saisonbereinigte Teilindex auf dem niedrigsten Stand seit August 2017. Wie einige Umfrageteilnehmer zu Protokoll gaben, waren dafür vor allem niedrigere Preise für Öl und Stahl verantwortlich. Nichtsdestotrotz blieb der Kostendruck weiterhin hoch, da sich unter anderem Elektronikkomponenten, Energie und Lohnkosten verteuerten.
Um die höheren Kosten zumindest teilweise aufzufangen und gleichzeitig die Gewinnmargen zu sichern, sahen sich viele Industrieunternehmen erneut dazu gezwungen, ihre Angebotspreise anzuheben. Die Rate erhöhte sich zwar leicht gegenüber November, blieb aber unter den Spitzenwerten vom Jahresanfang. Die Hersteller von Vorleistungsgütern verzeichneten den steilsten Anstieg. Im Teilbereich Konsumgüter fiel die Erhöhung am geringsten aus, obwohl dort der Kostendruck am stärksten zunahm.

Jahresausblick: Der Teilindex blieb auch im Dezember unter der Schwelle von 50,0 Punkten, womit er zum dritten Mal hintereinander signalisiert, dass die Mehrheit der befragten Manager eher pessimistisch in die Zukunft blickt. Wie schon in den Vormonaten sorgten allen voran die strauchelnde Automobilindustrie, die Ungewissheiten in Verbindung mit dem Brexit sowie die Handelskonflikte für Sorgenfalten in den Chefetagen des Verarbeitenden Gewerbes.

Über den EMI: Der IHS Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI) gibt einen allgemeinen Überblick über die konjunkturelle Lage in der deutschen Industrie. Der Index erscheint seit 1996 unter Schirmherrschaft des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME), Eschborn. Er wird vom Anbieter von Unternehmens-, Finanz- und Wirtschaftsinformationen IHS Markit mit Hauptsitz in London erstellt und beruht auf der Befragung von 500 Einkaufsleitern/Geschäftsführern der verarbeitenden Industrie in Deutschland (nach Branche, Größe, Region repräsentativ für die deutsche Wirtschaft ausgewählt). Der EMI orientiert sich am Vorbild des US-Purchasing Manager´s Index (Markit U.S.-PMI).

erschienen am: 2019-01-08 im europaticker



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