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Entwicklung der Abfallmengen - Klimaschutz durch energetische Verwertung von Abfällen

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Bremen: Umweltzustandsbericht 2019 veröffentlicht

Mit dem "Umweltzustandsbericht 2019" legt der Senator für Umwelt, Bau und Verkehr einen Überblick über den Zustand der Umwelt im Land Bremen vor. Der Bericht umfasst den Zeitraum 2014 bis 2017 und stellt in elf Kapiteln auf Basis von Umweltindikatoren anschaulich dar, wie sich die Umweltsituation in Bremen und Bremerhaven entwickelt hat. Positiv hervorzuheben sind beispielsweise die verbesserte Luftqualität, der Ausbau erneuerbarer Energien, die Ausweisung der Luneplate als größtes Naturschutzgebiet im Land Bremen und Maßnahmen zur Renaturierung der Weser. Weiterhin bestehen Handlungsnotwendigkeiten insbesondere beim Klimaschutz, beim Gewässerschutz und beim Erhalt der biologischen Artenvielfalt.

Entwicklung der Abfallmengen Gesamtaufkommen von Abfällen

Die Stahlwerke, die Häfen mit ihrem Baggergut und die Abfall-Heizkraftwerke gehören zu den größten Abfallerzeugern im Land Bremen. Das zeigt eine Zusammenstellung jener Abfallmengen, für die die Stadtgemeinden Bremen und Bremerhaven entsor-gungspflichtig sind. Die Mengen müssen aufgrund gesetzlicher Vorgaben der Abfallbehörde gemeldet werden (vgl. Abfallwirtschaftsplan 2017 für das Land Bremen). Dabei handelt es sich weitgehend um mineralische Massenabfälle, die überwiegend verwertet werden. Die restlichen Abfälle werden auf betriebseigenen Monodeponien abgelagert, die künftig als Rohstofflager dienen können. Ein großer Anteil der bei den Stahl- und Kraftwerken entstehenden Mineralien wird zudem als Nebenprodukt wieder auf den Markt gebracht. Für die Abfälle aus Bau, Gewerbe und Industrie, die ver wertet werden, besteht keine Meldepflicht, so dass diese Mengen und deren Verwertung nicht beziffert werden können.

Haus- und Geschäftsabfälle

Bis etwa zum Jahr 2000 verzeichneten die beiden Städte Bremen und Bremerhaven einen stetigen Anstieg der im Durchschnitt erzeugten Hausmüll-menge auf 508 kg/E (Kilogramm pro Einwohner/in). Bis zum Jahr 2013 hatte diese Menge um etwa 13% auf 442 kg/E abgenommen und ist bis 2017 noch geringfügig auf 441,2 kg/E gesunken. Allerdings hat sich die absolute Menge aufgrund der gestiegenen Einwohnerzahl von 290.000 Mg (Megagramm, T onnen) im Jahr 2013 auf 300.000 Mg bis zum Jahr 2017 erhöht.Bremen und Bremerhaven verfügen über ausgebaute und von den Bürgerinnen und Bürgern gut genutzte Sammelsysteme für Papier, Pappe und Karton, Glas, Textilien, Leichtverpackungen, Metalle, Elektroschrott, Batterien, Schadstoffe und Gartenabfälle. In der Stadtgemeinde Bremen wird zudem Bioabfall getrennt erfasst. Dies hat bis zum Jahr 2002 zu einem Anstieg der getrennt erfassten Wertstoffe auf 159.000 Mg bzw. 240 kg/E geführt. Inzwischen ist die Menge auf knapp 147.000 Mg bzw. rund 216 kg/E im Jahr 2017 zurückgegangen. Ursache hierfür sind der Rückgang des Hausmüllaufkommens insgesamt, weniger und leichtere Einweggetränke-Verpackungenaus Glas sowie ein abnehmendes Altpapieraufkom-men. Der Anteil der getrennt erfassten Wertstoffe am gesamten Hausmüllaufkommen lag zwischen 2000 und 2013 im Landesmittel konstant zwischen 47% und 48% und ist bis 2017 auf etwa 49% gestiegen. Sperr- und Restmüll werden in beiden Städten ener-getisch verwertet.

Entsorgungssicherheit

Für den Wirtschaftsstandort Bremen sind ausreichende und geeignete Entsorgungsmöglichkeiten von ele-mentarer Bedeutung. Hierfür stehen im Land Bremen bereits vielzählige Einrichtungen zur Verfügung: Zu den Verwertungs-Anlagen von Abfällen gehören Grün - und Bioabfall-Kompostierungsanlagen sowie mehrere Anlagen zum Aufbereiten von Bauschutt, Baustellenabfällen und MVA- Aschen. Zur Verwertung und Beseitigung gefährlicher Abfälle betreiben Privatfirmen in beiden Städten Anlagen zur chemisch-phy-sikalischen und thermischen Behandlung. Einzigartig in Deutschland ist hierbei ein Kältetrennverfahren, welches beispielsweise mit Farben und Ölen ver-schmutzte Kunststoff- und Blechbehälter weitgehend reinigt und für eine Verwertung verfügbar macht. Darüber hinaus können vier Abfall-Heizkraftwerke sowie zwei öffentlich zugängliche Deponien genutzt werden. Für eine funktionierende Abfallentsorgung sind weiterhin geeignete Standorte in Industrie- und Gewerbegebieten vorzusehen und notwendige Flächen im Rahmen der Bauleitplanung zu berücksichtigen. Dort werden auch Regelungen zum Schutz der Nachbar-schaft getroffen. In Bremen soll bis spätestens 2022/23 bewertet und entschieden werden, ob und wo im Stadtgebiet eine Nachfolgelösung für die Block land-deponie möglich ist.

Klimaschutz durch energetische Verwertung von Abfällen

Soweit Abfälle nicht wiederverwendet, recycelt oder stofflich genutzt werden können und zudem einen ausreichenden bzw. abzutrennenden Anteil organi-scher Materie enthalten, sollten sie mit möglichst hoher Energieausbeute energetisch verwertet werden.Im Land Bremen gibt es hierfür vier Abfall-Heizkraftwerke, mit denen jährlich bis zu 1,25 Mio. Mg Abfälleauch aus anderen Bundesländern und dem Ausland, energetisch genutzt werden können. Mit Einführung des Kreislaufwirtschaftsgesetzes wurden diese Anla-gen aufgrund ihrer Energieeffizienz als Anlagen zur energetischen Verwertung eingestuft.

Die vier Abfallheizkraftwerke im Land Bremen

Im 1969 fertiggestellten Müllheizkraftwerk (MHKW) der swb in Bremen-Findorff wurden im Frühjahr 2013 umfangreiche Modernisierungsarbeiten abgeschlossen. Die Verbrennungskapazität beträgt nun 530.000 Tonnen pro Jahr (Mg/a). Seither hat die Anlage jährlich zwischen 200.000 und 230.000 MWh Strom ins öffentliche Netz eingespeist. Das im Juli 2009 in Betrieb genommene Mittelkalorik-Kraftwerk (MKK) der swb am Bremer Industriehafen verwertet jährlich bis zu 320.000 Mg Abfälle. Dabei handelt es sich überwiegend um aufbereitete heiz-wertreiche Abfallgemische mit einem durchschnittlichen Heizwert von rund 11,5 MJ/kg. Damit können ca. 230.000 MWh/a Strom produziert und an das Netz abgegeben werden. Am Standort Blumenthal betreibt die BREWA Umwelt-Service GmbH seit Ende 2005 eine Verbrennungsanlage für die energetische Verwertung von ca. 65.000 Mg/a Ersatzbrennstoffen. Diese bestehen aus heizwertreichen Fraktionen und kommen aus aus mechanisch-biologischen Abfallbehandlungsanlagen.Jährlich werden daraus rund 12.000 MWh Strom in das öffentliche Netz eingespeist.Auch das 1976 in Betrieb gegangene MHKW der BEG in Bremerhaven erzeugt mit gutem Wirkungsgrad Strom für das öffentliche Netz, jährlich rund 60.000 MWh. Verbrannt werden Abfallmengen zwischen 300.000 und 340.000 Mg/a.40 CO2-Reduktion

Diese vier Anlagen speisen seit 2013, nach Abzug ihres Eigenbedarfs, jährlich zwischen 540.000 und 605.000 MWh Strom ins öffentliche Netz ein. Dies reicht für die Versorgung von insgesamt etwa 225.000 bis 240.000 Bremer Haushalten. Damit kann der Strom aus Abfall die Stromerzeugung des Ende 2013 stillgelegten Blocks 5 vom Kraftwerk Hafen der swb annähernd ersetzen. Zusätzlich wird der in den Anlagen erzeugte Strom genutzt, um die vielfältigen Abfälle in verwertbare Aschen zu überführen und verschiedene Schadstoffe auszufiltern. Darüber hinaus tragen die Abfall-Heizkraftwerke in Bremen und Bremerhaven seit langem in erheblichem Umfang zur Fernwärmeversorgung bei. Im Jahr 2016 wurden 596.000 MWh in die Netze eingespeist.

Auf diese Weise leistet die Abfallverbrennung einen wichtigen Beitrag zur Schonung fossiler Energie-Ressourcen sowie zur Senkung der klimaschädlichen CO2-Emissionen. Hierbei wirkt sich positiv aus, dass bis zu 60 % der verbrannten Abfälle biogenen Ursprungs sind.

Berechnungen für das Jahr 2016 zufolge wurden durch die Strom- und Wärmeerzeugung in den vier Anlagen lediglich rund 3.000 Mg fossiles CO2 zusätzlich erzeugt. Das ist gegenüber der Erzeugung der gleichen Menge Strom und Wärme in gängigen Kraftwerken – also im Vergleich zum bundesweiten Strommix beim Inlandsverbrauch – wenig Im Vergleich zum landesbremer Strommix mit relativ hohem Kohlestromanteil ergibt sich sogar eine Reduktion um rund 68.500 Mg CO2.

Entwicklungen der Deponie-Standorte im Land Bremen

Das Land Bremen geht einen fortschrittlichen, verantwortungsbewussten und zukunftsweisenden Weg im Umgang mit seinen Deponien. Sowohl die Bremerhavener Deponie »Grauer Wall« als auch die Blocklanddeponie in Bremen dürfen seit 2013 auf den bestehenden Flächen nach den aktuellen deponietechnischen Standards Erweiterungen durch Erhöhungen errichten. Die so geschaffenen Kapazitäten reichen dabei in Bremerhaven für Jahrzehnte und in Bremen voraussichtlich bis zum Jahr 2028. Auch die Deponie für Gichtgasschlämme der Stahlwerke wird diese Möglichkeit nutzen.In der Vergangenheit ist die auf den Deponien im Land Bremen angenommene Abfallmenge bis Mitte der 1990 er Jahre deutlich zurückgegangen. Nach dem vermutlich durch die Wirtschaftskrise bedingten Einbruch – insbesondere bei den Stahlwerken – liegt die insgesamt deponierte Abfallmenge seit dem Jahr 2012 im Mittel bei 725.000 Mg/a. Zwischen 40 und 45% dieser Menge wird für Bauzwecke und im Rahmen von Stilllegungen für die Profilierung und Rekultivierung verwendet.Aufgrund mangelnder Deponiekapazitäten im Bremer Umland ist insbesondere die Blocklanddeponie ein wichtiger Faktor für die Entsorgung mineralischer Abfälle aus niedersächsischen Gemeinden, aber auch aus Hamburg und Nordrhein-Westfalen. Zwischen 25% und 37% der dort deponierten Abfälle kamen in den letzten Jahren nicht aus dem Bundesland Bremen.

Im Jahr 2017 waren es 48%. auf der Bremer Blocklanddeponie werden Windkraft und Sonnenergie genutzt. Durch den erhöhten Standort bieten sich hier deutliche Vorteile bei der Wind - und damit Energieausbeute. Darüber hinaus sind die Deponieböschungen hervorragende Stellflächen für Photovoltaikmodule.Ein Problem der gezeitenbeeinflussten Gewässer im Bundesland Bremen ist die Versandung. Als Folge davon müssen zur Aufrechterhaltung des Schiffsbetriebes das Fahrwasser und die Hafenbecken ausgebaggert werden. Ein großer Anteil des Baggergutes wurde in den letzten Jahren für Hafenbauzwecke nach Rotterdam verschifft. Auf der Baggergutdeponie Seehausen wurden in den vergangenen 10 Jahren im Mittel 145.000 Mg entwässertes Material abgelagert. Da das Baggergut gute Bau - und Dichtungseigenschaften aufweist, wurden zeitweilig erhebliche Mengen der Deponie wieder entnommen und im Deich- und Deponiebau verwertet.

Der Umweltzustandsbericht liegt als Broschüre beim Senator für Umwelt, Bau und Verkehr sowohl im Foyer des der Contrescarpe 72 als auch im Foyer der Ansgaritorstr. 2 aus. Der Bericht kann zudem als barrierearme Bildschirmversion oder als Druckversion heruntergeladen werden:

Umweltzustandsbericht 2019 (pdf, 6.6 MB)

erschienen am: 2019-05-14 im europaticker



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