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Im internationalen Austausch werden die deutschen Erfahrungen in der Abfallwirtschaft eingebracht

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Konzepte nachhaltiger Abfall- und Kreislaufwirtschaft

Rohstoffe werden knapper, Energie wird teurer und die Verschmutzung von Boden, Luft und Wasserressourcen bedroht die nachhaltige Entwicklung überall auf der Welt. Die Abfallwirtschaft ist mit beiden Problemen eng verbunden: sich verändernde Konsummuster, industrielle Entwicklung und Verstädterung verschärfen die Abfallproblematik und führen dazu, dass traditionelle Entsorgungs- und Verwertungssysteme nicht mehr angemessen sind. Insbesondere informelle Siedlungen sind von dieser Problematik betroffen, das geht aus einer Studie der GIZ, die im Auftrage des Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) erstellt wurd, hervor.

Während Abfälle in Europa verstärkt stofflich und energetisch genutzt werden und die Kreislaufwirtschaft mehr Treibhausgase einspart als erzeugt, stehen viele Schwellen- und Entwicklungsländer vor der großen Herausforderung, bestehende, aber unzureichende und nicht nachhaltige Abfallmanagementsysteme zu verbessern: Abfälle sollen nicht mehr im Wohnumfeld und auf ungesicherten Deponien oder ‚wilden‘ Müllkippen abgelagert werden oder in Gewässern landen. Bisher reichert sich dieser Abfall als Marine Litter (Meeresabfall) in den Weltmeeren an, wird über den Kontinent verteilt und durch den Einfluss von Wind, Sonne und Wellen zerrieben. Vor allem Plastikabfälle verursachen große Schäden an Fauna und Flora und gelangen als Mikropartikel bis in die menschliche Nahrungskette. Da 80 Prozent der in das Meer eingetragenen Abfälle aus Quellen an Land stammen, ist der unkontrollierte Abfalleintrag in Gewässer und Meere überwiegend Folge einer fehlenden oder unzulänglichen Abfallwirtschaft.

In Vorhaben der Entwicklungszusammenarbeit werden technische, organisatorische und finanzielle Konzepte sowie bestehende Erfahrungen für eine nachhaltige Abfall- und Ressourcenwirtschaft bisher erst unzureichend aufgenommen, analysiert und in die nationale und internationale Fachdiskussion eingebracht. Die Abfallwirtschaft hat viele Schnittstellen zu anderen Themen wie Stadtentwicklung, Wasser, Energie und Ernährungssicherung. Auch dies wurde bisher zu wenig berücksichtigt.

Ziel

Technische, organisatorische und finanzielle Konzepte für eine nachhaltige Abfall- und Ressourcenwirtschaft werden von der nationalen und internationalen Fachdiskussion sowie von Vorhaben der Entwicklungszusammenarbeit aufgenommen.

Vorgehensweise

Das Beratungsprojekt baut auf den Ergebnissen abgeschlossener und laufender Programme auf. Es vergleicht Erfahrungen der deutschen und internationalen Entwicklungszusammenarbeit und berücksichtigt dabei ökologische, soziale und ökonomische Aspekte der Abfallwirtschaft. Die GIZ fördert eine Kooperation mit der nationalen und internationalen Privatwirtschaft bei Ausbildung, Know-how-Transfer, Networking und bei der Erarbeitung von Strategien. Das Vorhaben fungiert als Wissensquelle, Vermittler und Berater.

Im Mittelpunkt der Konzeptentwicklung stehen folgende Themen:

  1. Waste-to-Energy-Technologien (Energetische Nutzung von Abfall)
    Partnern in Entwicklungs- und Schwellenländern werden von Entsorgungsunternehmen seit einigen Jahren verstärkt Technologien für die energetische Verwertung von Abfällen angeboten, auch mit der Begründung, dass damit Klimaschutzpotenziale genutzt werden können. Das Vorhaben unterstützt Entscheidungsträger bei der Wahl von angepasster Waste-to-Energy-Technologie sowie bei der Bewertung von Angeboten.
  2. Vermeidung von Abfalleintrag in Gewässer (Marine Litter)
    Verschiedene nationale Politikinstrumente werden im Hinblick auf ihren Nutzen zur Verringerung des Abfalleintrags in Gewässer untersucht und ihre ökonomischen, ökologischen und sozialen Auswirkungen modelliert. Das Programm erarbeitet aus diesen Ergebnissen Empfehlungen zu geeigneten politischen Vorgehensweisen und zeigt Möglichkeiten zu deren Umsetzung auf.
  3. Elektronikabfälle
    Erfahrungen in der Politikberatung und der Umsetzung von Aktivitäten zum Management von Elektronikschrott werden aufgearbeitet und in internationale Gremien und Prozesse eingespeist. Aufbauend auf laufenden Aktivitäten werden gemeinsam mit Projekten der Entwicklungszusammenarbeit neue Sammel- und Entsorgungskonzepte entwickelt und realisiert.
  4. Ökonomische Instrumente
    Für lokale und nationale Verwaltungen entstehen durch die Abfallwirtschaft erhebliche Kosten. Um sie zu reduzieren oder effektiv und sozialverträglich zu decken, müssen die Kosten zunächst transparent gemacht werden. Neben klassischen Finanzierungsmöglichkeiten, beispielsweise Gebührensystemen, bearbeitet das Beratungsprojekt verstärkt ökonomische Anreizsysteme zur Vermeidung oder zum Recycling von Abfällen. Konzepte wie die Produktbesteuerung, Pfandsysteme oder Nutzergebühren rücken hier in den Fokus.

Ergänzend werden Beiträge der Abfallwirtschaft zu Stadtentwicklung und Klimaschutz entwickelt. Im internationalen Austausch werden die deutschen Erfahrungen in der Abfallwirtschaft außerdem in die Diskussion um die Nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen den Themenkomplex Wasser-Energie-Ernährungssicherung sowie in Initiativen anderer Geber und internationaler Organisationen eingebracht.

Wirkungen

Die Ergebnisse der Analysen und die daraus resultierenden Handlungsempfehlungen nutzen Projekte der deutschen Entwicklungszusammenarbeit in ihrem Arbeitsalltag. Dabei profitieren sie von der fach- und themenübergreifenden Herangehensweise des Beratungsprojektes.

Das Stadtentwicklungsvorhaben „Modernisierung kommunaler Dienste“ im Kosovo nutzt beispielsweise die bereits erarbeiteten Richtlinien zu Betreibermodellen für die Strukturierung der dortigen Abfallwirtschaft. Gemeinsam mit dem Beratungsprojekt entstand in Kosovo ein Trainingsmodul, mit dem die Mitarbeiter in Behörden und Abfallentsorgungsbetrieben fortgebildet werden. Ähnliches ist für weitere Länder in Planung.

erschienen am: 2019-05-28 im europaticker



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