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Gießen/Lahntal-Kernbach: Eintauchen in die Welt von Äsche und Nase

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Teilprojekt des EU-LIFE Projekts „Living Lahn“

Nase und Äsche sind Fischarten, die an der Oberen Lahn selten geworden und sogar teilweise verschwunden sind. Dies wirkt sich negativ auf das Ökosystem der Lahn aus. Während der „14. Naturschutz-Erlebnistage Hessen“ stellten Experten des Regierungspräsidiums Gießen und der Bürgergemeinschaft für fisch-und gewässerökologische Studien (bfs) ein EU-gefördertes Projekt vor. Mit den „Maßnahmen zur Stützung der Bestände der kieslaichenden Fischarten Äsche und Nase in der Oberen Lahn“ soll vor allem eines erreicht werden: das Ermitteln der Ursachen für den Rückgang der Äsche.

Eine ergänzende Maßnahme - finanziert aus Landesmitteln - ist die Wiederherstellung der gewässerökologischen Durchgängigkeit, also die Möglichkeit für einen barrierefreien Frischverkehr am Lahnwehr in Lahntal-Kernbach. „Die errichtete Fischaufstiegsanlage und die im Umfeld durchgeführten Renaturierungsmaßnahmen sind wichtige Bausteine, um die Obere Lahn ökologisch aufzuwerten“, berichtet Karin Ohm-Winter, Abteilungsleiterin beim RP Gießen, direkt am Flussufer.

Mit Maßnahmen zur Renaturierung soll sich die Population von Äschen und Nasen wieder erholen. „Durch den Bau der Fischaufstiegsanlage sind jetzt lahnaufwärts gelegene Lebensräume für die Wasserbewohner wieder erreichbar“, beschreibt Anika May, Umweltexpertin vom RP Gießen, die bisher umgesetzten Baumaßnahmen. Zuvor war der Weg für die Fische durch das Kernbacher Wehr unpassierbar.

Warum gibt es gerade an der oberen Lahn überhaupt ein EU-Projekt? Die obere Lahn mit ihren Kiesbänken ist nach dem typischen Leitfisch dieser Flussregion benannt: der Äsche (Thymallus thymallus). „Doch die kommt dort leider immer seltener vor. Der Äschenbestand ist seit einigen Jahren stark rückläufig“, erklärt der Fischereiökologe Dr. Dirk Hübner vom beauftragten Büro bfs aus Marburg. Die Nase (Chondrostoma nasus) ist seit den 1960er Jahren in der Oberen Lahn ausgestorben und soll wiederangesiedelt werden. Beide Fischarten brauchen kiesigen Untergrund, wie er in der oberen Lahn vorkommt, um sich vermehren zu können. Außerdem ist eine durchgängige Lahn nötig, damit sich die Fische in weiteren Teilen des Flusses ausbreiten können.

Eine mittlerweile bewachsene und dadurch verfestigte Kiesbank unterhalb des Kernbacher Wehres wurde zum Beispiel so aufgearbeitet, dass bei Hochwasser das Kiesbett umgewälzt und selbst gereinigt wird. Ein Nebeneffekt ist, dass dadurch das Abflussprofil eines nahegelegenen historischen Brückenbauwerks wieder geöffnet wurde und die Ortslage Kernbach vor Hochwasser geschützt wird. Neue Rinnen im Gewässer sorgen für unterschiedliche Strömungsverhältnisse. Sogenannte Fischunterstände aus Holzstämmen bieten insbesondere den Fischen Schutz vor Fressfeinden und dienen in Kombination mit Vertiefungen (Gumpen) in den Wintermonaten als Unterstand. Flachwasserzonen an den Kiesbänken sind Lebensräume für Jungfische. So ist es gelungen, die Strukturvielfalt für Fische und andere Wasserlebewesen wie etwa Insektenlarven wiederherzustellen und damit eine Erholung des Bestandes seltener Fischarten zu ermöglichen. Die Maßnahme wurde während der Bauphase naturschutzfachlich und gewässerökologisch begleitet.

Im EU-LIFE-Projekt „Lebendige Lahn“, das seit 2015 auf zehn Jahre angelegt ist, werden durch Projektpartner aus den Ländern Hessen und Rheinland-Pfalz sowie dem Bund zahlreiche Maßnahmen initiiert und umgesetzt, um die Lahn ökologisch aufzuwerten. So werden in einem Teilprojekt zwischen Biedenkopf und Marburg Untersuchungen und Rettungsmaßnahmen für die beiden Fischarten Äsche und Nase durchgeführt. Dafür wird die Qualität des Gewässerbodens sowie Auswirkungen von Renaturierungsmaßnahmen untersucht. Regionale Populationen von Nasen werden gezüchtet und wiederangesiedelt – was in diesem Jahr bereits zum dritten Mal umgesetzt wird. Die Bestandsentwicklung von Äsche und Nase wird außerdem ständig kontrolliert und der Einfluss des Kormorans auf den Fischbestand erforscht.
Weitere Informationen zu dem EU-LIFE Projekt „Living Lahn“ sind hier zu finden. Weitere Informationen über die Hessischen Naturschutz-Erlebnistage finden Sie hier.

Bild: Eine Informationstafel am Kernbacher Wehr informiert über die Maßnahmen des EU-LIFE Projekts „Living Lahn“. Im Hintergrund: die historische Kernbacher Brückenkonstruktion. © RP Gießen

erschienen am: 2019-06-10 im europaticker



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