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99 Prozent des von Henkel im Konsumgüterbereich eingesetzten Rezyklats ist Pre-Consumer-Rezyklat (PCR)

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DUH kritisiert zweifelhaftes Recyclingverständnis des Wasch- und Reinigungsmittelherstellers Henkel

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) warnt in einer Pressemeldung vor irreführenden Tricksereien von Herstellern und Händlern bei der Angabe verwendeter Recyclingmaterialien in Verpackungen und Produkten. Anlass für diese Warnung sei ein aktuell bekannt gewordener Fall des Wasch- und Reinigungsmittelherstellers Henkel, bei dem Toilettensteinkörbchen gegenüber Verbrauchern als zu 100 Prozent aus recyceltem Kunststoff beworben wurden. Für die Herstellung des WC-Körbchens wurde jedoch gar kein Recyclingmaterial aus bereits verwendeten Verpackungen oder Produkten eingesetzt, sondern Produktionsreste aus der Industrie. Bei der von den Wettbewerber und der DUH bemängelten Produktwerbung handle es sich um einen Bestandteil einer einzelnen Produktvariante aus dem gesamten Portfolio, räumt der Konzern ein.

Dem von der Deutschen Umwelthilfe (DUH) erhobenen Vorwurf der irreführenden Verbrauchertäuschung beim Einsatz von Rezyklat in Produktverpackungen von Henkel weisen wir entschieden zurück, heißt es in einer Stellungnahme für Europaticker. Bei Rezyklat würde zwischen zwei Arten unterschieden: Post Consumer Rezyklat (PCR = Endverbraucher-Plastikabfälle, zum Beispiel wiederverwertete PET-Flaschen) und Pre-Consumer-Rezyklat (auch Post Industrial Rezyklat/ PIR genannt = aufbereiteter Plastikabfall, der bei der industriellen Produktion bei Dritten entsteht).

Die Definition von Rezyklat folge immer verbindlichen Richtlinien, an die der Konzern sich vollumfänglich halte, wie z.B. DIN-Norm oder Industrievorgaben des europäischen Verbands für Seifen, Wasch-, Reinigungs- und Pflegemittel AISE. "Aufbereiteter Plastikabfall aus Herstellungsprozessen Dritter – PIR oder auch Pre-Consumer-Material genannt – ist laut geltender DIN EN ISO 14021 ebenfalls als Rezyklat definiert. Daher ist nach unserer Auffassung auch für dieses Plastik der Begriff „recycelt“ gerechtfertigt. Selbstverständlich verwenden wir für PIR bestimmungsgemäß nur Material aus anderen Industriezweigen" erläutert eine Sprecherin und weiter "Wir sind der Auffassung: Jeder Kunststoff, der wiederverwendet und nicht verbrannt, nicht deponiert wird und nicht in die Umwelt gelangt, leistet einen Beitrag zu einem funktionierende Kreislaufsystem."

Zur Einordung: 99 Prozent des von Henkel im Konsumgüterbereich eingesetzten Rezyklats ist PCR. Nur wenn dieses nicht in notwendiger Qualität oder Menge vorhanden ist, nutzen wir vereinzelt auch PIR. Hier habe die DUH also ein Einzelbeispiel herausgegriffen.

Als globaler Konsumgüterhersteller sei Henkel sich seiner Verantwortung bewusst und habe in seiner Verpackungsstrategie konkrete Ziele gesetzt, die konsequent umgesetzt werde. Unter anderem solle der Anteil an recyceltem Plastik in den Verpackungen von Konsumgüterprodukten in Europa bis 2025 auf 35 Prozent steigen. Gerade in Deutschland habe Henkel schon viele Kunststoffverpackungen umgestellt: Über die Hälfte der in Deutschland verkauften Plastikflaschen im Bereich Wasch- und Reinigungsmittel bestehen aus 100 Prozent PCR.

Nach Einschätzung der DUH sollten Recyclingverpackungen auch tatsächlich Recyclingmaterialien aus vorher verwendeten Verpackungen enthalten, um dem Gedanken eines wirklichen Stoffkreislaufs zu entsprechen. Da Produktionsabfälle hingegen sortenrein anfallen und noch nicht in Verpackungen oder Produkten eingesetzt wurden, sollten diese als Neumaterial gewertet werden. Deren Einsatz gegenüber Verbrauchern als verwendetes Recyclingmaterial zu bewerben, hält der Umwelt- und Verbraucherschutzverband für irreführend.

Es kann nicht sein, dass Unternehmen wie Henkel bei der Angabe von Recyclinganteilen in ihren Verpackungen und Produkten tricksen. Verbraucher erwarten, dass aus den von ihnen im gelben Sack gesammelten Verpackungen wieder Recyclingstoffe hergestellt werden, die wiederum zur Herstellung neuer Waren eingesetzt werden. Wird bei verkauften Verpackungen dieser Eindruck erweckt, ohne dass es den Tatsachen entspricht, werden wir rechtlich dagegen vorgehen“, sagt die Stellvertretende DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz.

Um aus bereits verwendeten Verpackungen, die über den gelben Sack gesammelt werden, Recyclingmaterial zu gewinnen, muss ein großer technischer Aufwand betrieben werden. Das aus alten Verpackungen und Produkten zurückgewonnene Recyclingmaterial mit sortenrein anfallenden Produktionsabfällen, wie zum Beispiel Stanzresten, gleichzusetzen, täuscht falsche Tatsachen vor.

Warum der Einsatz von Produktionsabfällen mit dem normalen Recyclingverständnis nicht viel zu tun hat, lässt sich am Beispiel des Plätzchenbackens besonders anschaulich erklären. Wenn beim Ausstechen von Plätzchen noch Teig übrigbleibt, dann kann man aus den Resten zwar neue Plätzchen herstellen, aber es ist immer noch derselbe Teig. Den verwendeten Restteig dann als Recyclingteig zu bewerben wäre nicht richtig, weil es sich immer noch um dieselben Ausgangsmaterialien handelt. Ebenso verhält es sich mit Kunststoffabfällen aus Produktionsprozessen“, erklärt der DUH-Bereichsleiter für Kreislaufwirtschaft Thomas Fischer. Sogenanntes Post-Industrial-Material sollte daher nicht mit Post-Consumer-Material gleichgesetzt werden, das bereits in einer Verpackung oder einem Produkt eingesetzt wurde.

erschienen am: 2019-07-09 im europaticker



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