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Bei sinkenden Ölpreisen geringere Inflation erwartet - Binnennachfrage als Wachstumsmotor in der EU

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Sommerprognose 2019: Wachstumshemmnisse durch externe Faktoren

Die kurzfristigen Aussichten für die europäische Wirtschaft werden von externen Faktoren wie weltweiten Handelsspannungen und erheblicher politischer Unsicherheit überschattet. Diese Situation belastet nach wie vor das Unternehmervertrauen im verarbeitenden Gewerbe, das von der Entwicklung des Welthandels am stärksten abhängig ist, und dürfte die Wachstumsaussichten für das verbleibende Jahr schwächen. Zu diesem Ergebnis kommt die EU-Kommission in ihrer heute (Mittwoch) vorgestellten Wirtschaftsprognose für den Sommer 2019. Dennoch ist für die Wirtschaft in Europa im Jahr 2019 zum siebten Mal in Folge mit einem Zuwachs zu rechnen, was auf sämtliche Mitgliedstaaten zutreffen dürfte.

Im ersten Quartal des Jahres fiel das Wachstum im Euro-Währungsgebiet stärker als erwartet aus. Dies war auf eine Reihe temporärer Faktoren zurückzuführen, beispielsweise den milden Winter und eine Erholung bei den Automobilverkäufen. Wachstumsfördernd waren auch haushaltspolitische Maßnahmen, durch die das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte in mehreren Mitgliedstaaten anstieg.

Die Prognose für das BIP-Wachstum im Euro-Währungsgebiet im Jahr 2019 liegt unverändert bei 1,2 Prozent, während die Prognose für 2020 angesichts des für die restlichen Monate dieses Jahres erwarteten moderateren Tempos leicht auf 1,4 Prozent gesenkt wurde (Frühjahrsprognose: 1,5 Prozent). Die BIP-Prognose für die EU insgesamt bleibt mit 1,4 Prozent im Jahr 2019 und 1,6 Prozent im Jahr 2020 unverändert.

Valdis Dombrovskis, Vizepräsident der Kommission, zuständig für den Euro und den sozialen Dialog sowie für Finanzstabilität, Finanzdienstleistungen und die Kapitalmarktunion erklärte dazu: „Alle Volkswirtschaften in der EU dürften in diesem und dem nächsten Jahr weiter wachsen, auch wenn der kräftigen Expansion in Mittel- und Osteuropa eine Konjunkturverlangsamung in Deutschland und Italien gegenübersteht. Eine anhaltende Schwäche im verarbeitenden Gewerbe, die auf handelspolitische Spannungen und politische Ungewissheit zurückzuführen ist, stellt die Widerstandsfähigkeit unserer Volkswirtschaften auf die Probe. In der Binnenperspektive birgt ein Brexit ohne Abkommen nach wie vor erhebliche Risiken.“

„Die europäische Wirtschaft setzt ihre Expansion in einem schwierigen globalen Kontext fort. Alle EU-Länder dürften sowohl 2019 als auch 2020 wieder ein Wachstum verzeichnen; der robuste Arbeitsmarkt stützt dabei die Nachfrage. Angesichts der zahlreichen Risiken, mit denen die Prognose behaftet ist, müssen wir unsere Anstrengungen zur Stärkung der Widerstandskraft unserer Volkswirtschaften und des Euroraums insgesamt intensivieren“ , ergänzte Pierre Moscovici , EU-Kommissar für Wirtschafts- und Finanzangelegenheiten, Steuern und Zoll, der die Sommerprognose heute in Brüssel im Rahmen einer Pressekonferenz vorgestellt hat.

Binnennachfrage als Wachstumsmotor in der EU

Während das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr zunächst von verschiedenen vorübergehenden Faktoren profitierte, fallen die Aussichten für das restliche Jahr schwächer aus. Eine rasche Erholung in der Fertigung weltweit und beim globalen Handel ist nämlich unwahrscheinlicher geworden. Für 2020 wird ein kräftigeres BIP-Wachstum prognostiziert, was zum Teil auf eine höhere Zahl von Arbeitstagen zurückzuführen ist. Die Binnennachfrage, insbesondere der Konsum der privaten Haushalte, ist weiterhin ein Motor für das Wachstum in Europa, der durch die anhaltende Robustheit des Arbeitsmarkts zusätzlich angetrieben wird. Das BIP wird den Prognosen zufolge in diesem und im nächsten Jahr in allen EU-Mitgliedstaaten zunehmen. In einigen Gebieten (wie in Mittel- und Osteuropa, Malta und Irland) dürfte das Wachstum allerdings bedeutend stärker ausfallen als beispielsweise in Italien und Deutschland.

Bei sinkenden Ölpreisen geringere Inflation erwartet

Die Inflationsprognosen für das Euro-Währungsgebiet und die EU wurden für dieses und das nächste Jahr um 0,1 Prozentpunkte gesenkt. Dies ist in erster Linie den niedrigeren Ölpreisen und den etwas schwächeren Wirtschaftsaussichten geschuldet. Gemessen am Harmonisierten Verbraucherpreisindex wird nun sowohl für 2019 als auch für 2020 mit einer Teuerung im Eurogebiet von durchschnittlich 1,3 Prozent gerechnet (Frühjahrsprognose: 1,4 Prozent für 2019 und 2020). Für die EU wird für 2019 eine Inflation von durchschnittlich 1,5 Prozent und für 2020 von 1,6 Prozent vorhergesagt (Frühjahrsprognose: 1,6 Prozent für 2019 und 1,7 Prozent für 2020).

Abwärtsrisiken nehmen zu

Die Risiken, mit denen die weltweiten Wirtschaftsaussichten behaftet sind, bleiben stark miteinander verknüpft und weisen hauptsächlich nach unten. Wenn sich die wirtschaftspolitische Konfrontation zwischen den Vereinigten Staaten und China ausweitet, könnte sich bei der mit großen Unsicherheiten verbundenen US-Handelspolitik der derzeitige Abwärtstrend im Welthandel und im verarbeitenden Gewerbe weltweit fortsetzen und auf andere Regionen und Sektoren durchschlagen. Dies könnte sich negativ auf die Weltwirtschaft auswirken und auch zu Störungen am Finanzmarkt führen. Zusätzlich erhöhen Spannungen im Nahen und Mittleren Osten das Potenzial für erhebliche Ölpreissteigerungen. Innerhalb der EU ist ein Brexit ohne Abkommen nach wie vor ein erheblicher Unsicherheitsfaktor. Schließlich unterliegen auch die Triebkräfte des kurzfristigen Wachstums und die wirtschaftliche Dynamik im Euro-Währungsgebiet großen Risiken. Sollte die Schwäche im verarbeitenden Gewerbe anhalten, könnte sie zusammen mit dem geringen Unternehmervertrauen auf andere Sektoren übergreifen und die Arbeitsmarktbedingungen sowie den privaten Konsum und letztlich das Wirtschaftswachstum beeinträchtigen.

Rein technische Annahme für das Vereinigte Königreich

Mit Blick auf den Prozess des Austritts des Vereinigten Königreichs aus der EU stützen sich die Prognosen für 2019 und 2020 erneut auf eine rein technische Annahme des Status quo bezüglich der Handelsströme zwischen der EU-27 und dem Vereinigten Königreich. Diese Annahme dient ausschließlich Prognosezwecken und hat keinen Einfluss auf künftige Verhandlungen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich.

Hintergrund

Diese Prognose basiert auf einer Reihe technischer Annahmen über Wechselkurse, Zinssätze und Rohstoffpreise mit Stichtag 28. Juni. Bei allen weiteren eingehenden Daten werden in dieser Prognose Informationen bis zum 2. Juli berücksichtigt.

Die Kommission veröffentlicht jedes Jahr vier Wirtschaftsprognosen. Die Winter- und Sommer-Prognosen enthalten lediglich jährliche und vierteljährliche BIP- und Inflationsdaten für das laufende Jahr und das Folgejahr für alle Mitgliedstaaten und den Euroraum sowie die aggregierten Angaben für die EU insgesamt.

Die nächste Wirtschaftsprognose der Europäischen Kommission wird die Herbstprognose im November 2019 sein.

erschienen am: 2019-07-10 im europaticker



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