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Das Abfallaufkommen in Österreich lag bei knapp 60 Mio. Tonnen
Davon waren gut 57 Mio. Tonnen Primärabfälle, der Rest (Sekundärabfälle)

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Größtes Abfallvermeidungspotential bei Lebensmitteln und im Bau

Österreich steht zwar in der EU bei der Recyclingrate hinter Deutschland an der zweiten Stelle, aber in der Abfallwirtschaft gibt es weiterhin Handlungsbedarf, insbesondere bei Lebensmitteln und im Baubereich. Das Umweltressort des BMNT (Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus) stützt sich im Bundesabfallwirtschaftsplan 2017 im Sinne der Ressourcenschonung, des Umweltschutzes und der Schadstoffminimierung auf die Abfallhierarchie (Vermeiden, Wiederverwenden, Recyceln, sonstig Verwerten, Beseitigen). (Quelle: Parlamentskorrespondenz)

Insgesamt bietet der gut 600 Seiten umfassende Bericht zum Bundesabfallwirtschaftsplan 2017 einen detaillierten Einblick in die österreichische Abfallwirtschaft: rechtliche Rahmenbedingungen, Bestandsaufnahmen zu Abfallströmen und –aufkommen und daraus abgeleitete konkrete Maßnahmen.

Im Jahr 2015 lag das Abfallaufkommen in Österreich bei knapp 60 Mio. Tonnen. Davon waren gut 57 Mio. Tonnen Primärabfälle, der Rest (Sekundärabfälle) entstand durch die Behandlung dieses Mülls, etwa Aschen aus der Abfallverbrennung. Die Ursache dafür, dass die Primärabfälle seit 2009 um 10,4 % angestiegen sind, liegt dem Ministerium zufolge vor allem im Bauwesen, insbesondere wegen der steigenden Mengen an Aushubmaterialien, aber auch anderen Faktoren. Der Hausmüll ist ebenfalls, aber weniger angestiegen, nämlich um 6,8 %, das sind über 4 Mio. Tonnen. Es wurden außerdem mehr Altstoffe und biogene Abfälle getrennt gesammelt. Gesunken ist das Sperrmüllaufkommen.

Auf Grundlage der voraussichtlichen Entwicklung des Bruttosozialprodukts und des Bevölkerungswachstums wird für 2021 ein Gesamtabfallvolumen von rund 65,1 Mio. Tonnen erwartet. Die 2.500 Abfallbehandlungsanlagen, die es derzeit in Österreich gibt, könnten nach der Einschätzung des Ministeriums auch mit dieser Menge zurechtkommen. Von diesen Anlagen sind 999 Deponien, 420 Behandlungsanlagen für Baurestmassen, 401 Kompositierungsanlagen und 152 Biogasanlagen.

Seit 2011 wurden im Re-Use und vor allem bei der Vermeidung von Lebensmittelabfällen Fortschritte erzielt. Die Lebensmittelverschwendung soll bis 2030 um die Hälfte zurückgehen, hier besteht weiterhin Handlungsbedarf. Ein Vorschlag ist ein Gütesiegel für jene Unternehmen, die Lebensmittel an soziale Einrichtungen weitergeben. Mit Informationskampagnen – zum Beispiel mit Aufklärung zur Genussfähigkeit von Lebensmitteln über das Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus – sollen die privaten Haushalte, Landwirtschaft, Betriebe und Bildungseinrichtungen erreicht werden.

Im zweiten Bereich mit Handlungsbedarf, dem Bau, besteht Informationsmangel, etwa bei der Verlängerung der Lebensdauer von Gebäuden und dem Urban Mining, bei dem menschengemachte Rohstofflagerstätten, etwa Elektroschrot, identifiziert werden. Baurestmassen sollen vermieden werden und die Entwicklung langlebigerer, reparaturfähiger und leichter wiedernutzbarer Produkte mit niedrigem Schadstoffgehalt.

Leicht zurückgegangen ist auch der kommunale Klärschlamm, der in Kläranlagen vom Abwasser getrennt wird, nämlich um 1,8 % von 2014 bis 2015. Mikroplastik im Klärschlamm ist mit hoher Wahrscheinlichkeit mitverantwortlich für die Plastikverschmutzung der Meere. Deshalb empfehlen die ExpertInnen im Bundesabfallwirtschaftsplan, beim Umgang mit Klärschlamm besonders umsichtig zu sein. Zum Düngen in der Landwirtschaft sei er nicht geeignet, auch wenn der enthaltene Phosphor ein wichtiger Bestandteil von Düngemitteln ist. Aktuell wird mehr als die Hälfte der kommunalen Klärschlämme verbrannt. Das Umweltressort rät dazu, die Verwendung von Mikroplastik in Kosmetika europaweit einzuschränken. KonsumentInnen können schon jetzt beim Kauf darauf achten, dass ihre Kosmetikprodukte kein Mikroplastik enthalten. Die produzierende Industrie ist angehalten, hier Verantwortung zu übernehmen.

Auch wenn Österreich im Recycling überwiegend vorbildlich ist, muss es sich bei den Verpackungsabfällen, Altautos und Elektrogeräten noch steigern. Auch beim nachhaltigen Phosphorrecycling aus Klärschlamm und bei Tiermehl gibt es reichlich Luft nach oben.

Jene Stoffe, die nicht mehr fürs Recycling geeignet sind, sollen möglichst ressourcenschonend genutzt werden, etwa als Brennstoffsubstitut in der Industrie. Damit wird Abfall nicht nur beseitigt, sondern auch andere Brennstoffe und dadurch ein Teil der klimaschädlichen Emissionen eingespart. Außerdem sind diese Stoffe günstiger und machen Österreich weniger abhängig von importierten Brennstoffen.

Auf der fünften Stufe der Abfallhierarchie bleibt idealerweise nur noch das übrig, was sich unter den gegebenen Umständen nicht vermeiden lässt, etwa die Asche aus der thermischen Verwertung. Die Deponierung bleibt also dennoch unverzichtbar. Aber Asche ist nicht das einzige, was in der Deponie landet. Bei Kunststoffen, der häufig aus verschiedenen, auch schädlichen Stoffen zusammengesetzt sind, ist ein hochwertiges Recycling schwierig. Bei der Verarbeitung von Kunststoffabfällen kommt es häufig zum Zielkonflikt Ressourcenschonung versus Vermeidung von Schadstoffverschleppungen. Nur rund ein Viertel der Kunststoffabfälle wird recycelt.

Um Verschwendungen dieser Art zu vermeiden und da Rohstoffe (besonders in Europa) begrenzt sind, soll in der EU langfristig das Wirtschaftswachstum vom Ressourcenverbrauch entkoppelt werden. Zu diesem Zweck haben die EU-Institutionen im Dezember 2018 das Kreislaufwirtschaftspaket fix beschlossen. Dazu gehört auch die EU-Strategie für Abfallvermeidung und –recycling. Diese kann aber nicht von der Abfallwirtschaft alleine umgesetzt werden, auch die Bevölkerung und die Wirtschaft sind gefordert, zum Beispiel mit Öko-Design, gemeinschaftlicher Nutzung, Reparaturinitiativen und besserer Vernetzung der Produktionsbetriebe mit der Abfallwirtschaft.

Quelle: BMNT, Foto links: Fotograf UBA/Gröger, Foto rechts: Fotograf Christoph Fuchs

erschienen am: 2019-07-11 im europaticker



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