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Wirtschaft und Staat investierten im Jahr 2017 gut 5,6 % des Bruttoinlandsprodukts in Forschung und Entwicklung – ein internationaler Spitzenwert

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Forschungsintensität in Baden-Württemberg erreicht neuen Rekordwert

Nach Feststellung des Statistischen Landesamtes stiegen im Jahr 2017 die Ausgaben für Forschung und Entwicklung (FuE) in den Forschungsstätten der Wirtschaft, an den Hochschulen und in den öffentlich geförderten FuE-Einrichtungen außerhalb der Hochschulen (Staatssektor) in Baden-Württemberg auf ein neues Rekordniveau von insgesamt rund 27,9 Mrd. Euro.1 Gegenüber dem Jahr 2015 entspricht dies einem nominalen Zuwachs von rund 5,2 Mrd. Euro bzw. einer Steigerung der FuE-Ausgaben um beachtliche 23 %. Die Mittel wurden für Sachaufwendungen, Investitionen und personelle FuE-Ressourcen eingesetzt. Dabei wurde das Forschungspersonal, gemessen in Vollzeitäquivalenten (VZÄ), im betrachteten Zeitraum um rund 20 000 auf 171 100 VZÄ ebenfalls weiter aufgebaut, der Anstieg gegenüber 2015 betrug damit rund 13 %.

Die FuE-Intensität – der Anteil der FuE-Ausgaben bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt (BIP) – erhöhte sich durch die enorme Steigerung der FuE-Ausgaben in Baden-Württemberg gegenüber dem Jahr 2015 um beachtliche 0,7 Prozentpunkte und kletterte damit im Jahr 2017 auf ein neues Rekordniveau von 5,6 % – ein internationaler Spitzenwert. Baden-Württemberg wies 2017 somit unter allen Bundesländern die mit Abstand höchste Forschungsintensität auf. Im Ranking der Bundesländer folgten mit deutlichem Abstand Berlin (3,4 %), Niedersachsen (3,1 %) und Bayern (3,1 %). Bundesweit betrug die Forschungsintensität 3,0 %.

Der Südwesten verzeichnete im Bundesländervergleich auch den größten Zuwachs bei den absoluten FuE-Ausgaben und beim FuE-Personal und baute damit seine Spitzenposition weiter aus. Inzwischen finden deutlich über ein Viertel der deutschlandweiten FuE-Aktivitäten in Baden-Württemberg statt (2017: 28 %, 2015: 26 %). Insgesamt wurden im Jahr 2017 in Deutschland 99,6 Mrd. Euro für Forschung und Entwicklung aufgewendet. Damit stemmt Baden-Württemberg zusammen mit Bayern 47 % der gesamten FuE-Investitionen in Deutschland.

Grenke: BW mit 27,9 Mrd. € FuE-Ausgaben Spitzenreiter im Bund – Wirtschaft stemmt den Löwenanteil und bleibt damit der Innovationsmotor
„Baden-Württemberg zeigt mit dem Rekordwert von 5,6 Prozent bei der FuE-Intensität (Anteil der Ausgaben für Forschung und Entwicklung (FuE) am Bruttoinlandsprodukt) eindrucksvoll, dass wir damit nicht nur im Bund, sondern auch international Spitze sind “, so Wolfgang Grenke, Präsident des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertags (BWIHK). „Vor allem unsere Wirtschaft trägt entscheidend hierzu bei, denn deutlich über 80 Prozent der FuE-Investitionen im Land schultern die Unternehmen – mehr als in jedem anderen Bundesland. Grenke gibt trotz dieser erfreulichen Ergebnisse zu bedenken: „Das positive Bild darf uns nicht von den Herausforderungen ablenken, die auch von der Digitalisierung ausgehen. „Die jüngste BWIHK-Erhebung zur FuE unserer Unternehmen zeigt, dass das Engagement mit der Größe der Betriebe variiert. Während bei größeren Unternehmen (>249 Mitarbeiter) neun von zehn FuE betreiben, haben bei den kleinen und mittleren Betrieben (KMU) rund ein Drittel (10 bis 249 Mitarbeiter) bis über die Hälfte (<10 Mitarbeiter) keine FuE. Insgesamt verschenken wir so bei den KMU nach wie vor Innovationspotenzial“, stellt Präsident Grenke fest.  

Sinnvolle Maßnahmen, dies zu ändern, gibt es: „Beispielsweise gilt es, die einzelbetriebliche Innovationsförderung für KMU weiter zu stärken, etwa durch den Ausbau der Innovationsgutscheine des Landes mit einem Gutschein mit höherer Fördersumme (z.B. 40.000 Euro). Denn die weiter vorhandene Förderlücke zum ZIM-Programm des Bundes muss geschlossen werden. Auch müssten, zur Erhöhung der Breitenwirkung, die Gutscheine für Unternehmen mit bis zu 249 Mitarbeitern statt bislang 100 zugänglich sein“, so Grenke. „Zusätzlich sollte der im Entwurf des operationellen Programms EFRE Baden-Württemberg 2021-2027 enthaltene Vorschlag einer einzelbetrieblichen Förderung für Entwicklungskosten von Unternehmen mit bis zu 249 Mitarbeitern ebenfalls umgesetzt werden.“

Abschließend mahnt der BWIHK-Präsident: „Ein entscheidender Faktor ist auch die weitere Stärkung der Verknüpfung zwischen wissenschaftlicher Forschung und Wirtschaft, um Forschungserkenntnisse schnell in ökonomische Erfolge umwandeln zu können.  Wichtig dafür ist, dass das Forschungswissen noch leichter bei den Unternehmen ankommt. Gleichzeitig muss der wirtschaftsseitig getriebene Transfer, etwa durch die IHK-Innovationsberater und die vom Land geförderten Technologietransfermanager bei einigen IHKs, noch besser bei der Wissenschaft »andocken« können. Dafür braucht es auch an den Hochschulen entsprechende Technologietransfermanager mit Schwerpunkt auf KMU. Denn klar ist, nur durch Innovation lässt sich wirtschaftliches Wachstum sichern.“

Der Anteil dieser FuE-Ausgaben in Baden-Württemberg an den FuE-Ausgaben der Wirtschaft in Deutschland insgesamt belief sich auf stattliche 34 %. Mit einem Anteil von 21 % folgt Bayern auf Rang zwei. Auf diese beiden süddeutschen Bundesländer entfallen damit mehr als die Hälfte der gesamtdeutschen FuE-Ressourcen der Wirtschaft.

1 Die Daten des Staats- und Hochschulsektors werden jährlich vom Statistischen Bundesamt bzw. von den Statistischen Landesämtern und die des Wirtschaftssektors im zweijährigen Turnus von der Wissenschaftsstatistik GmbH im Stifterverband auf Bundesländerebene erhoben. Aus diesem Grund werden die aktuell vorliegenden Daten aus dem Jahr 2017 mit den Daten des Jahres 2015 verglichen.

Schaubild 1: FuE-Intensität in den Bundesländern 2017 nach SektorenSchaubild 1: FuE-Intensität in den Bundesländern 2017 nach SektorenTabelle 1
FuE-Intensität*) in den Bundesländern 2017 nach durchführenden Sektoren
Bundesland Insgesamt Davon
Wirtschaftssektor Staatssektor Hochschulsektor
in %

*) FuE-Ausgaben bezogen auf das nominale Bruttoinlandsprodukt (BIP). BIP Berechnungsstand: August 2018 / Februar 2019, Rundungsdifferenzen.

Datenquellen: Stifterverband Wissenschaftsstatistik, Statistisches Bundesamt, Arbeitskreis "Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder".

© Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, 2019

Baden-Württemberg 5,6 4,7 0,4 0,5
Bayern 3,1 2,3 0,3 0,4
Berlin 3,4 1,4 1,2 0,9
Brandenburg 1,7 0,6 0,7 0,4
Bremen 2,8 0,9 1,1 0,8
Hamburg 2,1 1,2 0,4 0,5
Hessen 2,9 2,2 0,3 0,4
Mecklenburg-Vorpommern 1,8 0,6 0,6 0,6
Niedersachsen 3,1 2,2 0,4 0,5
Nordrhein-Westfalen 2,1 1,2 0,3 0,6
Rheinland-Pfalz 2,4 1,8 0,2 0,5
Saarland 1,7 0,9 0,4 0,5
Sachsen 2,8 1,2 0,8 0,8
Sachsen-Anhalt 1,5 0,4 0,5 0,6
Schleswig-Holstein 1,5 0,8 0,3 0,4
Thüringen 2,2 1,1 0,5 0,6
Deutschland 3,0 2,1 0,4 0,5
Tabelle 2
FuE-Ausgabenintensität*) in ausgewählten Ländern seit 2007
Land 2007 2009 2011 2013 2015 2017
%

*) FuE-Ausgaben insgesamt bezogen auf das nominale Bruttoinlandsprodukt. Für Baden-Württemberg und Deutschland Berechnungsstand August 2018 / Februar 2019.

 

 

Datenquellen: Eurostat Stand Juni 2019, Statistisches Bundesamt, Arbeitskreis "Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder".

© Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, 2019

Baden-Württemberg 4,2 4,6 4,8 4,8 4,9 5,6
EU-28 1,8 1,9 2,0 2,0 2,0 2,1
Belgien 1,8 2,0 2,2 2,3 2,5 2,6
Bulgarien 0,4 0,5 0,5 0,6 1,0 0,8
Dänemark 2,5 3,1 2,9 3,0 3,1 3,1
Deutschland 2,5 2,7 2,8 2,8 2,9 3,0
Estland 1,1 1,4 2,3 1,7 1,5 1,3
Finnland 3,4 3,8 3,6 3,3 2,9 2,8
Frankreich 2,0 2,2 2,2 2,2 2,3 2,2
Griechenland 0,6 0,6 0,7 0,8 1,0 1,1
Irland 1,2 1,6 1,6 1,6 1,2 1,1
Italien 1,1 1,2 1,2 1,3 1,3 1,4
Kroatien 0,8 0,8 0,8 0,8 0,8 0,9
Lettland 0,6 0,5 0,7 0,6 0,6 0,5
Litauen 0,8 0,8 0,9 1,0 1,0 0,9
Luxembourg 1,6 1,7 1,5 1,3 1,3 1,3
Malta 0,6 0,5 0,7 0,8 0,7 0,5
Niederlande 1,7 1,7 1,9 1,9 2,0 2,0
Österreich 2,4 2,6 2,7 3,0 3,1 3,2
Polen 0,6 0,7 0,8 0,9 1,0 1,0
Portugal 1,1 1,6 1,5 1,3 1,2 1,3
Rumänien 0,5 0,4 0,5 0,4 0,5 0,5
Schweden 3,3 3,5 3,3 3,3 3,3 3,4
Slowakische Republik 0,5 0,5 0,7 0,8 1,2 0,9
Slowenien 1,4 1,8 2,4 2,6 2,2 1,9
Spanien 1,2 1,4 1,3 1,3 1,2 1,2
Tschechische Republik 1,3 1,3 1,6 1,9 1,9 1,8
Ungarn 1,0 1,1 1,2 1,4 1,4 1,4
Vereinigtes Königreich 1,6 1,7 1,7 1,6 1,7 1,7
Zypern 0,4 0,4 0,5 0,5 0,5 0,6
Island 2,6 2,6 2,4 1,7 2,2 2,1
Norwegen 1,6 1,7 1,6 1,7 1,9 2,1
Türkei 0,7 0,8 0,8 0,8 0,9 1,0
Russland 1,0 1,2 1,0 1,0 1,1 .
USA 2,6 2,8 2,8 2,7 2,7 2,8
China 1,4 1,7 1,8 2,0 2,1 2,1
Japan 3,3 3,2 3,2 3,3 3,3 3,2
Südkorea 3,0 3,3 3,7 4,2 4,2 4,6
Tabelle 3
FuE-Ausgaben in den Bundesländern nach durchführenden Sektoren
Bundesland Insgesamt Davon
Wirtschaftssektor Staatssektor Hochschulsektor
2015 2017 2015 2017 2015 2017 2015 2017
Mill. Euro

1) Einschließlich nicht aufteilbarer Angaben.

Datenquellen: Stifterverband Wissenschaftsstatistik, Statistisches Bundesamt.

© Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, 2019

Baden-Württemberg 22.733 27.910 18.511 23.330 1.894 2.019 2.328 2.561
Bayern 17.359 18.704 13.360 14.178 1.715 1.890 2.284 2.637
Berlin 4.411 4.758 1.819 1.908 1.481 1.661 1.111 1.189
Brandenburg 1.092 1.195 397 405 464 524 231 266
Bremen 873 909 318 291 340 364 215 254
Hamburg 2.423 2.500 1.365 1.438 499 442 559 620
Hessen 7.403 8.182 5.643 6.176 631 783 1.129 1.222
Mecklenburg-Vorpommern 753 785 240 253 251 279 262 253
Niedersachsen 8.867 8.928 6.504 6.329 992 1.057 1.371 1.542
Nordrhein-Westfalen 12.689 14.336 7.352 8.433 2.059 2.088 3.278 3.815
Rheinland-Pfalz 3.188 3.498 2.423 2.556 209 262 556 680
Saarland 535 619 223 304 131 127 181 188
Sachsen 3.099 3.400 1.346 1.477 884 961 869 961
Sachsen-Anhalt 810 919 212 253 281 313 317 354
Schleswig-Holstein 1.277 1.448 671 774 296 314 309 360
Thüringen 1.183 1.362 569 682 270 300 344 379
Deutschland1) 88.782 99.554 60.952 68.787 12.486 13.484 15.344 17.282
Tabelle 4
FuE-Personal in den Bundesländern nach durchführenden Sektoren
Bundesland Insgesamt Davon
Wirtschaftssektor Staatssektor Hochschulsektor
2015 2017 2015 2017 2015 2017 2015 2017
Vollzeitäquivalente

1) Einschließlich nicht aufteilbarer Angaben.

Datenquellen: Stifterverband Wissenschaftsstatistik, Statistisches Bundesamt.

© Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, 2019

Baden-Württemberg 151.051 171.063 114.018 131.871 15.884 16.344 21.149 22.849
Bayern 125.263 129.889 90.752 93.961 13.735 14.212 20.777 21.717
Berlin 34.785 35.311 13.332 13.252 11.325 11.974 10.128 10.085
Brandenburg 9.889 11.104 3.667 4.379 3.918 4.117 2.304 2.608
Bremen 7.045 7.171 2.520 2.539 2.479 2.530 2.046 2.102
Hamburg 16.176 18.180 8.312 9.895 3.342 3.456 4.522 4.829
Hessen 51.855 55.049 38.890 40.201 4.566 5.306 8.398 9.542
Mecklenburg-Vorpommern 6.005 6.252 1.676 1.809 2.129 2.187 2.200 2.256
Niedersachsen 51.888 53.939 32.254 33.222 8.308 8.324 11.326 12.393
Nordrhein-Westfalen 101.272 107.553 56.694 59.719 17.301 17.444 27.277 30.390
Rheinland-Pfalz 22.084 22.341 15.298 14.980 2.057 2.371 4.729 4.990
Saarland 4.635 5.189 1.950 2.597 1.160 1.118 1.525 1.474
Sachsen 28.628 30.892 12.294 13.421 7.530 7.903 8.805 9.569
Sachsen-Anhalt 7.640 7.884 2.378 2.549 2.588 2.705 2.675 2.631
Schleswig-Holstein 10.708 11.557 5.373 5.905 2.530 2.701 2.805 2.951
Thüringen 11.176 12.101 5.360 6.269 2.450 2.461 3.366 3.371
Deutschland1) 640.516 686.349 404.767 436.571 101.717 106.025 134.032 143.753


erschienen am: 2019-07-11 im europaticker



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