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Ausweisung muss nach naturschutzfachlichen Kriterien erfolgen und forstwirtschaftliche
Nutzung dauerhaft ausschließen

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Freunde über neues Großschutzgebiet an der Donau

Umweltverbände begrüßen die Ankündigung des Bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Markus Söder ein 2.000 Hektar großes Schutzgebiet in den Donauauen zwischen Neuburg und Ingolstadt auszuweisen. Darüber hinaus freuen sich die Naturschützer ebenfalls über die Aufgabe des Profitziels im Staatswald.

Der LBV-Vorsitzende Dr. Norbert Schäffer begrüßt die Ankündigung, 2.000 Hektar Auwald bei Neuburg als Naturmonument auszuweisen. Noch bemerkenswerter sei aber der angekündigte generelle Paradigmenwechsel weg von der wirtschaftlichen Ausrichtung der Waldbewirtschaftung. „Wir erleben dramatische Veränderungen in unseren Wäldern und Forsten, verursacht durch den Klimawandel. Es ist daher völlig richtig, wenn der Ministerpräsident neue Prioritäten in der Forstwirtschaft setzt."

Der LBV-Vorsitzende verbindet sein Lob mit einem dringenden Appell: „Unsere Naturwälder bieten uns ein sehr breites Reaktionsspektrum auf den Klimawandel. Lasst uns lernen und beobachten, wie die Natur mit dem Klimawandel umgeht und daraus die richtigen Schlüsse ziehen". Voraussetzung dafür sei ein funktionierendes Netzwerk von Waldschutzgebieten, in denen sich die Natur nach ihren eigenen Gesetzen ohne forstlich Eingriffe entwickeln darf. Nutzungsfreie Auwälder sind ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Dazu müssen aber noch repräsentative Großschutzgebiete im Bereich der Laubwälder wie zum Beispiel im Spessart und Steigerwald kommen.

Dazu Claus Obermeier, Vorstand der Gregor Louisoder Umweltstiftung und GLUS-Vertreter im bundesweiten Netzwerk ‚Wildnis in Deutschland‘: „Mit der Ausweisung eines Großschutzgebietes mit insgesamt mindestens 2.000 Hektar Schutzgebietsfläche ohne forstwirtschaftliche Nutzung kann Bayern zumindest für den Auwaldbereich an die Spitze der bundesweiten Naturwaldbewegung anschließen und ein Leuchtturmprojekt des Naturschutzes schaffen. Für diesen Bereich liegen schon seit vielen Jahren Forderungen des Naturschutzes und regionaler Bürgerinitiativen für ein Großschutzgebiet nach nationalen Naturschutzstandards vor. Mit der zügigen und rechtssicheren Ausweisung als nutzungsfreies Schutzgebiet gilt hier dann Natur Natur sein lassen.“

Ziel des Naturschutzes in den Donauauen zwischen Neuburg und Ingolstadt ist der Erhalt eines repräsentativen Ausschnitts der Donauauen mit seinen ausgedehnten naturnahen Laubwäldern sowie umfangreichen Feuchtbiotopen, Altwassern und Sonderstandorten. Ein Großteil der Zielarten des Naturschutzes ist dort direkt oder indirekt auf Totholz, insbesondere auf stehendes und liegendes, stark dimensioniertem Totholz, sowie auf Höhlen- und Biotopbäumen als Lebensraum angewiesen. Daher müssen die Staatswälder in einem noch genau zu konkretisierendem Bereich aus der wirtschaftlichen Nutzung genommen werden, wie es auch der Koalitionsvertrag von CSU und Freien Wählern für zehn Prozent der Staatswälder vorsieht. Mit der Unterschutzstellung entfallen auch diverse fortwirtschaftliche Eingriffe wie engmaschige Rückegassen mit Boden- und Biotopschädigung sowie Blockade der Wanderwege in diesem Bereich.

Der BUND Naturschutz in Bayern (BN) begrüßt den von Ministerpräsident Markus Söder angekündigten Kurswechsel für den Staatswald, der ökologischer ausgerichtet werden soll. „Wir haben immer betont, dass die Hauptaufgabe für die Staatswälder darin liegen muss, vorrangig dem Gemeinwohl zu dienen, d.h. dem Klimaschutz für die Städte, dem Schutz vor Lawinen und Hochwasser im Gebirge oder dem Natur- und Artenschutz“, so Richard Mergner, Landesvorsitzender des BN. Die Klimakrise macht eine Neuausrichtung der Bayerischen Staatsforsten notwendig, wofür der BN bereits viele Maßnahmen vorgeschlagen hat. Dazu gehören eine naturverträglichere Waldnutzung, eine waldverträgliche Jagdpolitik und mehr Naturwälder inklusive eines Nationalparks mit erster Priorität im Steigerwald. Mehr naturnahe Wälder mit vielen alten Bäume und intakten Waldböden sind bessere Kohlenstoffspeicher.

Entscheidend für den Klimaschutz ist es, ein Klimaschutzgesetz zu verabschieden, das dafür sorgt, dass die Ziele der Pariser Klimakonferenz erreicht werden. „Die Staatsregierung muss sich für schnell wirksame Klimaschutzmaßnahmen einsetzen“, so Mergner, „für eine konsequente Energieeinsparung, für mehr erneuerbare Energien, für ein Tempolimit und einen besseren ÖPNV sowie für eine Verlagerung von Kurzstreckenflügen auf die Schiene.“ Der BN warnt davor, dass das Klima und die Wälder sich nicht dadurch retten lassen, dass in Bayern junge Bäume millionenfach nachgepflanzt werden. „Wir fordern die Staatsregierung auf, sich auch auf nationaler und internationaler Ebene dafür einzusetzen, das Sterben der Wälder durch aktive Klimaschutzmaßnahmen zu stoppen“, so Ralf Straußberger, Wald- und Jagdreferent des BN. Ansonsten droht eine weitere Klimaerwärmung auf 4 bis 5 Grad, was ein flächiges Sterben der heimischen Wälder bedeuten würde, weil diese ein derartiges Mittelmeerklima nicht überleben würden.

erschienen am: 2019-07-11 im europaticker



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