europaticker:
EU-Kommission leitet eingehende Untersuchung zur geplanten Übernahme von Lotos durch PKN Orlen ein

..................

Übernahme polnischer Öl- und Gasunternehmen könnte Wettbewerb ausschalten

Die Europäische Kommission wird die von PKN Orlen geplante Übernahme von Lotos einer eingehenden Prüfung nach der EU‑Fusionskontrollverordnung unterziehen. Die Kommission hat Bedenken, dass die Fusion zu weniger Wettbewerb auf dem Brennstoffmarkt und verwandten Märkten in Polen und einigen Nachbarländern führen könnte.

EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager erklärte hierzu: „Die geplante Übernahme von Lotos durch PKN Orlen würde mehrere strategisch wichtige Energiemärkte beeinträchtigen. Die Kommission wird untersuchen, ob dieses Vorhaben zu weniger Wettbewerb, weniger Auswahl und höheren Preisen für Brennstoffe und verwandte Produkte für Geschäftskunden und Endverbraucher in Polen und anderen Mitgliedstaaten führen würde.

Bei PKN Orlen und Grupa Lotos („Lotos“) handelt es sich um zwei große integrierte polnische Öl- und Gasunternehmen. Beide Unternehmen sind vor allem in Polen, wo sie Eigentümer der beiden einzigen bestehenden Raffinerien sind, aber auch in mehreren mittel- und osteuropäischen Ländern sowie im Baltikum tätig.

Beide Unternehmen verfügen über eine breite Produktpalette und stehen auf allen Ebenen der Lieferkette in Konkurrenz zueinander, unter anderem

Die wettbewerbsrechtlichen Bedenken der Kommission

Gegenwärtig hat die Kommission Bedenken, dass der geplante Zusammenschluss den Wettbewerb auf mehreren Märkten, auf denen das entstehende Unternehmen tätig wäre, beeinträchtigen würde. In diesem Verfahrensstadium hat die Kommission Bedenken, dass das angemeldete Vorhaben weniger Auswahl und höheren Preisen für andere Unternehmen und die Verbraucher auf einer Reihe von Märkten, darunter der Tankstellen-Markt und der Kerosinmarkt, führen würde.

Im Vorprüfverfahren gelangte die Kommission konkret zu folgenden Feststellungen:

PKN Orlen und Lotos verfügen darüber hinaus auf den vor- und nachgelagerten Brennstoff-Märkten über so große Mengen, dass das fusionierte Unternehmen nach Auffassung der Kommission in der Lage und versucht wäre, die Belieferung von Konkurrenten auf nachgelagerten Märkten einzustellen und sie somit vom Markt zu verdrängen.

Die Kommission wird die Auswirkungen des Vorhabens nun eingehend prüfen, um festzustellen, ob sich die wettbewerbsrechtlichen Bedenken bestätigen.

Das Vorhaben wurde am 3. Juli 2019 bei der Kommission zur Genehmigung angemeldet. Die Kommission muss nun innerhalb von 90 Arbeitstagen, also spätestens am 13. Dezember 2019, einen Beschluss erlassen. Das eingehende Prüfverfahren wird ergebnisoffen geführt.

Unternehmen und Produkte

PKN Orlen ist ein integriertes polnisches Öl- und Gasunternehmen. Es besitzt eine der beiden Raffinerien in Polen sowie weitere Raffinerien in Litauen und der Tschechischen Republik. PKN Orlen ist auf den Groß- und Einzelhandelsmärkten für raffinierte Erdölprodukte in Polen, Österreich, der Tschechischen Republik, Estland, Lettland, Litauen, Deutschland und der Slowakei vertreten. Weitere Geschäftsbereiche sind die vorgelagerte Exploration, Erschließung und Förderung von Rohöl und Erdgas. Darüber hinaus ist PKN Orlen auf dem Markt für petrochemische Erzeugnisse tätig.

Lotos ist ebenfalls ein integriertes polnisches Öl- und Gasunternehmen und Eigentümer der zweiten polnischen Raffinerie. Lotos ist auf den Groß- und Einzelhandelsmärkten für raffinierte Erdölprodukte vor allem in Polen, aber auch in der Tschechischen Republik, Estland, Lettland, Litauen und der Slowakei vertreten. Weitere Geschäftsbereiche sind wie im Falle von PKN Orlen die vorgelagerte Exploration, Erschließung und Förderung von Rohöl und Erdgas. Darüber hinaus ist Lotos auf dem Markt für petrochemische Erzeugnisse tätig.

Fusionskontrollvorschriften und -verfahren

Die Kommission hat die Aufgabe, Fusionen und Übernahmen von Unternehmen zu prüfen, deren Umsatz bestimmte Schwellenwerte übersteigt (vgl. Artikel 1 der Fusionskontrollverordnung), und Zusammenschlüsse zu untersagen, die den wirksamen Wettbewerb im gesamten oder in einem wesentlichen Teil des Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) erheblich behindern würden.

Der weitaus größte Teil der angemeldeten Zusammenschlüsse ist wettbewerbsrechtlich unbedenklich und wird nach einer Standardprüfung genehmigt. Nach der Anmeldung muss die Kommission in der Regel innerhalb von 25 Arbeitstagen entscheiden, ob sie das Vorhaben im Vorprüfverfahren (Phase I) genehmigt oder ein eingehendes Prüfverfahren (Phase II) einleitet.

Neben dem Verfahren zum vorliegenden Zusammenschluss laufen derzeit drei weitere eingehende Prüfverfahren (Phase II). Diese betreffen die geplante Übernahme von Bonnier Broadcasting durch die Telia Company, die geplante Übernahme von Aleris durch Novelis und die geplante Übernahme von Innogy durch E.ON.

Weitere Informationen werden auf der Website der GD Wettbewerb der Kommission im öffentlich zugänglichen Register unter der Nummer der Wettbewerbssache M.9014 veröffentlicht.

erschienen am: 2019-08-08 im europaticker



Wir verwenden keine Cookies, weil uns das Surfverhalten von mehr als 1 Millionen Besucher monatlich nichts angeht.

Schreiben Sie uns Ihre Meinung zu dem Beitrag:
Ihre Meinung ist uns wichtig!

Impressum (Kurzfassung):
EUROPATICKER mit den Magazinen: Umweltruf, Korruptionsreport und Green IT
Das Magazin mit Hintergrund aus der Entsorgungsbranche
Deutscher Presserat (ID-Nummer 3690)

Herausgeber Hans Stephani
Beratender Betriebswirt - Journalist - Autor
Blumenstr. 11, 39291 Möser
Telefon: 039222 - 4125 Telefax: 039222 - 66664
Der EUROPATICKER Umweltruf erscheint im 19. Jahrgang. Das Ersterscheinungsdatum war der 20. März 2000.

Für die Titel: EUROPATICKER, KORRUPTIONSREPORT und UMWELTRUF nehmen ich Titelschutz nach § 5 Abs. 3 MarkenG. in Anspruch.
Ich unterliege dem Presserecht des Landes Sachsen-Anhalt.
Verantwortlich im Sinne des Presserechtes und nach Telemediengestz (TMG) ist: Diplom-Betriebswirt Hans Stephani.

Anzeigenverwaltung:
EUROPATICKER - Verlag  GmbH, Eingetragen im Handelsregister des Amtsgerichts Stendal unter der Nummer B 2311, Geschäftsführer: Beatrix Stephani, Steuerliche Angaben: Finanzamt Genthin Steuernummer: 103/106/00739, Blumenstr. 11 D-39291 Möser Telefon: 039222 4125, Telefax: telefax@europaticker.de

    Zurück zum Nachrichtenüberblick                                    Diese Meldung ausdrucken