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Olaf Lies: „Die Pläne der Bundesnetzagentur sind ein Hohn. Das ist ein Windenergie-Ausbremsgesetz“
„Vierte Stromautobahn“: „Nicht nur in Strom denken - Gasnetze als Chance“

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Niedersachsen lehnt aktuelle Pläne der Bundesnetzagentur entschieden ab

„Nicht akzeptabel“ nennt Energieminister Olaf Lies die Pläne der Bundesnetzagentur, den weiteren Ausbau der Windenergie in Niedersachsen aufgrund des schleppenden Ausbaus der Stromnetze zu deckeln. „Die Pläne sind eine handfeste Anleitung, die Klimaziele von 2030 zu reißen,“ kritisiert Lies, der zugleich warnt: „Wir rennen sehenden Auges vor die Wand. Denn wir brauchen in Deutschland jedes Jahr zusätzliche 4,7 Gigawatt Windenergie onshore, 1 Gigawatt offshore und 10 Gigawatt Photovoltaik.“ Die Berliner Pläne bezeichnet der niedersächsische Energieminister deshalb als „Windenergie-Ausbremsgesetz“.

In einem Brandbrief an Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier fordert Lies, die Pläne der Bundesnetzagentur sofort zu stoppen. „Anstatt über weitere Beschränkungen des Windenergieausbaus an ertragsreichen Standorten nachzudenken, sollten Möglichkeiten der Entlastung der Stromnetze in Angriff genommen werden“, schreibt Lies in einem Protestbrief an Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier. „Gerade in Niedersachsen besteht ein erhebliches Potenzial an zuschaltbaren Lasten“, sagt Lies, „insbesondere im Bereich Power-to-Gas.“ Eine Änderung der Netzausbaugebietsverordnung lehnt der Minister kategorisch ab. „Wenn der Bund an dieser absurden Idee festhält, dann wäre der Zubau Erneuerbarer Energien in Niedersachsen massiv eingeschränkt, Klimaschutzziele wären gefährdet. Mit dieser Politik gefährdet Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier viele Arbeitsplätze und rückt Klimaschutzziele in weite Ferne.“

Weil der Ausbau der Stromnetze stockt, plant die Bundesnetzagentur, den Ausbau der Windenergie in Norddeutschland einzuschränken und hat dafür eine Überarbeitung des sogenannten Netzausbaugebietes vorgeschlagen. Das Netzausbaugebiet begrenzt derzeit den Windenergieausbau für Hamburg, Bremen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und den nördlichen Teil Niedersachsens auf insgesamt 902 Megawatt pro Jahr. Von Januar 2020 an soll die zulässige Höchstmenge im dann neu zugeschnittenen Netzausbaugebiet auf 786 Megawatt verringert werden. Während Niedersachsen künftig komplett unter diese Beschränkung fiele, soll Mecklenburg-Vorpommern herausgenommen werden.

„Mit diesen Plänen bremst der Bund das Windenergieland Niedersachsen als Treiber und Motor der Energiewende bewusst aus“, kritisiert Lies. Statt den Ausbau in die Windenergie zu drosseln, müssten Netze optimiert und schneller geplant werden, Power-to-Gas Anlagen genutzt und und flexiblere Abnahmemodelle her.

Lies zu Plänen für „Vierte Stromautobahn“: „Nicht nur in Strom denken - Gasnetze als Chance“

Die Forderung nach einer vierten Stromtrasse von der Nordsee bis in den Süden Niedersachsens wird vom Umweltministerium in Niedersachsen intensiv auf Notwendigkeit, Realisierbarkeit und Alternativen geprüft. Umwelt- und Energieminister Olaf Lies sagte dazu heute: „Niedersachsen arbeitet intensiv an der Umsetzung des jetzt geplanten Netzausbaus. Darin führt auch kein Weg vorbei. Wir haben uns aber auch immer für eine intelligente Netzsteuerung, die bessere Auslastung vorhandener Übertragungskapazitäten und den Ausbau von zuschaltbaren Lasten stark gemacht. Aber schon wieder wird der gleiche Fehler gemacht. Es findet nur ein Denken im Strombereich statt. Wichtiger ist vor der Planung einer weiteren Gleichstromtrasse, die Energienetze für Strom und Gas zu koppeln, um so künftig zwei Wege für den Transport von Erneuerbaren Energien zu öffnen. Das Gasnetz bietet heute und zukünftig enorme Übertragungskapazitäten. Diese nicht in die weiteren Planungen einzubeziehen wäre ein großer Fehler. Darum bin ich auch noch nicht vom Bedarf einer vierten Trasse überzeugt. In jedem Fall wäre eine vierte Stromtrasse eine weitere Belastung für Niedersachsen, das bereits im Vergleich zu anderen Bundesländern überproportional von Netzausbaumaßnahmen betroffen ist.“

Niedersachsen fordert deshalb, bei jeder Diskussion um einen weiteren Netzausbau diese enge Verzahnung von Strom und Gas zu berücksichtigen und künftig Elektrolyseure als Transformatoren zwischen Gas- und Stromnetze zu nutzen. Lies weiter: „In jedem Fall gilt für eine solche Trasse, dass sie nur in Erdkabel verlegt werden würde. Dies muss auch bei der jetzt diskutierten vierten Trasse berücksichtigt werden, sofern diese tatsächlich benötigt wird. Eine Akzeptanz für Freileitung wird kaum erreichbar sein. Zweitens müsste – wenn zugleich in der Netzplanung mehr Offshore eingebunden werden soll – der Offshore-Deckel endlich angehoben werden. Der Ausbau der erneuerbaren Energien muss endlich Fahrt aufnehmen.“

erschienen am: 2019-08-08 im europaticker



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