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Bau der Klärschlammbandtrocknung am Fernwärmekraftwerk gestartet

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Schritt zum Kohleausstieg in Kassel

Die Kasseler Verkehrs- und Versorgungs-GmbH (KVV) treibt den Kohleausstieg voran. „Bis 2028 wollen wir Schritt für Schritt aus der Kohleverbrennung weitgehend ausgestiegen sein und investieren dafür in erheblichem Umfang im Rahmen einer langfristigen Strategie“, erklärte KVV-Geschäftsführer Dr. Michael Maxelon, am Mittwoch in Kassel.

Ein wichtiger Baustein für den Kohleausstieg ist der jetzt erfolgte Baubeginn einer Klärschlammbandtrocknung am Standort Kraftwerk Kassel. Anfang kommenden Jahres will das KVV-Unternehmen Städtische Werke Energie + Wärme GmbH (EWG) die Bandtrocknung am Kraftwerk Kassel in der Dennhäuser Straße in Betrieb nehmen. Die Umstellung sei der nächste Schritt zu einem noch höheren Anteil der Fernwärme, die frei von Kohlendioxid (CO2) erzeugt wird. Der Startschuss dafür erfolgte bereits im Jahr 2016, als die EWG damit begann, Klärschlamm mitzuverbrennen.

Ab Anfang 2020 werde dann zusätzlich die Klärschlammtrocknung in Betrieb gehen. „Das bietet uns drei Vorteile“, erläutert Maxelon: „Zum einen wächst der Anteil biogener Brennstoffe beim Betrieb des Fernwärmekraftwerks weiter an; zum anderen nutzen wir ein Abfallprodukt aus der Abwasserklärung, das nicht mehr wie früher deponiert oder auf die Felder ausgebracht werden darf.“ Außerdem spare man bereits im kommenden Jahr durch die Verbrennung von Klärschlamm rund 20.000 Tonnen CO2 pro Jahr ein. In einigen Jahren soll außerdem CO2-neutrales Altholz in dem kommunalen Kraftwerk verbrannt werden.

„Unser Ziel ist es, bis 2028 – und damit zehn Jahre vor dem geplanten Kohleausstieg der Bundesregierung – aus der Kohleverbrennung weitgehend auszusteigen“, sagte Maxelon. Dabei gelte es jedoch auch technische Möglichkeiten, rechtliche Rahmenbedingungen und nicht zuletzt die Versorgungssicherheit im Blick zu behalten.

Derzeit werden im Kraftwerk Kassel jährlich rund 95.000 Tonnen Kohle verbrannt. Um zu 100 Prozent aus der Kohle auszusteigen, sei neben dem Klärschlamm die Verbrennung von weiteren biogenen Sekundärbrennstoffen erforderlich, erklärte Maxelon. Der gesamte Zeitplan für den Kohleausstieg sei außerdem „ganz erheblich von der Entwicklung des Marktumfeldes und der rechtlichen Rahmenbedingungen abhängig“, betonte er. Dessen ungeachtet bleibe es erklärtes Ziel, die Energieerzeugung der kommunalen Unternehmensgruppe zu dekarbonisieren.

„Gemeinsam mit dem Vorstand hat der Aufsichtsrat diesen Weg mit einem nachhaltigen und großen Engagement der KVV für den Klimaschutz beschlossen“, sagte Christian Geselle, Kasseler Oberbürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzender der KVV und EWG. Die Investitionen in das Kraftwerk Kassel belaufen sich bis 2028 nach derzeitigen Planungen des Unternehmens auf rund 28 Millionen Euro. „Das ist gut investiertes Geld für unseren Umwelt- und Klimaschutz. Es ist Aufgabe der Stadtpolitik, gemeinsam mit unseren kommunalen Unternehmen klare und realistische Ziele zum Kohleausstieg und zur Dekarbonisierung zu entwickeln“, sagte Geselle. Er erinnerte außerdem daran, dass bereits heute im kommunalen Müllheizkraftwerk Kassel (MHKW) CO2-freier Strom und Fernwärme produziert werden. Das MHKW speist etwa ein Drittel der Wärme ins Kasseler Fernwärmenetz ein, das rund 30.000 Haushalte und zahlreiche Gewerbebetriebe versorgt.

Das Kraftwerk Kassel an der Dennhäuser Straße erzeugt gleichzeitig Strom und Fernwärme mittels Kraft-Wärme-Kopplung (KWK). Damit erzielt es bereits heute einen Brennstoffausnutzungsgrad von über 80 Prozent. „Das ist weit umweltfreundlicher, als konventionelle Kraftwerke und Heizungsanlagen“ sagte Maxelon. Neben Klärschlamm soll künftig auch Altholz im Kraftwerk Kassel verwertet werden. Derzeit wird das Altholz noch im Heizkraftwerk Mittelfeld als Brennstoff für die Fernwärme- und Stromproduktion eingesetzt. 2023 soll dieser sanierungsbedürftige Kraftwerksstandort geschlossen werden. Danach werden diese Altholzmengen für die ganzjährige Nutzung als biogener Sekundärbrennstoff im Kraftwerk Kassel aufbereitet.

Kohleausstieg 2028 – Klimaziele lassen keinen Raum für fossile Energieträger
 
„Wir müssen so schnell wie möglich raus aus der Kohle“, sagt die umweltpolitische Sprecherin der grünen Rathausfraktion, Christine Hesse. Daher begrüßt die umweltpolitische Sprecherin den Weg der Städtischen Werke, den Kohleausstieg in Kassel für 2028 zu planen. „Doch um den Zielen des Pariser Klimaabkommens gerecht zu werden, setzen wir uns weiter dafür ein, den Ausstieg in Kassel so weit wie möglich nach vorne zu verlegen.

Das Bündnis Kohlefrei Kassel setzt da schon deutlich an der richtigen Stelle an. Mit Ihren Forderungen 2023 den Ausstieg zu wagen, stoßen sie bei uns Grünen auf großen Zuspruch. „Inwieweit das sozialverträglich realisierbar sein könnte, werden wir allerdings noch überprüfen müssen“, so Hesse. „Klar ist: Die Stadt muss beim Ausstieg aus der Kohle viel ambitionierter handeln. Gleichzeitig ist es unabdinglich, dass die Energieversorger schon jetzt viel mehr in den Aufbau einer Wärmeversorgung aus erneuerbaren Energien investieren.“

Kein anderes Land verbrennt so viel Braunkohle wie Deutschland, dabei werden durch Braunkohle nicht nur Unmengen von CO2 in die Luft geblasen, sondern auch Stickoxide, Schwefeldioxid, Feinstaub und Quecksilber. Das ist nicht nur für die Umwelt eine Katastrophe, sondern dieser giftige Mix kann Atemwegeschädigen, Herz-Kreislauf-Krankheiten und Schlaganfälle auslösen. „Daher ist ein zeitnaher Ausstieg für die Umwelt, aber auch für die Gesundheit und das Wohlbefinden der Menschen unabdingbar“, betont Christine Hesse.

Klimabewusste KVV-Gruppe

Klimabewusste KVV-Gruppe Zur KVV-Gruppen zählen nicht nur die Unternehmen aus der Energieversorgung, sondern auch die KVG aus dem Verkehrssektor. Die gesamte Unternehmensgruppe ist seit langem auf klimafreundliches Wirtschaften ausgerichtet und versucht, möglichst viele Synergien aus der Verzahnung unterschiedlicher Aktivitäten zu erreichen:

2018 haben unsere Windparks rund 226 GWh Windstrom eingespeist. Bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 2.500 kWh p.a. haben wir 2018 rund 90.400 Haushalte mit Windstrom versorgt. Für die in den 4 Windparks produzierte Strommenge resultiert daraus eine CO²-Einsparung von rund 150.000 t Co².  

erschienen am: 2019-08-08 im europaticker



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