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Testbohrungen zur Vorbereitung der 3D-Seismik im Landkreis Wolfenbüttel in Niedersachsen

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Rückholung der radioaktiven Abfälle aus der Asse werden vorbereitet

Im Rahmen der 3D-Seismik sind in den bewaldeten Bereichen des Messgebietes kurze Bohrungen erforderlich. In den Bohrungen werden kleine Sprengungen erzeugt, um seismische Wellen auszusenden. Mit Hilfe von 12 Bohrungen soll die Bohrausrüstung sowie der Bohrfortschritt bei unterschiedlichen Untergründen getestet werden. Die Schachtanlage Asse II liegt bei Remlingen im Landkreis Wolfenbüttel in Niedersachsen. Das Bergwerk ist eines von ehemals drei Anlagen, die auf dem Asse-Höhenzug zur Salzgewinnung errichtet wurden. Von 1967 bis 1978 wurden im Auftrag des Bundes rund 47.000 Kubikmeter schwach- und mittelradioaktive Abfälle eingelagert. Seit 2009 wird das Bergwerk nach Atom- und Bergrecht betrieben. Der gesetzliche Auftrag lautet, die Anlage unverzüglich stillzulegen. Dies soll nach Rückholung der radioaktiven Abfälle erfolgen.

Mit Hilfe der Ergebnisse kann die einzusetzende Bohrtechnik sowie die erforderliche Zeit für das Bohren besser geplant werden. Die Testbohrungen werden am 13. August 2019 beendet. Die Bohrungen sind maximal 15 Meter tief. Der Durchmesser beträgt je nach Bohrung 70 bis 100 Millimeter. Angewendet wird ein Trockenbohrverfahren. Dabei werden zwei verschiedene Bohrgeräte eingesetzt. Zuerst wird mit einem leichteren Spiralbohrer gebohrt. Die Spirale fördert anfallendes Bohrmaterial an die Tagesoberfläche, ähnliche wie handelsübliche Bohrer zu Hause. Ist das Gestein zu fest, wird das Bohrgerät gewechselt und das Bohrloch mit Druckluft gespült. Sind die Arbeiten abgeschlossen, werden die Bohrungen wieder verfüllt. Sprengungen erfolgen in den Testbohrungen nicht.

Die Bundesgesellschaft für Endlagerung plant ab Ende 2019 3D-seismische Messungen im Umfeld der Schachtanlage Asse II vorzunehmen. Die Messungen dienen dazu, belastbare Daten zum Aufbau des Deckgebirges und zur geologischen Struktur des Asse-Höhenzuges zu gewinnen. Sie sind ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Rückholung der radioaktiven Abfälle. Denn nur mit Hilfe der gewonnenen Daten können die Genehmigungsunterlagen für die Rückholung und die anschließende Stilllegung mit der notwendigen Genauigkeit erstellt werden.

Die Einlagerung der radioaktiven Abfälle in die Schachtanlage Asse II beginnt 1967. Ein Stilllegungskonzept für die Zeit nach der Einlagerung gibt es nicht. Heute ist ein Stilllegungskonzept mit vorher erfolgter Langzeitsicherheitsanalyse Voraussetzung für die atomrechtliche Genehmigung eines Endlagers und dessen Stilllegung. Bei der Schachtanlage Asse II müssen dagegen das notwendige Stilllegungskonzept sowie die Analyse der Langzeitsicherheit unter den heutigen Bedingungen nachträglich erarbeitet werden. Die Suche nach der besten Lösung beschäftigt zahlreiche Experten.

Ergebnis des Optionenvergleichs und gesetzlicher Auftrag

Bereits seit 2007 beschäftigt sich eine Arbeitsgruppe Optionenvergleich (AGO) mit möglichen Stilllegungsvarianten. Mit der Überführung der Anlage in das Atomrecht legt die AGO Anfang 2009 einen Bericht zu den Möglichkeiten der Schließung der Asse vor. Als Ergebnis untersucht das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) als damaliger Betreiber in einem sogenannten Optionenvergleich drei Stilllegungsvarianten anhand vorher festgelegter Kriterien:

Das BfS veröffentlicht 2010 das Ergebnis des Optionenvergleichs. Dieser zeigt, dass eine langfristige Sicherheit von Mensch und Umwelt nach derzeitigem Kenntnisstand nur durch die Rückholung der Abfälle aus der Asse gewährleistet ist.

Die Rückholung wird 2013 mit breiter politischer Mehrheit vom Bundestag gesetzlich festgeschrieben. So heißt es in Paragraph 57b des Atomgesetzes heute: „Die Schachtanlage Asse II ist unverzüglich stillzulegen. Die Stilllegung soll nach Rückholung der radioaktiven Abfälle erfolgen.“

Teilprojekte der Rückholung

Die Gesamtaufgabe der Rückholung gliedert sich in mehrere Teilprojekte, die in gegenseitiger Abhängigkeit stehen und parallel bearbeitet werden. Die notwendigen Voraussetzungen wurden durch eine Änderung des Atomgesetzes im Jahr 2013 geschaffen (Lex Asse).

Faktenerhebung und kammerspezifische Erkundungsprogramme
Ziel der Faktenerhebung ist es, durch Bohrungen im Umfeld der Einlagerungskammer 7 bestehende Wissenslücken über diese zu beseitigen. Im Mittelpunkt stehen vor allem der Zustand des umliegenden Gebirges, die Kammeratmosphäre sowie der Zustand der eingelagerten radioaktiven Abfälle. Im Rahmen kammerspezifischer Erkundungsprogramme ist geplant, auch die anderen Einlagerungskammern zu erkunden. Erst mit diesen Erkenntnissen kann etwa über die zu verwendende Bergetechnik oder den Zugang zu den Einlagerungskammern entschieden werden.

Rückholungsplanung
Die Rückholung wird derzeit in einem gestuften Verfahren geplant. Die Rückholung der radioaktiven Abfälle von der 511-Meter-Ebene, von der 725-Meter-Ebene und von der 750-Meter-Ebene werden parallel, aber getrennt voneinander betrachtet. Hintergrund ist der unterschiedliche Kenntnisstand über die einzelnen Einlagerungskammern und deren unterschiedliche Randbedingungen. Parallel werden die notwendigen Bergetechniken identifiziert und mit den voranschreitenden Rückholungsplanungen abgeglichen.

Bergungsschacht (Schacht 5)
Für die Bergung der Abfälle wird ein neuer Bergungsschacht benötigt, da die Kapazitäten des bestehenden Schachts 2 nicht ausreichen. Der sogenannte Schacht 5 muss neben den bergbaulichen auch den atomrechtlichen Sicherheitsansprüchen genügen. Für den neuen Schacht muss ein Ansatzpunkt gefunden werden, von dem aus sich dieser mit dem bestehenden Grubengebäude verbinden lässt. Im Idealfall wäre hier auch die Errichtung neuer Infrastrukturräume möglich.

Zwischenlager
Derzeit existiert in Deutschland kein annahmebereites Endlager für die radioaktiven Abfälle aus der Schachtanlage Asse II. Mit der Rückholung kann aufgrund der bestehenden Herausforderungen und Risiken jedoch nicht gewartet werden, bis ein solches zur Verfügung steht. Aus diesem Grund sollen die radioaktiven Abfälle so lange in einer geeigneten Einrichtung an der Tagesoberfläche zwischengelagert werden, bis sie an ein Endlager abgegeben werden können.

erschienen am: 2019-08-11 im europaticker



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