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Siegesmund: Die Lage ist ernst und die Zeit drängt:
Wir brauchen eine neue, klimagerechte Waldpolitik

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Thüringer Aktionsplan Wald muss Akzente für die nächsten Generationen setzen

Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund hat einen Aktionsplan für klimastabile und widerstandsfähige Wälder vorgelegt. Darin fordert sie eine Umkehr hin zu naturnaher Waldbewirtschaftung auf Basis einer klimagerechten Waldpolitik. „Die Lage ist ernst und die Zeit drängt. Das ‚Immunsystem unserer Wälder‘ ist durch die Klimakrise dauerhaft geschwächt. Wir brauchen endlich eine gesamtgesellschaftliche Debatte, wie wir unsere Wälder retten,  Naturverjüngung als Schwerpunkt setzen und Wald fit für die Zukunft machen“, so Siegesmund. Siegesmund will den Aktionsplan am 13. August 2019 dem Kabinett vorlegen, dann tritt die Thüringer Landesregierung zur Sondersitzung „Klimakrise“ zusammen.

Der völlig falsche Ansatz sei, hart errungene Lösungen für nutzungsfreie Wälder in Thüringen jetzt in Frage zu stellen. „Insbesondere die Waldwildnis-Flächen sind unser wichtigster Klimaschützer. Jetzt den Menschen ein weiter Bewirtschaften in alter Manier als Lösung zu präsentieren, ist unseriös“, so Siegesmund. „5 Prozent der Waldflächen wachsen zu den Urwäldern von morgen heran. Diese Flächen mit stetig wachsendem Holzvorrat haben ein enormes Potential für die CO2-Bindung.  Dazu gibt es eine klare Verabredung in der Koalition und es steht einem Partner nicht zu, diese einfach aufzuheben. Ich halte als Umweltministerin daran fest und gehe davon aus, dass das auch für den Koalitionspartner gilt “, so die Ministerin weiter.

Sie fordert einen Paradigmenwechsel bei der Waldbewirtschaftung: Wälder sind ein perfektes System, um unsere Bedürfnisse zu decken. Solange wir sie gut bewirtschaften und unsere Bedürfnisse verhältnismäßig sind. Bislang sei das nicht gelungen. Die Klimakrise und die aktuelle Lage der Wälder machen deutlich, wie nötig eine andere Waldwirtschaft sei. Im Aktionsplan erneuert Siegesmund ihre Forderung nach einem bundesweiten Wildnisfond für den Ankauf von Waldflächen, auf denen die Säge dauerhaft ruhen soll. Dieser müsse deutlich aufgestockt werden.

Mit dem 10-Punkte-Plan schlägt Siegesmund weiter das Einrichten eines 100 Millionen Euro umfassenden Klimafonds für Thüringen vor. Aus ihm sollen die Folgen der Klimakrise abgefedert werden. Zudem soll zukünftig ausschließlich der Umbau zu klimastabilen Wäldern unterstützt werden. Fördergelder würden dann nur an die Waldbesitzer fließen, die sich am Waldumbau hin zu robusten Mischwäldern beteiligen. Denn Waldumbau sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und betrifft Staatswald, Privatwald, Kommunalwald und Körperschaftswald gleichermaßen. Bislang wurden Anerkennung und Förderung für den Waldumbau jahrelang vernachlässigt, so Siegesmund.

Öffentliche Hand als Vorreiter: Nachhaltige Biathlon-WM 2023 in Oberhof

Die öffentliche Hand in Thüringen soll Vorreiter sein. Ein Leuchtturmprojekt dafür soll die Biathlon-WM 2023 in Oberhof werden. Es seien erhebliche

Baumaßnahmen mit Eingriffen in Natur und Wald zu erwarten. "Eine wirklich nachhaltige WM muss das ausgleichen, das Motto muss sein: Holz aus der Region für die Region",  so Siegesmund. Hier sollte das klare Ziel gesetzt werden, alle Funktionsbauten, von Tribünen bis Banden, mit heimischem Holz zu errichten. "Wir brauchen eine wirklich nachhaltige WM, mit der Thüringen zum Aushängeschild für Wintersport im Einklang mit der Natur wird", so die Umweltministerin.

NABU Thüringen stellt seine Forderungen zum Wald vor

Angesichts des bevorstehenden Treffens von Ministerpräsident Bodo Ramelow mit den Ministerinnen für Finanzen, Umwelt und Forstwirtschaft am kommenden Dienstag fordert der NABU Thüringen ein dringendes Umdenken beim Umgang mit dem Wald. „Die erheblichen Waldschäden zeigen, wie stark sich die Klimaerwärmung auf unsere Wälder auswirkt. Besonders artenarme Monokulturen sind nicht mehr zukunftsfähig. Ein Wandel zu laubbaumreichen Mischwäldern ist deshalb so wichtig wie nie zuvor“, sagt Dirk Hofmann, der stellvertretende Vorsitzende und Forstexperte des NABU Thüringen.

Bei dem Treffen der Politiker soll ein Aktionsplan Wald für Thüringen beraten werden. Anja Siegesmund die Thüringer Umweltministerin hat hierzu schon einen 10-Punkte-Aktionsplan vorgelegt. „Der Aktionsplan von Anja Siegesmund ist zukunftsweisend. Vor allem der Waldumbau von Monokulturen hin zu klimastabilem Mischwald und eine bodenschonende, ökologische Bewirtschaftung sind zu begrüßen“, lobt der stellvertretende NABU-Vorsitzende.

Die geplante Wiederaufforstung sieht der NABU Thüringen eher kritisch. „Wir verschenken uns damit die Chance einer an das Klima angepassten standortheimischen Waldvegetation. Bäume aus Naturverjüngung sind besser an ihren Standort angepasst“, erklärt der Forstexperte. „Wenn der Klimawandel so weiter geht und es trocken bleibt, macht es keinen Sinn Pflanzen aus Baumschulen in den Wald zu bringen, die im nächsten Jahr wieder vertrocknen. Wenn allerdings Aufforstungen nicht zu verhindern sind, müssen einheimische, an unsere Ökosysteme angepasste Laubbaumarten wie die Eiche, aber auch Nadelbäume wie Weißtanne verwendet werden.“

Ebenso ist es längst überfällig, den Einsatz von Großmaschinen im Wald zu reduzieren. Harvester schädigen den Waldboden für sehr lange Zeit. Die Böden werden verdichtet, die biologische Aktivität beeinträchtigt, das Wachstum der Bäume eingeschränkt  und Erosion wird gefördert. Holzerntetechniken, wie zum Beispiel leichtere Maschinen, Seilzug oder Rückepferde sollen verstärkt zum Einsatz kommen. Für den Umgang mit Rückepferden müssen entsprechende Ausbildungen angeboten und langfristig gefördert werden. Da Trockenheitsereignisse in Zukunft zunehmen, ist es sinnvoll stehendes und liegendes Totholz im Wald zu belassen. Es dient als Humusbildner, Feuchtespeicher und als Keimbett für Samen.

Unseriös findet der NABU die Forderung, die in der Koalition abgestimmte Flächenkulisse von 5% holznutzungsfreiem Wald neu diskutieren zu wollen. „Wir brauchen diese Klimaschutzwälder als Wasser- und Kohlenstoffpuffer. Die Entwicklung der Urwälder von morgen ist ein aktiver Beitrag zum Klimaschutz“, sagt Dirk Hofmann. Auch brauchen wir diese Stilllegungsfläche, um aktuelle Konzepte in der Forstwirtschaft überprüfen und verbessern zu können.

In Zukunft stell sich der NABU einen multifunktionalen Wald vor. Alle Funktionen des Waldes und insbesondere die Wirkungen auf Klima und Boden, den Wasserhaushalt und die Luftreinhaltung müssen in einem ausgewogenen Gleichgewicht zueinander stehen.

erschienen am: 2019-08-12 im europaticker



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