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Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz würdigt Bremer Anpassungsmaßnahmen an Klimawandel

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Anpassungsmaßnahmen können Feuchtgrünland im Klimawandel retten

Anpassung an den Klimawandel als Thema für den Naturschutz: In Bremen wurden in den vergangenen Jahren erfolgreich Maßnahmen entwickelt und getestet, die sicherstellen, dass Feuchtgrünländer auch bei zunehmender Trockenheit ihre ökologischen Funktionen, insbesondere für die biologische Vielfalt, erfüllen. Die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz, Prof. Dr. Beate Jessel, hat sich heute (13. August 2019) anlässlich einer Projektreise zum Thema „Naturschutz im Zeichen des Klimawandels“ das Projekt „KommKlima“ in Bremen angeschaut.

Das Forschungs- und Umsetzungsvorhaben „Kompensationsflächenmanagement im Klimawandel“ (KommKlima) im Bundesprogramm Biologische Vielfalt wird von der Hanseatischen Naturentwicklung GmbH (h a n e g) koordiniert und im Umsetzungsteil realisiert. Forschungspartner ist die Leibniz Universität Hannover.

Im europäischen Natura-2000 Schutzgebiet Niedervieland wurde Prof. Jessel von Umweltstaatsrat Ronny Meyer begrüßt und über die Aktivitäten Bremens zum Erhalt des wertvollen Feuchtgrünlands informiert.

Die für Bremen typischen Feuchtwiesen, die sich als Grünlandring um die Stadt ziehen, sind einmaliger Lebensraum für zahlreiche bundes- und europaweit gefährdete und seltene Pflanzen und Tiere. Der Klimawandel gefährdet dieses sensible Ökosystem. Sehr warme und niederschlagsarme Frühjahre sowie heiße, trockene Sommer werden voraussichtlich immer häufiger auftreten und sich mit heftigen Starkregenereignissen und nahezu frostfreien Wintern abwechseln. Die Folgen sind gravierendend für Tiere und Pflanzen, aber auch für andere für den Menschen relevante Ökosystemleistungen. Kleingewässer trocknen während der Amphibienentwicklung vorzeitig aus. Wiesenvögel finden zur Brutzeit nicht mehr die für die Nahrungssuche wichtigen, „stocherfähigen“ feuchten und weichen Böden und die Regulationsfähigkeit der Flächen für das Lokalklima nimmt ab.

„Die Folgen des Klimawandels gefährden das Überleben vieler, nicht nur seltener Pflanzen und Tiere unserer bisher gemäßigten Klimaregion. Indem hier eine Vorsorgestrategie erarbeitet wird und damit verbunden einzelne konkrete Maßnahmen bereits umgesetzt werden, ist das Projekt KommKlima ein bundesweiter Vorreiter beim Umgang mit den Folgen des Klimawandels im Naturschutz“, erklärte Prof. Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN).

Der neue Grünlandpolder im Niedervieland ist eine dieser Vorsorgemaßnahmen, die im Rahmen des Projektes KommKlima umgesetzt und deren Wirkung wissenschaftlich begleitet wird. Zur Besichtigung dieser Maßnahme traf sich die BfN-Präsidentin vor Ort mit dem Projektteam. Im Grünlandpolder kann mit Hilfe eines Windrads Wasser aus umliegenden Fleeten zugeführt und so der Boden auch bei ausbleibenden Niederschlägen feucht gehalten werden. Wiesenvögel können hier mit ihren Schnäbeln im weichen Boden noch Nahrung finden, wenn der Boden in der Umgebung bereits ausgetrocknet und hart ist.

Schon kurz nach der Inbetriebnahme des errichteten Windschöpfwerkes konzentrierten sich die Wiesenvögel in diesem Bereich. „Das zeigt, wie wichtig zukünftig solche feuchten Oasen im Grünland für seltene und gefährdete Wiesenvögel sein werden, wenn sich der Trend zu heißen und niederschlagsarmen Frühjahren fortsetzt“, erklärte Kerstin Kunze, Projektleiterin und Verbundkoordinatorin bei der Hanseatischen Naturentwicklung GmbH (h a n e g). Ihr Kollege, Hans-Ulrich Müller, Baumaßnahmenkoordinator bei der h a n e g, erläuterte die Funktionsweise des Polders hinsichtlich der erforderlichen Zu- und Entwässerung. Wissenschaftler der Leibniz Universität Hannover stellten die Ergebnisse der Erfolgskontrollen vor und demonstrierten im Grünland die dazu durchgeführten Bodenuntersuchungen.

Umgesetzt werden die beispielhaften Maßnahmen im KommKlima-Projekt unter Federführung des Senators für Umwelt, Bau und Verkehr durch die Hanseatische Naturentwicklung GmbH (h a n e g) in den Grünlandschutzgebieten Niedervieland und Brokhuchting.

Neben der Herstellung des Grünlandpolders wurden Kleingewässer vertieft, um ein Austrocknen vor dem Abschluss der Amphibienentwicklung zu verhindern. Zur Anpassung an zunehmend wechselhafte Witterungsverhältnisse wurden auf Probeflächen Pflanzenarten schutzwürdiger Grünlandbiotope, die auch auf weniger feuchten Standorten gedeihen und sich bei weiterer Veränderung des Klimas im Bremer Feuchtgrünland ausbreiten könnten.

Im Naturschutzgebiet Ochtumniederung bei Brokhuchting werden zudem verschiedene Wasserbauwerke zur flexibleren und schnelleren Zu- und Entwässerung des Grünlands optimiert. Die Umsetzung dieser Maßnahmen wird im Herbst 2019 abgeschlossen.

Ob die gewählten Maßnahmen tatsächlich geeignet sind, die Resilienz der Lebensräume und Arten gegenüber den Folgen des Klimawandels zu erhöhen, wird durch Erfolgskontrollen im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitforschung überprüft. Hieran arbeitet ein Team der Leibniz Universität Hannover unter Leitung von Prof. Dr. Michael Reich. Zur Umsetzung der Untersuchungen im Gelände sind Freilandbiologen aus Bremen in das Forschungsprojekt eingebunden.

Ein „Klimawandel-Pflegeplan“ führt am Ende des Vorhabens die Erkenntnisse zusammen und formuliert Ziel- und Handlungsempfehlungen zum Umgang mit den Folgen der Klimaveränderungen in Bezug auf geeignete Naturschutzmaßnahmen, ihr zukünftiges Management und ihre Pflege. Die Ergebnisse des Projektes werden bundesweit übertragbar sein. Hierzu liefert auch die integrierte Forschungsarbeit von Prof. Dr. Christina von Haaren einen Beitrag. Deren Ziel ist es, Möglichkeiten aufzuzeigen, um Methoden und Instrumente des Naturschutzes an die Bewältigung des Klimawandels anzupassen. Damit können die in Bremen gewonnenen Erfahrungen auch in das Handeln der Naturschutzbehörden Eingang finden.

“Damit ist das KommKlima-Projekt eines der innovativen Vorhaben mit bundesweiter Strahlkraft für den vorsorgenden Arten- und Biotopschutz im Klimawandel zur Umsetzung der Nationalen Biodiversitätsstrategie der Bundesregierung“, betont BfN-Präsidentin Prof. Jessel.

„Die genannten Maßnahmen im KommKlima-Projekt unterstützen damit die im Frühjahr 2018 vom Bremer Senat beschlossene Klimaanpassungsstrategie des Landes Bremen“, betonte Umweltstaatsrat Ronny Meyer. „Mit dieser verpflichten sich Bremen und Bremerhaven, wichtige vorsorgende Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel in gesellschaftlich relevanten Handlungsfeldern durchzuführen. Neben dem Gesundheitswesen und der Infrastruktur wird hier auch dem Naturschutz und der Landwirtschaft eine besondere Bedeutung zur Durchführung von Vorsorgemaßnahmen beigemessen.“

Das 6jährige Forschungs- und Umsetzungsvorhaben wird im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) mit insgesamt 2,5 Millionen Euro gefördert.

Projektträger für den Umsetzungssteil des Vorhabens ist die städtische Gesellschaft Hanseatische Naturentwicklung GmbH (h a n e g) als verantwortliche Stelle für die Herstellung und das Management von Kompensationsmaßnahmen und Naturschutzflächen in Bremen.

„Das von der h a n e g und der Leibniz Universität Hannover durchgeführte Projekt dient der Umsetzung unserer Bremer Klimaanpassungsstrategie. Es zeigt zudem beispielhaft Wege auf, wie die Auswirkungen des Klimawandels durch Vorsorge abgepuffert und entsprechende Maßnahmen naturschutzrechtlich verankert werden können“, so Staatsrat Ronny Meyer.

 

erschienen am: 2019-08-13 im europaticker



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