europaticker:
Umweltminister Lies macht Druck: Hintertür für Atomendlager Gorleben muss geschlossen werden

..................

Niedersachsen bekräftigt die Pilotkonditionierungsanlage für hochradioaktive Abfälle zu schließen

Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies hat sich am Freitag als oberste Atomaufsicht einen Überblick über die Zwischenlager für radioaktiven Abfall in Gorleben verschafft. Dabei besichtigte Lies sowohl das Abfallzwischenlager Gorleben (AZG), das Brennelementzwischenlager (BZG) wie auch die Pilotkonditionierungsanlage (PKA). Begleitet wurde der Minister zudem von Experten des Ministeriums sowie der Führungsspitze der BGZ.

Ausführlich ließ sich Minister Lies insbesondere über die Pilot-Konditionierungsanlage informieren. In der PKA sollten ursprünglich Verfahren erprobt werden, um Brennelemente zu behandeln und endlagergerecht zu „konditionieren“. Die Anlage ist jedoch niemals in Betrieb gegangen und es wurden zu keiner Zeit hochradioaktive Abfälle konditioniert.

Gorleben-Kritiker betrachten den Bau jedoch als sicheres Indiz dafür, dass ein Atomendlager Gorleben keineswegs vom Tisch sei, weil eine Konditionierungsanlage für den Betrieb eines Endlagers benötigt wird - egal an welchem Standort. Umweltminister Lies sieht in dieser Anlage ein „symbolträchtiges Relikt aus alten Zeiten“, auf das Niedersachsen gut verzichten kann, nachdem mit dem Standortauswahlgesetz die Endlagersuche in ganz Deutschland gestartet wurde. „Ich fordere den Rückbau der Konditionierungsanlage, weil damit ein sichtbares Zeichen gesetzt wird, dass die Hintertür für ein Endlager Gorleben geschlossen wird“, erklärte der Umweltminister.

Die Anlage dient jetzt als zusätzliche Sicherheitseinrichtung, um im Notfall defekte Castorbehälter instand setzen zu können. Sobald ein alternatives Konzept vorliegt, beabsichtigt die BGZ den Rückbau zu starten. Zudem hatte das Bundesumweltministerium bereits Ende 2018 angekündigt, dass es noch in dieser Legislaturperiode eine Entscheidung zur Stilllegung der Pilotkonditionierungsanlage geben werde. „Ich erinnere hiermit den Bund ausdrücklich an dieses Versprechen“, betonte Lies.

Intensiv informierte sich der Umweltminister auch zum Zustand des Abfallzwischenlagers AZG. Nach der Übernahme der Zuständigkeit durch das Umweltministerium im Jahr 2014 hat es hier eine Reihe von sicherheitstechnischen Problemen gegeben: Feuchtigkeit im Lager, Korrosionsspuren an Fässern sowie Farbabplatzungen an Gebinden. Auf Initiative des Umweltministeriums wurden zahlreiche Maßnahmen zur Verbesserung der Lagerbedingungen und ein Überwachungskonzept eingeführt. Minister Lies lobte, dass nach einigen „Anlaufschwierigkeiten“ sicherheitstechnische Nachrüstungen endlich eingebaut wurden. Er zeigte sich zufrieden mit dem vom Umweltministerium durchgesetzten Kontrollsystem.

Nach einer Besichtigung der Pilotkonditionierungsanlage (PKA), des Abfalllagers und des Transportbehälterlagers lobte Lies vor Medienvertretern ausdrücklich die Beschäftigten der BGZ: „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hier vor Ort leisten hervorragende Arbeit und zeigen ein hohes Verantwortungsbewusstsein.“ „Wir alle sind die BGZ“, fasste Lies die Tatsache zusammen, dass es sich bei der BGZ nicht um ein privatwirtschaftliches Unternehmen, sondern um eine Institution des Staates handelt.

Der Umweltminister bekräftigte im Anschluss an seinen Besuch, die Pilotkonditionierungsanlage (PKA) für hochradioaktive Abfälle zu schließen. Der Vorsitzende der BGZ-Geschäftsführung Dr. Ewold Seeba ergänzte: „Im Oktober 2018 hatte der Staatssekretär im Bundesumweltministerium Jochen Flasbarth auf einer Sitzung des Kreis-Atomausschusses in Lüchow bereits den Rückbau der PKA angekündigt. Die BGZ hat umgehend mit den entsprechenden Planungen begonnen. Wir sind derzeit dabei, die genehmigungsrechtlichen Voraussetzungen dafür zu schaffen, um am Ende die PKA gänzlich zurückzubauen.“

erschienen am: 2019-09-09 im europaticker



Wir verwenden keine Cookies, weil uns das Surfverhalten von mehr als 1 Millionen Besucher monatlich nichts angeht.

Schreiben Sie uns Ihre Meinung zu dem Beitrag:
Ihre Meinung ist uns wichtig!

Impressum (Kurzfassung):
EUROPATICKER mit den Magazinen: Umweltruf, Korruptionsreport und Green IT
Das Magazin mit Hintergrund aus der Entsorgungsbranche
Deutscher Presserat (ID-Nummer 3690)

Herausgeber Hans Stephani
Beratender Betriebswirt - Journalist - Autor
Blumenstr. 11, 39291 Möser
Telefon: 039222 - 4125 Telefax: 039222 - 66664
Der EUROPATICKER Umweltruf erscheint im 19. Jahrgang. Das Ersterscheinungsdatum war der 20. März 2000.

Für die Titel: EUROPATICKER, KORRUPTIONSREPORT und UMWELTRUF nehmen ich Titelschutz nach § 5 Abs. 3 MarkenG. in Anspruch.
Ich unterliege dem Presserecht des Landes Sachsen-Anhalt.
Verantwortlich im Sinne des Presserechtes und nach Telemediengestz (TMG) ist: Diplom-Betriebswirt Hans Stephani.

Anzeigenverwaltung:
EUROPATICKER - Verlag  GmbH, Eingetragen im Handelsregister des Amtsgerichts Stendal unter der Nummer B 2311, Geschäftsführer: Beatrix Stephani, Steuerliche Angaben: Finanzamt Genthin Steuernummer: 103/106/00739, Blumenstr. 11 D-39291 Möser Telefon: 039222 4125, Telefax: telefax@europaticker.de

    Zurück zum Nachrichtenüberblick                                    Diese Meldung ausdrucken