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Das "Klaus Töpfer Sustainability Fellowship" ist benannt nach dem ehemaligen Bundesumweltminister,
Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen und Gründungsdirektor des IASS

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IASS heißt erste Klaus-Töpfer-Stipendiatin willkommen

Die brasilianische Gesundheitsexpertin Nicole de Paula ist die erste Inhaberin des neu geschaffenen "Klaus Töpfer Sustainability Fellowship". De Paula ist seit 2016 Exekutivdirektorin des Global Health Asia Institute (GHAI) in Bangkok, eines Thinktanks, der die Synergien zwischen nachhaltiger Entwicklung und menschlicher Gesundheit erforscht und die Umsetzung praktischer Maßnahmen fördert. Zudem ist sie Gründerin von „Resilient Nomads“, einer gemeinnützigen Organisation, die Umwelt- und Gesundheitskompetenzen vermittelt. Die 36-Jährige überzeugte eine international besetzte Auswahlkommission sowohl mit ihren wissenschaftlichen Referenzen als auch mit ihren Erfahrungen in der Politikberatung und der Zusammenarbeit mit UN-Institutionen.

Das "Klaus Töpfer Sustainability Fellowship" ist benannt nach dem ehemaligen Bundesumweltminister, Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen und Gründungsdirektor des IASS. Das IASS würdigt mit dem Stipendium Personen, die eine Brücke zwischen Wissenschaft, Politik und Gesellschaft schlagen. Nicole de Paula wird in Potsdam ein Jahr lang erforschen, wie Akteure im Bereich nachhaltige Entwicklung und Gesundheit besser zusammenarbeiten können. Das derzeit verbreitete „Silodenken“, so ihre These, hemme die Kooperation und behindere dadurch Fortschritte. 

De Paula hat in Politikwissenschaften mit dem Schwerpunkt Internationale Beziehungen an der Sciences Po Paris promoviert. Ihre Doktorarbeit erhielt den „Young Researcher Prize“ der Treilles Foundation in Frankreich. Als Mitglied der Kommission für Bildung und Kommunikation der International Union for Conservation of Nature setzt sie sich für eine stärkere Anerkennung der Zusammenhänge zwischen Naturschutz und Gesundheit ein. 

Raus aus dem Silo – für Umwelt und Gesundheit

Im Interview erklärt Klaus Töpfer Sustainability Fellow Nicole de Paula, wie Umweltveränderungen unsere Gesundheit beeinflussen und wie das Konzept der „planetaren Gesundheit“ zum Schutz von beidem beiträgt.

In Ihrer Arbeit am Global Health Asia Institute machen Sie die Verbindung zwischen Naturschutz und Gesundheit bekannter. Inwiefern gibt es da Nachholbedarf?

Nicole de Paula: Natürlich wissen wir grundsätzlich, dass schmutzige Luft und Pestizide schlecht für uns sind. Aber wie genau die Umweltveränderungen, die wir Menschen verursachen, für die Entstehung neuer und die Verschlimmerung existierender Krankheiten verantwortlich sind, müssen wir noch besser verstehen. Die Herausforderung ist, dass viele medizinische Probleme noch sehr isoliert betrachtet werden. Tatsächlich profitiert aber die öffentliche Gesundheit von einer fortschrittlichen Umweltpolitik. Denn unsere Körper sind keine isolierten oder mechanischen Einheiten. Sie reagieren auf sozialen Stress wie auch auf Umweltstress.  Mir liegt deshalb das Konzept der „planetaren Gesundheit“ sehr am Herzen. Dieses betont die tiefe Verbundenheit zwischen einem gesunden Planeten und gesunden Menschen. Fachleute sollten über ihren eigenen Tellerrand hinausschauen, denn keine Disziplin und kein Land alleine kann den Planeten und unsere eigene Gesundheit vor dem Schaden retten, den wir Menschen verursachen.

Sie kommen aus Brasilien. Dort hat sich die Zerstörung des Amazonasregenwaldes seit Präsident Bolsonaros Amtsantritt stark beschleunigt. Der aber verbittet sich Ratschläge aus dem Ausland.

Nicole de Paula: Die Brände im Amazonasregenwald sind furchtbar, keine Frage. Aber so problematisch Bolsonaros Handeln auch ist: Es ist nicht hilfreich, mit dem Finger auf den Globalen Süden zu zeigen und dabei unter den Tisch fallen zu lassen, dass das Wirtschaftswachstum im Norden von der Zerstörung der eigenen natürlichen Ressourcen geprägt war und weiterhin von importierten Rohstoffen abhängt. Dieser Fortschritt hatte versteckte Preisschilder, die jetzt in Form von übermäßiger Verschmutzung, psychischen Krankheiten, Antibiotikaresistenzen, der Klimakrise, Fettleibigkeit und anderen Problemen zu Tage treten. Die Schwellen- und Entwicklungsländer müssen einen anderen Weg einschlagen und ein Gleichgewicht zwischen Naturschutz und wirtschaftlicher Entwicklung finden. Mit meiner Arbeit möchte ich dazu beitragen, diese Fragen stärker in der politischen Agenda zu verankern, um den Wandel voranzutreiben.

Wie hilft Ihnen das "Klaus Töpfer Sustainability Fellowship" dabei?

Nicole de Paula: An Klaus Töpfer und dem IASS bewundere ich besonders das Engagement für eine „transdisziplinäre Wissenschaft“, in der Natur-, Sozial- und Geisteswissenschaftler gemeinsam mit Vertretern aus Politik und Zivilgesellschaft an Nachhaltigkeitsthemen arbeiten. Transdisziplinäre Zusammenarbeit ist auch mein Ziel und darin habe ich Erfahrung. Am Global Health Asia Institute helfen wir lokalen Gemeinschaften, an der Genese von Wissen an der Schnittstelle von Umwelt und Gesundheit teilzuhaben. Wir wissen jetzt, dass es kontraproduktiv ist, an einem Ort aufzuschlagen und Lösungen „von oben“ aufdrücken zu wollen. In den ländlichen Gegenden von Kambodscha oder Laos zum Beispiel macht es Sinn, die Ansichten lokaler Gemeinschaften einzubeziehen. Sie sollten ihr Wissen mit den Wissenschaftlern teilen. In vielen Fällen sind vordefinierte akademische Forschungsfragen auf der lokalen Ebene überhaupt nicht relevant. 

Was sind Ihre Pläne für Ihr Fellowship-Jahr?

Nicole de Paula: Ich möchte mein Fellowship zum einen dafür nutzen, meine Erkenntnisse zu veröffentlichen, wie man planetare Gesundheit  vor Ort in die Tat umsetzen kann. Zudem hoffe ich, neue Netzwerke in Lateinamerika zu etablieren, um das Thema der planetaren Gesundheit bekannter zu machen und Beiträge vorzubereiten für das nächste Planetary Health Annual Meeting. Das wird im Frühjahr 2021 in Brasilien stattfinden. Vor allem möchte ich Frauen ins Zentrum von Lösungen für die planetare Gesundheit rücken. Zum Beispiel würde ich gerne den Global Female Leaders Summit in Berlin nutzen, um eine „Women for Planetary Health“-Bewegung ins Leben zu rufen. Einflussreiche Frauen könnten als Mentorinnen und Unterstützerinnen von Projekten agieren, die die Bildung und die Handlungskompetenz junger Mädchen in den schwächsten Gebieten unseres Planeten stärken. Darüber hinaus glaube ich, dass Kunst, und nicht nur Wissenschaft, Veränderungen anregen kann.

erschienen am: 2019-09-10 im europaticker



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