europaticker:
Recycling voranbringen, Rezyklatmindestanteil einführen und öffentliche Verantwortung stärken

..................

Regeln für die Nutzung von recyceltem Kunststoff müssen modernisiert werden

Wir verfügen in Deutschland seit Jahren über eine funktionierende Entsorgungsstruktur und Recyclingwirtschaft und haben den Eintrag von Abfällen in die Umwelt reduziert. Doch wir produzieren noch immer zu viel Müll. Aktuelle Konsumgewohnheiten wie der Coffee-to-Go oder Take-Away haben das beschleunigt. Und es gibt immer noch Verpackungen, die nicht recycelbar sind. Darüber hinaus sind Produkte kurzlebiger, werden zu selten repariert und zu schnell weggeworfen. Die Kunststoffabfallmenge stieg in Deutschland im Zeitraum von 1994 bis 2017 von 2,80 auf ca. 6,15 Millionen Tonnen.

Die SPD-Bundestagsfraktion hält es angesichts ökologischer Grenzen für vordringlich, die im Abfall enthaltenen Wertstoffe im Kreislauf dauerhaft verfügbar zu machen. Angesichts der zunehmenden Vermüllung der Umwelt durch Plastikabfälle brauchen wir neben wirkungsvoller Abfallvermeidung und zusätzlichen Mehrwegsystemen ein starkes Recycling. Wir können es uns nicht länger leisten, globale Ressourcen zu verschwenden. Und wir wollen nachfolgenden Generationen nicht unseren Wohlstandsmüll und die Folgen hinterlassen.

Durch die Verabschiedung des Verpackungsgesetzes in der 18. Legislaturperiode, haben wir neben dem Erhalt der Mehrwegquote einen Schritt zur Schaffung von nachhaltigen Verpackungen und zur Stärkung des Recyclings gemacht.  

Regeln für die Nutzung von recyceltem Kunststoff müssen modernisiert werden

Kunststoff erleichtert den Menschen seit vielen Jahrzehnten das Leben und ist für viele industrielle Prozesse unverzichtbar.  Dennoch wächst die Kritik am kontinuierlich steigenden Verbrauch von Kunststoff sowie an den unbefriedigenden Recyclingraten von etwa 30 Prozent in Europa, 25 Prozent in China und nur etwa 9 Prozent in den USA. Hinzu kommt: Nicht vorhandene Sammelstrukturen führen dazu, dass zu viel Kunststoff in Meeren, in Flüssen und auf Deponien landet.

Das Problem drängt, „aber eine einfache Lösung gibt es nicht. Politik, Wirtschaft, Technik und Gesellschaft müssen sich alle einbringen, um in Zukunft mehr recycelte Kunststoffe in neuen Produkten zu bekommen“, sagte Naemi Denz, Geschäftsführerin des VDMA Fachverbands Abfall- und Recyclingtechnik, auf dem Fachforum „Deutschland – Plastikland“ der SPD-Bundestagsfraktion am 9. September in Berlin.

Mehr Sekundärkunststoffe in Produkten

Deutschland hat, wie viele andere Staaten auch, bereits funktionierende Sammel- und Sortierstrukturen. Das führt aber nicht dazu, dass ausreichend Sekundärkunststoffe in neue Produkte eingesetzt werden. Insbesondere trifft das auf die Kunststoffabfälle zu, die wir alle täglich „produzieren“. Nur 5,6 Prozent der eingesetzten Kunststoffmenge stammen aus solchen Abfällen. Bei der Gesamteinsatzquote aus Sekundärkunststoffen sieht es nur unwesentlich besser aus: sie beträgt 12 Prozent. „Wir brauchen endlich ein starkes Zeichen aus dem Markt. Die Diskussion über einen Rezyklatmindestanteil ist deshalb verständlich. Ganz sicher brauchen wir aber breit angelegte Qualitätsstandards für Sekundärkunststoffe, um in Zukunft sowohl zuverlässige Lieferketten als auch Prozesssicherheit bei der Herstellung von Verpackungen zu gewährleisten“, erläuterte Denz.

Hinterfragt werden muss aus Sicht des VDMA Fachverband Abfall- und Recyclingtechnik darüber hinaus, ob die geltenden gesetzlichen Vorgaben für die Lebensmittelsicherheit und den Bereichen Pharma und Kosmetik noch zeitgemäß sind. Anschaulich erläuterte Denz anhand einer Kunststoffflasche des Unternehmens W-Müller GmbH Blasformtechnik die Problematik. In die Flasche aus 100 Prozent recyceltem Kunststoff (Mono PCR) darf, auf Grund der aktuellen rechtlichen Vorgaben, noch nicht einmal ein Shampoo abgefüllt werden. „Wir müssen diskutieren, ob die vor Jahren erstellten Regeln für den Einsatz recycelter Kunststoffe noch zeitgemäß sind“, so Denz abschließend.

erschienen am: 2019-09-10 im europaticker



Wir verwenden keine Cookies, weil uns das Surfverhalten von mehr als 1 Millionen Besucher monatlich nichts angeht.

Schreiben Sie uns Ihre Meinung zu dem Beitrag:
Ihre Meinung ist uns wichtig!

Impressum (Kurzfassung):
EUROPATICKER mit den Magazinen: Umweltruf, Korruptionsreport und Green IT
Das Magazin mit Hintergrund aus der Entsorgungsbranche
Deutscher Presserat (ID-Nummer 3690)

Herausgeber Hans Stephani
Beratender Betriebswirt - Journalist - Autor
Blumenstr. 11, 39291 Möser
Telefon: 039222 - 4125 Telefax: 039222 - 66664
Der EUROPATICKER Umweltruf erscheint im 19. Jahrgang. Das Ersterscheinungsdatum war der 20. März 2000.

Für die Titel: EUROPATICKER, KORRUPTIONSREPORT und UMWELTRUF nehmen ich Titelschutz nach § 5 Abs. 3 MarkenG. in Anspruch.
Ich unterliege dem Presserecht des Landes Sachsen-Anhalt.
Verantwortlich im Sinne des Presserechtes und nach Telemediengestz (TMG) ist: Diplom-Betriebswirt Hans Stephani.

Anzeigenverwaltung:
EUROPATICKER - Verlag  GmbH, Eingetragen im Handelsregister des Amtsgerichts Stendal unter der Nummer B 2311, Geschäftsführer: Beatrix Stephani, Steuerliche Angaben: Finanzamt Genthin Steuernummer: 103/106/00739, Blumenstr. 11 D-39291 Möser Telefon: 039222 4125, Telefax: telefax@europaticker.de

    Zurück zum Nachrichtenüberblick                                    Diese Meldung ausdrucken