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Nestlé: Auf unserem Weg besser zu werden, lassen wir uns gern kritisch und konstruktiv von
NGOs wie der Deutschen Umwelthilfe begleiten

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Goldener Geier 2019: Deutsche Umwelthilfe überreicht Negativpreis für Vittel Einweg-Plastikflaschen

Mit der Nestlé Deutschland AG wurde heute erstmals ein Unternehmen von der Deutschen Umwelthilfe (DUH) mit dem Negativpreis "Goldener Geier" ausgezeichnet. Über 20.000 Verbraucherinnen und Verbraucher haben bei der Wahl für den "Goldenen Geier" abgestimmt. Von insgesamt sechs nominierten Plastikverpackungen wurde das aus Frankreich importierte und mehrfach in Einweg-Kunststoff verpackte Mineralwasser Vittel von Nestlé zur unsinnigsten Verpackung des Jahres gewählt.

Bei der heutigen Übergabe des "Goldenen Geiers" vor der Konzernzentrale von Nestlé in Frankfurt am Main blieb Vorstandschef Marc-Aurel Boersch fern und schickte dafür Marc Honold, Geschäftsführer von Nestlé Waters Deutschland vor. Vorstandschef und Unternehmensentscheider Boersch bringt damit zum Ausdruck, dass er den Wunsch der Verbraucherinnen und Verbraucher nach weniger Plastikmüll nicht ausreichend ernst nimmt, überschätzt der Verband seine Wichtigkeit. Die DUH fordert Nestlé auf, dem Ansinnen der Bürgerinnen und Bürger nachzukommen und den Plastikflaschen-Irrsinn zu beenden. Getränke sollten zukünftig in wiederverwendbaren Mehrwegflaschen abgefüllt und auf kurze Transportwege geachtet werden.

Nachgefragt: Trotz recyceltem Kunststoff - Negativ-Preis für Wasserflasche. Recyclinganteil steigt von 35 auf 100 Prozent

Deutsche Umwelthilfe kürt Wasser-Flasche mit „Goldenem Geier“, die recycelbar ist und ab 2020 bereits 100 statt bisher 35 Prozent recyceltes PET (rPET) enthält.

Die Deutsche Umwelthilfe hat die Vittel 0,33l-Flasche für den Goldenen Geier ausgewählt. „Wie jede andere PET-Flasche auch, ist die ausgewählte Flasche Teil des Pfandsystems und damit recyclingfähig“, sagt Marc Honold, Geschäftsführer Nestlé Waters Deutschland und Österreich. „Den Goldenen Geier sehen wir trotzdem als Ansporn, denn die Deutsche Umwelthilfe und wir haben ein gemeinsames Ziel: bessere und nachhaltigere Verpackungen. Deshalb besteht die Flasche heute schon zu 35 Prozent aus recyceltem Kunststoff. Ab 2020 stellen wir sowohl die 0,33l- als auch die 0,5l-Flasche auf 100 Prozent recycelten Kunststoff um, noch in diesem Jahr die 0,75l-Flasche“, so Marc Honold weiter. Auch die Umverpackung besteht aus 50 Prozent recycelten Kunststoff. „Auf unserem Weg besser zu werden, lassen wir uns gern kritisch und konstruktiv von NGOs wie der Deutschen Umwelthilfe begleiten“, ergänzt Honold.

Die ausgewählte 0,33l-Vittel Flasche ist durch ihre praktische Größe gerade bei Eltern beliebt, die sie ihren Kindern mitgeben, damit diese auch unterwegs ausreichend Wasser trinken. Sie passt in jeden Turnbeutel oder in die Schultasche. Fast jeder Zweite in Deutschland kauft regelmäßig oder gelegentlich stilles Wasser in einer 0,33l-Flasche. Die Nachfrage danach ist in den letzten zwei Jahren sogar um mehr als 60 Prozent gestiegen. Im Vergleich zu Glasflaschen sind PET-Flaschen leichter. Das macht den Transport umweltfreundlicher. Um CO2 Emissionen zu sparen, transportiert Nestlé Waters das Wasser teilweise mit der Bahn von Frankreich nach Deutschland. Nestlé arbeitet über alle Produkte hinweg daran, Verpackungen zu verbessern. Bis 2025 sollen weltweit 100 Prozent der Verpackungen wiederverwendbar oder recycelbar werden. Gleichzeitig will Nestlé mehr recyceltes Material einsetzen. Heute sind in Deutschland bereits 97 Prozent des von Nestlé eingesetzten Verpackungsmaterials recycelbar.

"Dass der Goldene Geier nicht persönlich vom Nestlé-Vorstandschef Marc-Aurel Boersch entgegengenommen wurde, zeigt, wie wenig sich der Konzern wirklich für Umweltschutz und die Interessen der Verbraucher interessiert. Das spiegelt sich auch im Angebot des französischen Mineralwassers Vittel in Einweg-Plastikflaschen wieder. Die Einwegflaschen bestehen noch immer zu 65 Prozent aus Rohöl. Wenig Wasser in viel Verpackung, der 8er Pack nochmal mit Schrumpffolie umwickelt und dazu lange Transportwege von Frankreich nach Deutschland. Das ist ökologischer Wahnsinn. Deshalb hat Nestlé den Goldenen Geier für die unsinnigste Plastikverpackung des Jahres auch verdient", sagte die Stellvertretende DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz, anlässlich der persönlichen Preisübergabe in Frankfurt am Main.

Einweg-Plastikflaschen sind umweltschädigend, weil sie für jeden Abfüllprozess energie- und ressourcenintensiv neu hergestellt werden müssen. Durch die besonders kleine Füllgröße des ausgewählten Vittel-Wassers von nur 0,33 Liter verschlechtert sich das Verhältnis des eingesetzten Verpackungsmaterials zum Füllgut. Je kleiner die Füllgröße, desto überproportional mehr Verpackungsmaterial muss eingesetzt werden.

Der Einsatz von Recyclingmaterial kann die Umweltauswirkungen von Einwegflaschen, wenn überhaupt nur verringern, jedoch nicht kompensieren. Beim Recyclingprozess alter Plastikflaschen wird durch aufwendige Reinigungs-, Verarbeitungs- und Veredelungsprozesse der Kunststoff bis zu vier Mal aufgeschmolzen, was viel Energie kostet. Das Spülen von Mehrwegflaschen ist umweltfreundlicher und ressourcenschonender als die Neuproduktion von Einweg-Plastikflaschen.

"Die Einweg-Plastikflaschen von Nestlé sind das Symbol einer exzessiven und ressourcenvergeudenden Wegwerfkultur. Die bisherige Abfallpolitik von Umweltministerin Svenja Schulze ist gescheitert, weil sie industriefreundlich ist und keine ausreichenden ökonomischen Anreize setzt Abfälle zu vermeiden, Verpackungen wiederzuverwenden und sparsam mit Ressourcen umzugehen", kritisiert Metz. Anders ist es nicht zu erklären, warum 63 Prozent des Obstes und Gemüses in Plastik und Pappe vorverpackt wird, Deutschland beim Anfall von Verpackungsmüll Europameister ist und sich der Verbrauch von Plastikverpackungen pro Kopf und Jahr von 19 Kilogramm in 1995 auf heute 37 Kilogramm verdoppelt hat. Die Vielzahl von Verbrauchern gemeldeten und für den Goldenen Geier nominierten Einweg-Plastikverpackungen sprechen eine eindeutige Sprache.

"Umweltministerin Svenja Schulze muss der unnötigen Abfallflut endlich wirksame gesetzliche Regelungen entgegenstellen. Appelle an Unternehmen und freiwillige Selbstverpflichtungen werden die Abfallberge nicht schrumpfen lassen. Deshalb ist die Einführung eines verbindlichen Ziels zur Halbierung des Verpackungsmülls auf 120 Kilogramm pro Kopf und Jahr bis 2030 notwendig. Die gesetzliche Mehrwegquote für Getränkeverpackungen von 70 Prozent muss konsequent umgesetzt werden, notfalls auch mit Sanktionen, wie der Einführung einer Abgabe auf Einweg-Plastikflaschen und Dosen von 20 Cent zusätzlich zum Pfand. Gleichzeitig muss der Einsatz von Plastik deutlich teurer gemacht werden, beispielsweise durch eine deutliche Erhöhung der Lizenzentgelte oder die Einführung einer Ressourcensteuer", fordert Metz.

Bei der Abstimmung zum Goldenen Geier wurden die sechs nominierten Produkte mit folgenden Ergebnissen gewählt:

- In einer Plastikschale mit Foliendeckel verpackte Melonenstücke - Rewe (ca.19 Prozent abgegebene Stimmen)

- Französisches Mineralwasser der Marke Vittel in 0,33l Einweg-Plastikflaschen im 8er Pack mit Folie umwickelt - Nestlé (ca. 21 Prozent)

- Gartenkräuter in überdimensionierter Plastikschale im Foliensack - Edeka (ca. 10 Prozent)

- Ein einzelnes in Hartplastik verpacktes Kuchenstück - Lidl (ca. 13Prozent)

- Tüte in der Tüte - kleine Gummibärentütchen aus Plastik in einer großen Tüte - Haribo (ca. 19 Prozent)

- Finish Maschinenpflegetabs in einer halbleeren XXL-Hartplastikbox - Reckitt Benckiser (ca. 18 Prozent) Auch im kommenden Jahr wird die DUH die Verbraucher zur Wahl des Goldenen Geiers aufrufen.

erschienen am: 2019-09-10 im europaticker



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