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Werraversalzung: Fische haben keine Überlebenschance - Giftigkeit der Salzabwässer werden unterschätzt

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Studie zum Thüringisch-hessisches Kalirevier vorgestellt

Im Rahmen einer heute im Hessischen Landtag vorgestellten wissenschaftlichen Studie wurde erstmals der Nachweis geführt, dass sich bereits bei relativ geringer Salzkonzentration keine Fische mehr in der Werra vermehren können. Dazu erklärt Torsten Felstehausen, umweltpolitscher Sprecher der Fraktion DIE LINKE. im Hessischen Landtag: „Die Salzgrenzwerte für die Werra müssen abgesenkt werden, damit Fische in dieser dauerhaft leben können. Das ist die entscheidende Schlussfolgerung aus der wissenschaftlichen Studie von Marit Wagler. Noch 2015 behauptete Hessens Umweltministerin Priska Hinz (Grüne), dass bei dem gültigen Salz-Grenzwert keine nachteiligen Effekte auf die Fischvermehrung festzustellen seien (s. Drs. 19/2338). Diese Aussage ist jetzt Makulatur. Der bisher angewandte Fischeitest ist ungeeignet. Wir erwarten, dass das Umweltministerium K+S mit den Forschungsergebnissen konfrontiert wird und die Bewertung und Genehmigung von Salzeinleitungen in die Werra neu ausrichtet.“

Nur so kann ein neues EU-Vertragsverletzungsverfahren verhindert werden, so Felstehausen. Zum Schutz der Arbeitsplätze müsse das hessische Umweltministerium jetzt aktiv werden.

Marit Wagler, Autorin der Doktorarbeit zur Giftigkeit der K+S-Abwässer und Abgeordnete der LINKEN im Thüringer Landtag ergänzt: „Mit den über 70 Jahren alten Grenzwerten für die Salzeinleitung gibt es fast keine überlebenden Nachkommen bei Fischen. Die Grenzwerte, die ab 2021 gelten sollen, schädigen die Nachkommen von Süßwasserfischen so stark, dass keine sich selbst erhaltenden, stabilen Fischpopulationen in der Werra wahrscheinlich sind. Dies fordert jedoch die Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Union.“

Mit dem seit vielen Jahren angewendeten Fischeitest könnten nur sehr beschränkt Aussagen über die Giftigkeit von Salzabwässern auf die Fischvermehrung getroffen werden. Zur Beurteilung der Folgen der Salzeinleitung müsse der ganze Entwicklungszyklus von Fischen herangezogen werden und nicht nur die Entwicklung bereits befruchteter Eier, so Wagler.

„Der gängige Fischeitest wird durchgeführt, indem befruchtete Fischeier mit den Abwässern in verschiedenen Konzentrationen begiftet werden. Die Schädigung der Embryonen ist dann ausschlaggebendes Kriterium. Allerdings schützt die Eischale den Embryo kurz nach der Befruchtung, wenn sie ausgehärtet ist, sehr gut. Spermien und Larven nach dem Schlupf haben diesen Schutz nicht. Das wurde bisher nicht berücksichtigt. Darüber hinaus beeinträchtigen die unnatürlich hohen Magnesium-Calcium- sowie Kalium-Calcium-Verhältnisse in den Abwässern von K+S die Entwicklung von Wirbelsäule und Herz-Kreislauf-System bei Fischen. Solche Mischungsverhältnisse sind in der Natur weder im Süß- noch im Salzwasser zu finden.“

Tilo Kummer (DIE LINKE), Vorsitzender des Umweltausschusses im Thüringer Landtag, erklärt: „Bis dato hat sich das hessische Umweltministerium bei seinen Aussagen zur Fischeigiftigkeit des Werrawassers auf Gutachter gestützt, die seit Jahren Auftragnehmer der K+S Kali GmbH sind und deren Untersuchungsergebnisse mehrfach als wissenschaftlich nicht haltbar bezeichnet worden sind.

Die Arbeit von Marit Wagler hat auch erhebliche Auswirkungen auf die Berechnung der Höhe der Abwasserabgabe in Hessen. Die Fischeigiftigkeit wird in Hessen zur Bewertung der Schädlichkeit von salzhaltigen Abwässern herangezogen. Die Berechnung der hessischen Abwasserabgabe muss auf Grundlage der Forschungsergebnisse neu aufgestellt werden. Das gilt nicht nur für die Abwässer von K+S. Die wirklichen Effekte müssen Berücksichtigung bei der Höhe der Abgabe finden, um mit den eingenommenen Geldern wirksame Schritte zum Erreichen der Ziele der Wasserrahmenrichtlinie finanzieren zu können.“

Hinweis:

Bei der Beurteilung der schädlichen Wirkung der Salzabwässer, die vom hessischen Kali-Unternehmen K+S KALI GmbH in die Werra eingeleitet werden, wird ein nicht ausreichendes Testverfahren (Fischeitest nach DIN 38415-6) eingesetzt. Die Biologin und Abgeordnete der LINKEN in Thüringen, Marit Wagler, untersuchte in ihrer Doktorarbeit die Giftigkeit der Abwässer von K+S. Sie und der Vorsitzende des Umweltausschusses im Thüringer Landtag, Tilo Kummer, fordern gemeinsam mit Torsten Felstehausen, umweltpolitscher Sprecher der Fraktion DIE LINKE. im Hessischen Landtag, Konsequenzen aus den am Leibnitz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei abgeschlossenen Untersuchungen.

erschienen am: 2019-11-05 im europaticker



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