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Die Schweizer Berufsfischer klagen über abnehmende Fangerträge und verlangen daher
Massnahmen der öffentlichen Hand

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fair fish: Klares Nein zu den Forderungen der Schweizer Berufsfischer

Die geforderte Hilfe reicht von Subventionen bis zur Düngung der Seen, damit deren Wasser wieder mehr Nährstoff enthält. Mitte November 2019 wollen Vertreter von Bund, Kantonen und Berufsfischern an einer nichtöffentlichen Tagung verhandeln. Gespenstische Forderungen, die der Verein fair-fish rundweg ablehnt. Sollten Politiker und Verwaltung vor den Zumutungen von nicht einmal dreihundert Berufsfischern einknicken, wird fair-fish zusammen mit weiteren Organisationen auf die Barrikaden steigen. Dies umso mehr, als die Berufsfischer sich nur ausnahmsweise an die Tierschutzverordnung halten.

Relativ rasch erledigen müsste sich der wahnwitzige Vorschlag, die Seen zu düngen, damit sie wieder mehr Phosphor und also mehr Nähstoffe enthalten. Nach jahrzehntelangen Anstrengungen, die Phosphorbelastung aus Landwirtschaft und Haushalten durch Kläranlagen auf ein normales Mass zu reduzieren, sind die Seen endlich wieder relativ sauber und, wie dies alpennahen Seen entspricht, relativ nährstoffarm. Soll das nun wieder aufs Spiel gesetzt werden, nur damit die in den letzten zwei Generationen durch zu hohe Erträge verwöhnten Berufsfischer zufrieden sind? Sicher nicht!

Fischbestände sind vielfältig bedroht – auch von Bauern

Weit bedeutender als der – natürliche! – Nährstoffgehalt der Seen für das Wohl der Fische ist das, was an Giften und Müll in die Seen fliesst. Eine neue wissenschaftliche Studie (2) zeigt, dass schon der erstmalige Einsatz bestimmter Pestizide auf Feldern den Zusammenbruch von Fischbeständen bewirken kann. Es geht um weltweit eingesetzte Neonicotinoide zur Insektenbekämpfung. Drei dieser Spritzmittel sind seit 2018 in der EU und in der Schweiz zwar verboten, aber es gibt Ausnahmen, und weitere Neonicotinoide bleiben zugelassen.

Bauern dürfen weiterhin spritzen und düngen, was das Zeug hält. Und für diesen absolut fantasielosen, reaktionären Umgang mit unseren natürlichen Ressourcen kriegen sie auch noch Subventionen, pardon: Direktzahlungen für Leistungen zugunsten der Allgemeinheit… Wann endlich stehen die Berufsfischer gegen ihre Kollegen von der Landwirtschaft auf, anstatt ihrerseits mit der Natur ein gefährliches Spiel zu beginnen.

Ein wichtiger Grund für den Rückgang der gesamten Fangmenge liegt in der Abnahme der Zahl der Berufsfischer, u.a. durch deren Überalterung.– Grafik: fair-fish; Quelle: «Standortbestimmung zur Fischerei in Schweizer Seen und Fliessgewässern». Expertenbericht im Auftrag des Bundesamts für Umwelt BAFU, Nov. 2017.

  Subventionen für Tierschutzgegner?

Wäre dagegen die Forderung von Subventionen gerechtfertigt? Da stellt sich die Frage nach der gesellschaftlichen Leistung, die belohnt werden soll. Und da sieht es mager aus. Obwohl die Berufsfischer als sehr kleine Gruppe auf die öffentliche Meinung angewiesen sind, versuchen sie, ihre Forderungen an nicht öffentlichen Verhandlungen durchzudrücken. Bereits vor zehn Jahren haben sie den Bund mit Erfolg dazu gebracht, die eben erst beschlossenen Tierschutzvorschriften wieder auszuhebeln. Die im Jahr 2008 inkraft gesetzte neue Tierschutzverordnung war in ausführlichen Runden aller interessierten Kreise erarbeitet worden.

Seit 2008 gilt: «Der Fang von Fischen hat schonend zu erfolgen. Die Fangmethoden und -geräte dürfen den Tieren keine unnötigen Schäden zufügen. Zum Verzehr bestimmte Fische sind unverzüglich zu töten.» Vor der Tötung müssen die Fische betäubt werden.

Den Berufsfischern passte das gar nicht, das war bereits vor Verabschiedung der neuen Verordnung klar. Die neuen Vorgaben sind nicht zu erfüllen mit einem Weiter-wie-bisher. Jeder Berufsfischer arbeitet heute alleine auf dem Boot, der Verdienst reicht längst nicht mehr aus für eine zweite Person an Bord. Auch Berufsfischer haben nur zwei Hände, und die sind beim Heraufziehen des Netzes bereits voll beschäftigt – wie sollen da zwei weitere Hände frei sein, um die im Kiemennetz verhedderten Fische auszulösen, zu betäuben und zu töten? Darum hatte fair-fish das federführende Bundesamt für Veterinärwesen und die Verbände der Berufsfischer noch vor Inkrafttreten der Verordnung eingeladen, gemeinsam nach Lösungen zu suchen, wie die Vorgaben erfüllt werden können. Die Verbände reagierten überhaupt nicht auf die Offerte, das Bundesamt ausweichend. Man schrieb also in der Verordnung etwas vor im Wissen, dass es kaum eingehalten werden wird.

Knapp ein Jahr später. im Juli 2009, veröffentlichten die Bundesämter für Umwelt und für Veterinärwesen eine «Interpretation der rechtlichen Vorschriften», die unter Ausschluss weiterer interessierter Kreise mit den Berufsfischern ausgehandelt worden war. Seither gilt: «Bei Massenfang und widrigen Witterungsverhältnissen entfällt für die Berufsfischerei die Pflicht für das sofortige Betäuben vor dem Töten der Fische. Mit demTöten kann bis zur Rückkehr in den Betrieb zugewartet werden, wenn vor der Rückkehr der Betäubungszustand der Fische überprüft wird und Fische mit ungenügender Betäubung nachbetäubt werden.»

Mit andern Worten: Was bei der Schlachtung von Rindvieh, Schweinen und Hühnern gilt und auch von Hobbyfischer eingehalten werden muss, ist für Berufsfischer klamm heimlich wieder gestrichen worden. In der Praxis werden die Ausnahmen zur Regel: Entweder ist das Wetter ungünstig oder der Fang zu gross, und selbst wenn einmal Fische betäubt werden, folgt die Tötung nicht unmittelbar danach, wie es das Tierschutzgesetz will, sondern irgendwann später.


Keine Subvention ohne Nutzen für die Allgemeinheit!

Die Nutzung heimischer Nahrungsressourcen ist grundsätzlich sinnvoll. Aber kein Fischerlatein, bitte!

Die Konsument/innen in der Schweiz verzehren im Durchschnitt 40 Fischmahlzeiten pro Kopf und Jahr, wie eine neue Studie im Auftrag von fair-fish berechnet hat. Nur etwa 4 Prozent davon werden aus Schweizer Produktion gedeckt, also nur knapp zwei Fischmahlzeiten pro Kopf und Jahr – die grössere und wachsende Hälfte davon aus Zucht, die kleinere und abnehmende Hälfte aus Wildfang. Das öfter zu hörende Argument «ich esse sowieso nur Fisch aus Schweizer Seen» kann also höchstens für ganz wenige Schweizer gelten – oder dann für alle, aber höchstens einmal im Jahr!

Mit andern Worten: Für die Nahrungsversorgung der Schweiz sind die Berufsfischer absolut verzichtbar. Was also ist denn die Leistung der Berufsfischer, die es rechtfertigen würde, sie mit öffentlichen Mitteln zu unterstützen? Tragen sie etwas bei zur Pflege und Schonung der Gewässer? Nein; eher noch dürften das die Vereine der Freizeitfischer für sich in Anspruch nehmen. Tragen die Berufsfischer zur Reinhaltung der Seen als Trinkwasserspeicher bei? Wieder nein, sogar im Gegenteil, wenn sie deren Düngung verlangen. Sind Berufsfischer eine Bereicherung für die Tourismuslandschaft? Kaum; denn wenn die Touristen spazieren, sind die Fischer längst wieder im Hafen. Tragen die Berufsfischer wenigstens zur Artenvielfalt in den Seen bei? Im Gegenteil, denn der künstliche Besatz mit Jungfischen aus Zuchtanstalten und auf Staatskosten hat zur Artenverarmung geführt. Bleibt das letzte Argument, das Berufsfischer gern ins Feld führen: dass ihre Fische frischer seien als jeder importierte Fisch – das mag zwar meist stimmen, ist aber keine Leistung an die Allgemeinheit, sondern kommt nur einer kleinen Minderheit der Konsument/innen zugute.

Es bleibt eine einzige Leistung, welche die Berufsfischer für die Allgemeinheit erbringen könnten: Die Umsetzung der strengen Schweizer Tierschutzvorschriften, die 2008 international für Aufsehen sorgten und die das Leiden der Fische so gering wie möglich halten wollen. Aber genau das haben die Berufsfischer ja in einer Nacht- und Nebelaktion ausgehebelt und damit nicht zuletzt dem Ansehen der Schweiz geschadet.

Fassen wir zusammen: Es gibt derzeit keinen Grund für Subventionen an Berufsfischer. Es gäbe einen Grund für Öko-Direktzahlungen im Sinne der Schweizer Agrarpolitik, wenn die Berufsfischer erstens das Tierschutzgesetz einhalten und zweitens auf künstlichen Besatz und Seendüngung verzichten würden. Beides ist bis auf weiteres nicht in Sicht. Würden die Berufsfischer die veränderten Herausforderungen innovativ angehen, wäre es ihnen sogar möglich, am Markt höhere Preise zu realisieren. Stattdessen einfach die hohle Hand auszustrecken ist das Gegenteil von Innovation.

erschienen am: 2019-11-07 im europaticker



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