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Willingmann: Stellenabbau bei Enercon ist ein harter Schlag für die Region
Schwere Vorwürfe gegen die Bundesregierung erhoben

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Windanlagenbauer Enercon kündigt Stellenabbau an

Der Windanlagenbauer Enercon hat am Freitag bekannt gegeben, dass das Unternehmen Stellen abbauen wird. Nach der Ankündigung von massivem Stellenabbau beim Windkraft-Anlagenbauer Enercon wollen Politik und Wirtschaft nach Auswegen aus der Krise suchen. Kommende Woche seien dazu Gespräche mit der Landes- und Bundespolitik geplant, sagte ein Enercon-Sprecher am Samstag in Aurich. Auch Zulieferer, Handwerksbetriebe und regionale Zeitarbeitsfirmen bekämen die Folgen zu spüren. Ostfriesland und Magdeburg wären mit jeweils 1500 Arbeitsplätzen betroffen. Allein bei der zentralen Verwaltung in Aurich könnten bis zu 300 Arbeitsplätze wegfallen.

Das Unternehmen hatte 2018 erstmals ein Minus gemacht und einen Verlust von 200 Millionen Euro verbuchen müssen. Für das laufende Jahr werde ein noch höherer Verlust im dreistelligen Millionenbereich erwartet. Deutschlandweit habe das Unternehmen in den ersten zehn Monaten dieses Jahres nur 65 Windkraftanlagen errichtet, 2017 seien es noch 711 gewesen.

Dazu erklärt Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Prof. Dr. Armin Willingmann: „Mit rund 3000 Beschäftigten ist Enercon mit seinen Tochterunternehmen einer der größten Arbeitgeber im Norden Sachsen-Anhalts. Sollte es zutreffen, dass Enercon in erheblichem Maße Arbeitsplätze abbaut, wäre das ein harter Schlag für die Region.“

Weiter betonte der Minister: „Ich erwarte von der Enercon-Geschäftsführung, dass ein möglicher Beschäftigungsabbau nicht allein auf Kosten des Standortes Magdeburg vorgenommen wird. Dies auch vor dem Hintergrund, dass das Land die Investitionen des Unternehmens wiederholt unterstützt hat.“ Die Landesregierung sei sich der schwierigen Lage der Windkraft-Branche in Deutschland bewusst. „Deshalb haben wir als Wirtschaftsministerium dem Unternehmen - zuletzt im Sommer - signalisiert, dass die Möglichkeit einer Innovationsförderung durch das Land bestehen würde“, so Willingmann.

Bereits seit geraumer Zeit wirbt Willingmann dafür, dass Bund und Länder gemeinsam eine Strategie zur Ausweisung von Flächen für die Windenergienutzung entwickeln; dazu zählen auch überarbeitete Abstandsregelungen für Windenergieanlagen, die Standardisierung naturschutzrechtlicher Vorgaben und damit beschleunigte Genehmigungsverfahren. Der Minister betont: „Hier ist die Bundesregierung in der Pflicht. Wir dürfen nicht zulassen, dass der Arbeitsplatzabbau in der Windenergie-Branche weiter voranschreitet. Ich sehe aber auch Enercon in der Pflicht, nach Jahren erfolgreicher Geschäftstätigkeit seiner sozialen und gesellschaftlichen Verantwortung nachzukommen.“

Nach dem angekündigten massiven Stellenabbau bei Enercon hat Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) schwere Vorwürfe gegen die Bundesregierung erhoben. Trümper sagte was in Berlin "verzapft" worden sei, sei "politisch eine ganz große Katastrophe". Weil die Bundesregierung nicht in der Lage sei, eine "vernünftige Energiepolitik" zu machen, seien in Magdeburg insgesamt schon 3.500 Stellen bei Enercon weggefallen. Einst hatten rund 5.000 Menschen am Standort Magdeburg gearbeitet.

Zu den geplanten Massenentlassungen beim Windenergieanlagen-Hersteller Enercon erklärt Julia Verlinden, Sprecherin für Energiepolitik von Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag: "Den Zusammenbruch der deutschen Windindustrie hat die schwarz-rote Bundesregierung zu verantworten. Mit ihrer Anti-Energiewende-Politik vernichtet sie zukunftsfeste Jobs und verhindert wirksamen Klimaschutz. Tausende Arbeitsplätze, die jetzt in der Windindustrie wegfallen sollen, gehen vor allem auf das Konto von Wirtschaftsminister Altmaier. Statt seinen Job zu machen und Klimatechnologien made in Germany den Rücken zu stärken, kommen aus seinem Ministerium immer neue Verhinderungsstrategien. Zuletzt hat Altmaier pauschale Abstände zu Windrädern in sein Maßnahmenpaket geschrieben, obwohl im Wirtschaftsministerium längst klar war, welche verheerenden Auswirkungen das auf den Ausbau der Windenergie in Deutschland hat. Damit legt es der Unions-Minister auf weitere Massenentlassungen in einer Zukunftsbranche an. Wir fordern die Regierung auf, den Kahlschlag bei der Windenergie zu beenden und endlich wirksamen Klimaschutz zu betreiben."

GRÜNE: Enercon-Stellenabbau: Schwerer Schlag für die Region

Der Windkraftanlagen-Hersteller Enercon hat heute bekannt gegeben, dass mehrere Tausend Stellen an den Standorten Magdeburg und Aurich abgebaut werden. „Es ist ein schwerer Schlag für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Enercon aber auch für die Region Magdeburg. Der fehlende Wille der CDU und SPD in der Bundesregierung, die Energiewende voranzutreiben, ist wirtschaftsfeindlich und kostet nun den Menschen hier vor Ort ihre Arbeitsplätze“, sagt Olaf Meister, wirtschaftspolitischer Sprecher der Landtagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen Sachsen-Anhalt.

„Dass trotz der Herausforderung der Energiewende die Windkraftbranche bei uns im Niedergang ist, zeigt das politische Problem. Mit ihrem Nicht-Agieren schwächt die Bundesregierung die Wirtschaft in Sachsen-Anhalt. Sie haben die Flächenausweisung nicht vorangetrieben, keine attraktive Vergütungskulisse geschaffen und auch nicht die Genehmigungsverfahren entbürokratisiert. Das fällt uns jetzt in Sachsen-Anhalt gleich mehrfach auf die Füße. Mit dem Verlust von Arbeitsplätzen geht auch Kompetenz verloren, die in Zeiten der notwendigen Energiewende ein wichtiges Gut ist. Enercon ist gerade ein Beispiel für gelungenes Entwicklung von der Schwermaschinenindustrie zu den Erneuerbaren Energien. Vor allem die CDU hat die industrielle Bedeutung der Erneuerbaren Energien nicht verstanden“, so Meister.

Zur Bekanntgabe eines massiven Stellenabbaus beim Windkraftanlagenhersteller Enercon in Magdeburg erklären der Fraktionsvorsitzende Thomas Lippmann und die Abgeordnete der Stadt Magdeburg, Eva von Angern: „Der Verlust von bis zu 1500 Arbeitsplätzen beim Windkraftanlagenhersteller Enercon ist katastrophal. Er ist nicht nur ein Desaster für die Menschen, die vor der Arbeitslosigkeit stehen. Er ist es auch für die Region und für das Ziel, Klimaneutralität zu erreichen.

Die Arbeitsplätze sind aufgrund politischer Entscheidungen akut gefährdet. Zum einen ist die Förderung der Windenergie rückläufig. Zum anderen finden sich  - aufgrund von Abstandsregulierung und dem Verhindern von Re-Powering - immer weniger Flächen für Windkraftanlagen. Sachsen-Anhalt war einst Vorreiter beim Ausbau erneuerbarer Energien. Jetzt gerät das Land aufgrund politischer Entscheidungen in diesem Bereich ins Hintertreffen und verliert seinen Standortvorsprung gegenüber anderen Bundesländern.

Es ist zudem verlogen, Milliardenprogramme für den Abbau von Arbeitsplätzen in der Braunkohleindustrie aufzulegen und die Beschäftigten in der Zukunftsbranche der erneuerbaren Energien völlig allein zu lassen. Die Region Magdeburg, die nach dem Fall der Mauer schon einmal schmerzhafte Erfahrungen mit dem massiven Abbau von Industrie und Arbeitsplätzen machen musste, wird 30 Jahre später wieder durch ein solches Szenario erschüttert.

Sowohl die Landes- als auch die Bundesregierung müssen alles dafür tun, die Windenergiebranche zu retten. Im Interesse der Beschäftigten, der Region und der Klimaziele. Die Fraktion DIE LINKE wird die aktuellen Entwicklungen bei Enercon zur kommenden Landtagssitzung aufgreifen.“

erschienen am: 2019-11-10 im europaticker



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