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Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung: Anteil der weiblichen Führungskräfte stagniert

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Frauen leiten nur 10 Prozent aller Stadt- und Kreisverwaltungen

In Deutschland sind Frauen in politischen Spitzenämtern weiterhin stark unterrepräsentiert. So ist in allen kreisfreien Städten und Landkreisen nur jedes zehnte Oberhaupt weiblich. Dies ist ein Ergebnis einer aktuellen Untersuchung, die das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) in einem Brief zur Geschlechtergerechtigkeit veröffentlicht hat.

Darin belegt eine Vielzahl von Indikatoren, wie schwach die Position von Frauen im öffentlichen Bereich noch ist. Beispielsweise beim Einkommen: Unter den häufigen Berufen üben Männer zu mindestens 80 Prozent die bestbezahlten Jobs aus. Dies ist ein Grund, warum Frauen über die gesamte Lebensspanne hinweg weit weniger Geld verdienen - unter dem Strich summiert sich bei westdeutschen Frauen mit rund 460.000 Euro gut die Hälfte dessen was Männer im Schnitt bekommen (900.000 Euro). Dies verstärkt unmittelbar die finanzielle Abhängigkeit und wirkt sich auf die Höhe der späteren Rente aus. Auch der öffentliche Diskurs zu gesellschaftspolitischen Themen ist stark männlich intoniert: In sozialen Medien schreiben Frauen weit weniger als 30 Prozent der Kommentare zu den Nachrichten wichtiger Leitmedien.

Im Gegensatz dazu stehen Männer beim Familienleben weiter am Rande. Bis zu deren Volljährigkeit verbringen Väter rund 14.700 Stunden weniger Zeit mit ihren Kindern als Mütter. Und trotz der Einführung des Elterngeldes 2007, das Väter zu Betreuungszeit für ihre Kinder ermutigt, entfallen 90 Prozent der in Anspruch genommenen Elternzeitmonate auf Frauen. Beides spiegelt sich darin wider, dass Intensität und Umfang der Beziehungen von Vätern zu ihren Kindern deutlich geringer sind, auch langfristig.

Die auch heute noch geschlechtstypische Rollenverteilung birgt Nachteile für beide Geschlechter: „Während Frauen öfter finanziell abhängig sind und ihre Perspektive im öffentlichen Diskurs weniger Gehör findet, entgehen Männern häufiger die engen Bindungen zu ihren Kindern und Angehörigen“, erklärt die Soziologin Dr. Uta Brehm vom BiB. „Von einer geschlechtergerechten Gesellschaft können alle nur profitieren.“

Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung: Anteil der weiblichen Führungskräfte stagniert

Frauen sind nach wie vor als Führungskräfte auch in den Betrieben unterrepräsentiert. Im Jahr 2018 waren 26 Prozent der Führungskräfte der obersten Leitungsebene in der Privatwirtschaft Frauen. Auf der zweiten Führungsebene lag ihr Anteil bei 40 Prozent. Beide Werte haben sich verglichen mit 2016 nicht verändert. Das zeigen Daten des IAB-Betriebspanels, einer repräsentativen Befragung von rund 16.000 Betrieben in Deutschland durch das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).

In Ostdeutschland ist der Anteil von Frauen in Führungspositionen in der Privatwirtschaft höher als in Westdeutschland. Auf der ersten Führungsebene liegt er im Osten bei 31 Prozent, im Westen bei 25 Prozent. Auf der zweiten Führungsebene beträgt der Frauenanteil in Ostdeutschland 45 Prozent, in Westdeutschland 39 Prozent. Der Beschäftigtenanteil von Frauen liegt in Ostdeutschland wie in Westdeutschland bei 44 Prozent. „Frauen sind demnach in Ostdeutschland besser repräsentiert“, erklären die IAB-Forscherinnen Susanne Kohaut und Iris Möller.

Kleine Betriebe werden häufiger von Frauen geführt als große: In Großbetrieben der Privatwirtschaft mit mindestens 500 Beschäftigten sind 14 Prozent der Führungspositionen auf der ersten Ebene mit Frauen besetzt. In Betrieben mit zehn bis 49 Beschäftigten sind es 25 Prozent, in Betrieben mit weniger als zehn Beschäftigten 27 Prozent.

Verglichen mit der Privatwirtschaft liegt der Frauenanteil im öffentlichen Sektor auf der ersten und zweiten Leitungsebene mit 36 bzw. 43 Prozent um zehn bzw. drei Prozentpunkte höher. Gemessen an ihrem Beschäftigtenanteil von 60 Prozent sind Frauen jedoch im öffentlichen Sektor in Führungspositionen der zweiten Ebene noch stärker unterrepräsentiert als in der Privatwirtschaft.

„Seit Januar 2016 ist das Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in Kraft. Mit der Verpflichtung zur Festlegung und Veröffentlichung verbindlicher Zielgrößen zur Erhöhung des Frauenanteils in Vorständen und obersten Managementebenen soll diese gesetzliche Regelung in das Personalmanagement von Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten hineinwirken“, so die IAB-Forscherinnen Kohaut und Möller. Gleichzeitig stellen sie allerdings fest: „Die Einführung des neuen Gesetzes hat - zumindest auf Betriebsebene - keinen weiteren Zuwachs gebracht“.

Die IAB-Studie ist online abrufbar unter http://doku.iab.de/kurzber/2019/kb2319.pdf.

Grafik: Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung

erschienen am: 2019-12-02 im europaticker



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