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BUND zu den neuen Wolfzahlen: Mehr Wölfe, mehr Herdenschutz - Kaum ein anderes wildlebendes Tier
wird in Deutschland ähnlich präzise erfasst und beobachtet wie der Wolf

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Aktuelle Wolfszahlen der Bundesländer liegen vor

Die Wolfsbestände wachsen, dies zeigen die neuen Zahlen des Bundesamts für Naturschutz, die heute veröffentlicht wurden. Insgesamt 105 Rudel, 25 Paare und 13 sesshafte Einzeltiere durchstreifen vor allem Sachsen, Brandenburg und Niedersachsen, aber auch andere Bundesländer. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) bewertet diese Entwicklung positiv, warnt jedoch vor falschen Rückschlüssen. Aktuell gibt es 105 Wolfsrudel in Deutschland. Das geht aus neuen Erhebungen der Bundesländer hervor, die durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) und die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) zu den amtlich bestätigten deutschen Wolfszahlen zusammengeführt wurden. Das Wolfvorkommen konzentriert sich weiterhin auf das Gebiet von der sächsischen Lausitz in nordwestliche Richtung über Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern nach Niedersachsen. Zum ersten Mal seit der Ausrottung der Art in Deutschland konnten zudem in den Bundesländern Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein jeweils einzelne territoriale Wölfe bestätigt werden. Weitere territoriale Vorkommen konnten in Thüringen und Bayern nachgewiesen werden. Die meisten Wolfsrudel leben in Brandenburg (41), gefolgt von Sachsen (22) und Niedersachsen (21).

Neben den 105 Rudeln sind weiterhin 25 Wolfspaare sowie 13 sesshafte Einzelwölfe für das Monitoringjahr 2018/19 bestätigt. Im vorhergehenden Monitoringjahr 2017/18 wurden 77 Rudel, 40 Paare und 3 Einzelwölfe nachgewiesen (Stand vom 2.12.2019).

BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel: „Der Wolfsbestand in Deutschland nimmt zu. Die Wolfsterritorien konzentrieren sich nach wie vor auf die bisher bekannten Gebiete, die sich von Ostsachsen bis an die Nordsee erstrecken. Zusätzlich konnten in vier Bundesländern erstmalig einzelne territoriale Wölfe nachgewiesen werden. Die Anzahl der Totfunde ist im Vergleich zum Vorjahr um 60 Prozent deutlich angestiegen. Waren es im Monitoringjahr 2017/2018 noch 61 tote Tiere, so sind nun 99 Totfunde von den Bundesländern an die DBBW gemeldet worden. Mehr als die Hälfte der 83 durch den Verkehr getöteten Wölfe waren Welpen. Auch die Zahl der illegalen Tötungen ist leider von 6 auf 8 gestiegen.“

Der Wolf ist nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union sowie nach dem Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt.

Das Wolfsmonitoring ist für Deutschland einzigartig: Kaum ein anderes wildlebendes Tier wird in seinem Bestand ähnlich präzise erfasst und beobachtet. Als Grundlage dienen Wolfsnachweise etwa durch Lebendfang, einen genetischen Nachweis (auch aus Kotproben), Fotos aus Fotofallen oder von Totfunden. Die amtlichen Daten zum Wolfsbestand, die das BfN jährlich im Herbst veröffentlicht, werden von den Bundesländern nach einheitlichen Standards jeweils für ein Monitoringjahr erhoben (BfN-Skripten 413). Dieses erstreckt sich vom 1. Mai bis zum 30. April des darauffolgenden Jahres und deckt sich zeitlich mit einem biologischen „Wolfsjahr“, von der Geburt der Welpen bis zum Ende des ersten Lebensjahres. Die in den Bundesländern gesammelten Hin- und Nachweise werden anschließend jeweils durch Expertinnen und Experten des Bundes und der Länder gemeinsam überprüft. Das BfN und die DBBW führen sie bundesweit zusammen, nachdem sie die Daten aus den Ländern erhalten haben.

„Nur durch die enge Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern im Wolfsmonitoring ist die Veröffentlichung amtlich geprüfter Zahlen zu Bestand und Vorkommen der Wölfe möglich. Diese Daten sind die zentrale Voraussetzung für eine sachliche Debatte im Umgang mit den Wölfen“, so die BfN-Präsidentin.

Das Wolfsmonitoring und -management liegt in der Verantwortung der Bundesländer. Hierbei werden sie durch das BfN und die DBBW unterstützt. Die Aufgabenschwerpunkte der DBBW liegen zum einen in der kontinuierlichen Aufbereitung von bundesweit nach einheitlichen Kriterien erhobenen Monitoringdaten zum Wolf, und zum anderen in der wissenschaftlichen Beratung von Naturschutzbehörden unter anderem bei der Schadensprävention oder im Umgang mit auffälligen Wölfen. Im Frühling 2019 hatten DBBW und BfN zuletzt Empfehlungen zum Schutz von Weidetieren und Gehegewild vor dem Wolf veröffentlicht, die konkrete Anforderungen an die empfohlenen Präventionsmaßnahmen enthalten (BfN-Skripten 530). Diese Empfehlungen legen dar, welche Maßnahmen aus fachlicher Sicht den besten Schutz von Weidetieren vor Wölfen bieten und sollen die für das Wolfsmanagement zuständigen Behörden in den Ländern bei der Umsetzung von Herdenschutzmaßnahmen unterstützen.

„Bund und Länder unterstützen gemeinsam Weidetierhalterinnen und -halter beim konsequenten Schutz ihrer Nutztiere vor dem Wolf. So haben die Länder entsprechende Präventionsmaßnahmen in einer Höhe von 2,4 Mio. Euro im Jahr 2018 gefördert. Man muss es immer wieder betonen: der Herdenschutz ist beim Wolfsmanagement essentiell. Denn nur die Anwendung von geeigneten Herdenschutzmaßnahmen kann Weidetiere vor Wolfsübergriffen schützen. Die Grundlage dafür liefern die bundesweiten Empfehlungen zu den Herdenschutzmaßnahmen“, so die BfN-Präsidentin.

„Die Entwicklung der Wolfsbestände ist ein gutes Zeichen“, erklärt Magnus Wessel, Leiter der Naturschutzpolitik des BUND. „Mit rund 273 erwachsenen Wölfen ist die Art in Deutschland aber noch immer weit von einem günstigen Erhaltungszustand von 1000 erwachsenen Tieren entfernt. Das bestätigt auch der kürzlich veröffentlichte FFH-Bericht der EU.“

Betroffen von der Rückkehr der Wölfe sind vor allem Weidetierhaltende, und da hauptsächlich Schäfereien. „Statt weiter Öl ins Feuer zu gießen und Meinungsmache zulasten der Wölfe zu betreiben, sollte sich die Politik endlich auf konstruktive Lösungsansätze fokussieren, die den Betrieben wirklich helfen – der Herdenschutz steht dabei an erster Stelle“, so Wessel weiter. Neben der vollständigen Erstattung der Kosten von Elektrozäunen und gegebenenfalls Herdenschutzhunden muss auch die Verbesserung der wirtschaftlichen Situation der Weidetierhaltenden im Vordergrund stehen. Wessel: „Vielen Schäferinnen und Schäfer steht das Wasser schon seit Jahren wirtschaftlich bis zum Hals – auch ganz ohne Wölfe. Deshalb braucht es endlich deutlich bessere wirtschaftliche Rahmenbedingungen für die Weidetierhaltung, um diese ökologisch wertvolle Form der Landnutzung zukunftsfähig zu machen.“ 

Mit Blick auf die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs, der erst kürzlich klargestellt hat, dass die Tötung von Wölfen nur in klar belegten Ausnahmesituationen zulässig ist, kritisiert der BUND die lauter werdenden Stimmen für den pauschalen Abschuss von Wölfen. „Forderungen nach präventiven Abschüssen ganzer Rudel, nach wahllosen Quotenjagden und wolfsfreien Zonen, haben damit einen klaren Dämpfer erhalten“, so der Artenschutzexperte des BUND. „Der wahllose Abschuss von Wölfen ist kein Ersatz für Herdenschutz, mit EU-Recht unvereinbar und zudem unwirksam, da jederzeit neue Wölfe einwandern können.“ Tatsächlich problematische Wölfe könnten auch nach heutiger Rechtslage bereits getötet werden. Daher sind auch Änderungen der Gesetzeslage nicht zielführend. Wessel abschließend: „Die vorgeschlagene Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes muss vom Tisch. Wir fordern Bundesumweltministerin Svenja Schulze auf, den Vorschlag zurückzuziehen und diesen Dammbruch im Artenschutz zu verhindern. Ein Gesetz, das zum Ziel hat, die Tötung von Wölfen, aber auch von allen anderen geschützten Tieren, zu erleichtern, ist das Gegenteil von dem, was wir angesichts des Artensterbens brauchen.“

Hintergrund: Die DBBW

Da die Rückkehr der Wölfe nach Deutschland die Bundes- und Landesbehörden vor Aufgaben stellt, die einer bundesweiten Koordination bedürfen, wurde die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) auf Bitte der Länder durch die Bundesregierung verwirklicht. Mit der finanziellen Förderung des Betriebs der DBBW durch das Bundesumweltministerium und der fachlichen Betreuung durch das Bundesamt für Naturschutz kann die DBBW Naturschutzbehörden von Bund und Ländern bei allen Fragen zum Thema Wolf beraten und stellt Informationen für die allgemeine Öffentlichkeit über die Website www.dbb-wolf.de bereit.

Getragen wird die DBBW von einem Konsortium aus mehreren wissenschaftlichen Institutionen: Unter Führung der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung (SGN) arbeiten darin das Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz (SMNG), das LUPUS Institut für Wolfsmonitoring und -forschung in Deutschland, das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung Berlin (IZW) und das Senckenberg Forschungsinstitut, Standort Gelnhausen.

Weiterführende Informationen

Umfassende Daten und Fakten zum Wolf bietet das Pressehintergrundpapier zum Wolf. Es steht ebenso wie eine Karte der aktuellen Wolfsvorkommen in Deutschland im Pressebereich auf der BfN-Website zum Download zur Verfügung: https://www.bfn.de/presse/hintergrundinfos.html

Ausführliche aktuelle Informationen zur Population, zu Rudelterritorien sowie zur Gesamtentwicklung seit dem Jahr 2000, zu Totfunden und Todesursachen bietet die DBBW unter: www.dbb-wolf.de

Monitoring von Wolf, Luchs und Bär in Deutschland (2015, BfN-Skripten 413): www.bfn.de/fileadmin/BfN/service/Dokumente/skripten/Skript413.pdf

Konzept zum Umgang mit dem Menschen gegenüber auffälligen Wölfen (2018, BfN-Skripten 502): https://www.bfn.de/fileadmin/BfN/service/Dokumente/skripten/Skript502.pdf

Empfehlungen zum Schutz von Weidetieren und Gehegewild vor dem Wolf - Konkrete Anforderungen an die empfohlenen Präventionsmaßnahmen (2019, BfN-Skripten 530): www.bfn.de/fileadmin/BfN/service/Dokumente/skripten/Skript530.pdf 
 
Mehr Informationen: Stellungnahme des BUND zur Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes: www.bund.net/fileadmin/user_upload_bund/publikationen/naturschutz/naturschutz_bundesnaturschutzgesetz_lex_lupus.pdf 

Bild: Kaum ein anderes wildlebendes Tier wird in Deutschland ähnlich präzise erfasst und beobachtet wie der Wolf. (Foto: Heiko Anders)

erschienen am: 2019-12-02 im europaticker



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