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Abgebrochene Federenden an Einspritzanlagen der Notstromdiesel
Fremdkörper im Nebenkühlwassersystem gefunden

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Kernkraftwerke Brokdorf und Brunsbüttel mit meldepflichtigen Ereignissen

Am Kernkraftwerk Brokdorf (KBR) ist festgestellt worden, dass an mehreren Druckfedern der Kraftstoffeinspritzanlagen der vier Notstromdiesel die Enden abgebrochen waren. Das teilte die schleswig-holsteinische Reaktorsicherheitsbehörde (Energiewendeministerium) heute (2. Dezember) in Kiel mit. Betroffen waren zehn von 53 untersuchten Druckfedern, die nach mehreren Betriebsjahren bereits ausgetauscht gewesen waren.

Die Betreibergesellschaft (PreussenElektra) hatte die Untersuchungen in einem Werkstofflabor durchführen lassen, nachdem in den vergangenen Wochen bei Probeläufen im Herstellerwerk sowie bei Notstromdieselanlagen desselben Herstellers in weiteren deutschen Kernkraftwerken ähnliche Befunde festgestellt worden waren. Da nicht ausgeschlossen werden kann, dass die aktuell in den Notstromdieselanlagen verbauten Federn aus der gleichen Charge stammen, besteht die Möglichkeit, dass es sich um einen systematischen Fehler handelt. In diesem Falle wären die Erkenntnisse nach dem Atomrecht meldepflichtig. Die Betreibergesellschaft hat das Ereignis der Kategorie „N“ (Normalmeldung) zugeordnet und der Reaktorsicherheitsbehörde fristgemäß als vorläufig gemeldet.

Für die Funktion der Federn in den Rückschlagventilen sind die abgebrochenen Federenden ohne Einfluss. Über die Leistungsregelung wird die Leistung des Notstromdiesels weiterhin gewährleistet. Bezüglich der Funktionssicherheit der Notstromdieselanlagen hat der Hersteller dargestellt, dass die volle Funktions- und Betriebssicherheit der Dieselmotoren auch mit abgebrochenen Federenden gegeben ist. Dies wurde im Rahmen der bisherigen wiederkehrenden Prüfungen an den Notstromdieselanlagen im KBR bestätigt.

Die abgebrochenen Federenden sind überwiegend nicht mehr auffindbar und vermutlich über den Verbrennungsraum mit dem Abgas ausgestoßen worden. In einzelnen Fällen haben sich die Federenden in den Einspritzdüsen festgesetzt und dort den Einspritzquerschnitt verringert. Über die Leistungsregelung wird laut Hersteller die Leistung des Notstromdiesels weiterhin gewährleistet. Dies wurde im Rahmen der bisherigen wiederkehrenden Prüfungen an den Notstromdieselanlagen im KBR bestätigt.

Es ist beabsichtigt, die Federn im Rahmen anstehender Wartungen auszutauschen. Der Hersteller wird zukünftig die Federenden vorsorglich stärker ausführen.

Die Reaktorsicherheitsbehörde hat Sachverständige zur Klärung der Ursache hinzugezogen. Dabei werden u.a. Material-, Werkstoff- und Fertigungsaspekte berücksichtigt. Der Austausch der Federn erfolgt ebenfalls unter Hinzuziehung von Sachverständigen.

Hintergrund: Das Kernkraftwerk Brokdorf ist eines von drei Kernkraftwerken in Schleswig-Holstein. Während die Kernkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel in Folge einer Atomgesetzänderung im Jahre 2011 keine Berechtigung zum Leistungsbetrieb mehr haben, darf in Brokdorf laut Atomgesetz noch bis längstens Ende 2021 Strom produziert werden.

Die Notstromdieselanlage hat die Aufgabe, die Anlage so mit elektrischer Energie zu versorgen, dass diese auch bei Ausfall des Stromnetzes sicher abgefahren und die Nachzerfallswärme abgeführt werden kann.

Kernkraftwerk Brunsbüttel: Fremdkörper im Nebenkühlwassersystem gefunden

KIEL. Im abgeschalteten Kernkraftwerk Brunsbüttel ist in der vergangenen Woche im Nebenkühlwassersystem ein loser Bolzen als Fremdkörper vorgefunden worden. Der Befund ist bei der Inspektion einer Rückschlagklappe eines Rohrleitungsstrangs festgestellt worden. Die Inspektion war erforderlich geworden, nachdem in dem baden-württembergischen Kernkraftwerk Philippsburg II ebenfalls Fremdkörper im Kühlsystem vorgefunden worden waren. In solchen Fällen veranlassen die übrigen deutschen Reaktorsicherheitsbehörden Übertragbarkeitsprüfungen.

Bei dem Fremdkörper handelt es sich um einen sogenannten Aufschlagbolzen, der zu der Rückschlagklappe gehört. Der Bolzen war aus seiner Einbauposition herausgebrochen. Derzeit finden dort weitere Inspektionen statt. Weiterhin soll auch der übrige Bereich des Nebenkühlwassersystems untersucht werden. Mit dem Nebenkühlwassersystem werden insbesondere die Notstromdiesel des Kernkraftwerks gekühlt.

Die Betreibergesellschaft hat den Zwischenfall der Reaktorsicherheitsbehörde als Meldepflichtiges Ereignis der Kategorie „N“ (Normalmeldung) angezeigt.

Hintergrund: Das Kernkraftwerk Brunsbüttel ist bereits seit 2007 dauerhaft abgeschaltet. Ende des Jahres 2018 wurde die Genehmigung zur Stilllegung und zum Abbau erteilt. Seitdem wird die Anlage im sogenannten Restbetrieb gefahren.

erschienen am: 2019-12-02 im europaticker



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