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Der Moorbrand hat in der „Tinner Dose“ erhebliche Schäden angerichtet

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Runder Tisch zum Moorbrand im Emsland

Der Moorbrand im Landkreis Emsland im Sommer 2018 und die damit verbundenen Umweltschäden stellen alle Beteiligten vor große Herausforderungen. Der Austausch von Informationen und die gemeinsame Erörterung des weiteren Vorgehens zur Bewältigung der Folgen sind Thema eines Runden Tisches, der Donnerstag (07.02.2019) auf Einladung des Umweltministers Olaf Lies stattfindet. Vertreterinnen und Vertreter des Bundesverteidigungsministeriums und dessen Fachdienststellen, des Landkreises Emsland sowie niedersächsischer Fachbehörden nehmen teil.

Anlässlich der Ereignisse um den Moorbrand auf dem Gelände der Wehrtechnischen Dienststelle hat der Landkreis Emsland gemeinsam mit den zuständigen Landesbehörden nach Ausrufung des Katastrophenfalles ein Messkonzept aufgestellt und kurzfristig ein Bündel von Messungen unabhängiger Einrichtungen und Unternehmen in die Wege geleitet. Bereits die ersten Ergebnisse hatten ergeben, dass keine akute Gesundheitsgefährdung besteht.

Der Moorbrand auf dem Gelände der Wehrtechnischen Dienststelle für Waffen und Munition (WTD 91) bei Meppen hatte im September/ Oktober 2018 zu Schäden im Moorgebiet „Tinner Dose“ geführt und hat große Mengen von klimaschädlichen Treibhausgasen freigesetzt. Die „Tinner Dose“ ist eines der größten erhaltenen Moorgebiete in Niedersachsen und deshalb ein besonders wertvolles Naturschutzgebiet. Als FFH-Gebiet und EU-Vogelschutzgebiet gehört es zum europäischen ökologischen Netz „Natura 2000“.

Moorbrand und Dankveranstaltung – Rund 800 Hilfskräfte feierten auf Einladung des Landkreises Emsland

Etwa 800 Männer und Frauen der Freiwilligen Feuerwehren im Landkreis Emsland, des Technischen Hilfswerks, des Deutschen Roten Kreuzes, des Malteser Hilfsdienstes sowie viele weitere Beteiligte beispielsweise vom Katastrophenschutzstab des Landkreises Emsland sowie Fachberater der Polizei und Bundeswehr füllten den Emslandsaal im Gasthaus Kamp in Meppen. Anlass war die Dankveranstaltung des Landkreises Emsland für die emsländischen Hilfskräfte, die bei der Bekämpfung des Moorbrandes auf dem Gelände der Wehrtechnischen Dienststelle (WTD) 91 in Meppen im vergangenen September im Einsatz waren. Sie hatten mit hohem Aufwand und „unermüdlichem Einsatz Schaden abgewendet von unserem Landkreis und insbesondere von unseren Bürgerinnen und Bürgern“, sagte Landrat Reinhard Winter bei der Eröffnung des Abends.

Nach einem kurzen Abriss der Ereignisse - den Beginn markiert ein Waffentest am 3. September 2018, der zu einem Großbrand auf zwölf Quadratkilometern Fläche führte - hob Winter die Bedeutung der WTD für die Region hervor. Es sei rund um den Moorbrand eine ganze Reihe an Fehlern passiert, aber keinesfalls wolle er die Einrichtung grundsätzlich in Frage stellen, machte er klar. „Ich weiß, dass wir an vielen Stellen mitverhaftet werden, weil die Gemengelage komplex ist und Fehler der Bundeswehr dem Landkreis zugeschrieben werden“, kam Winter auch auf die Zuständigkeiten zu sprechen. „Das hoheitliche Gebiet der Bundeswehr ist für uns als Kommune unantastbar.“ Das habe den Informationsfluss und den Ablauf der Ereignisse grundsätzlich beeinflusst, betonte der Landrat.

Den Abschlussbericht der Bundeswehr zum Moorbrand und die daraus gezogenen Konsequenzen für eine personelle und technische Aufrüstung begrüßte Winter. Darüber hinaus forderte er eine „erhebliche Verbesserung des präventiven Brandschutzes“. Es gebe Zusagen, dass die Bundeswehr als Verursacher die Kosten übernehme. Erste Forderungen in Höhe von über 930.000 Euro habe der Landkreis bereits eingereicht. Die Bewertung der Umweltschäden stünde aber noch aus. Besonders betonte er, dass die nun durchzuführenden Ausgleichsmaßnahmen „vornehmlich bei uns stattfinden müssen – und nicht irgendwo anders im Lande Niedersachsen“.

Auch Medienschelte vermied er nicht: Er habe kein Verständnis für die zum Teil haarsträubenden Behauptungen rund um die Gesundheitsbelastung durch die Rauchentwicklung, denn „Fakt ist, dass alle Messungen der Schadstoffe unauffällig waren“.

Winter dankte auch den Bürgerinnen und Bürgern des betroffenen Gebiets für ihre Ruhe und ihr Vertrauen in die Arbeit der Verwaltung und der Einsatzkräfte. Er dankte auch den Arbeitgebern, die ihre Mitarbeiter für die Bekämpfung des Moorbrandes freigestellt haben. Nur durch den Einsatz der ehrenamtlichen und hauptamtlichen Kräfte habe der Brand gelöscht werden können.

CDU-Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann sprach den Hilfskräften ebenfalls ihre Anerkennung aus. „Sie haben dafür gesorgt, dass aus einem Ernstfall kein Notfall wurde“. Connemann hob darüber hinaus die Bedeutung des Ehrenamts hervor. Diese Bereitschaft sich für andere einzusetzen, mache das Emsland besonders. Nach dem Ereignis stünde nun die Aufarbeitung an. Insbesondere mahnte sie für die Zukunft einen Umgang auf Augenhöhe an. Deutlich machte sie auch, dass eine Kompensation im Landkreis Emsland erfolgen müsse.

Dies betonte auch der CDU-Landtagsabgeordnete Bernd Busemann: „Der Schaden ist dort gut zu machen, wo er messbar ist, wo das Malheur stattgefunden hat“, sagte er. Er machte aber auch deutlich, dass zwischen Region und WTD, insbesondere als einem sicheren Arbeitgeber, bereits seit 140 Jahren ein gutes Einvernehmen bestehe. „Es darf in einer Partnerschaft auch mal ein Fehler gemacht werden, aber er ist dann auch wieder gerade zu rücken“, sagte er.

„Der Moorbrand hat in der „Tinner Dose“ erhebliche Schäden angerichtet. Ich erwarte jetzt von der Bundeswehr, dass diese Schäden an der Natur und am Klima zügig und wirksam ausgeglichen werden. Beträchtliche Mengen des schädlichen Treibhausgases CO2 wurden durch den Brand freigesetzt. Das Moor muss bestmöglich wiederhergestellt werden und seine Lebensräume mit den typischen Tier- und Pflanzenarten müssen sich wieder regenerieren können. Dafür muss die Bundeswehr in Niedersachsen für die Wiederherstellung Gelder in den Natur-, Arten- und Moorschutz sowie für Klimaschutzmaßnahmen investieren. Wir schätzen den entstandenen Schaden auf mindestens 50 Millionen Euro“, sagte Umweltminister Olaf Lies.

Das Bundesverteidigungsministerium hat einen Abschlussbericht vorgelegt. Derzeit ermittelt das Ministerium die Auswirkungen des Brandes auf das Moor, Pflanzen und Tiere. Es bereitet Wiederherstellungsmaßnahmen (zum Beispiel den Rückbau der während des Brands angelegten Schotterwege) und eine Wiedervernässung bestimmter Bereiche, die sowohl dem Brandschutz als auch der Wiederherstellung des Moors dienen, vor. Ein über zehn Jahre angelegtes langfristiges Monitoring soll darüber hinaus Lebensraumtypen, Biotope und Artenvorkommen beobachten, um mittel- und langfristig erforderliche Maßnahmen abzuleiten.

Die Beteiligten verständigten sich darauf, dass alle erforderlichen Anstrengungen unternommen werden, um die vom Brand beeinträchtigten Moorflächen wiederherzustellen und darüber hinaus eine Aufwertung der Lebensräume und Moorstandorte im betroffenen FFH-Gebiet zu erreichen.

Außerdem teilte das Bundesverteidigungsministerium mit, dass eine konkrete Ermittlung der entstandenen Treibhausgasemissionen durch das vom Umweltbundesamt beauftragte Thünen-Institut anhand der von der Bundeswehr gelieferten Daten (Fläche, Dauer und Tiefe des Brandes) erfolgen wird.

„Wir haben die Ursachen und Defizite, die zu dem Moorbrand auf dem Gelände der WTD 91 geführt haben, intensiv untersucht und bereits jetzt eine Vielzahl von Maßnahmen zur Beseitigung und besseren Vorbeugung angestoßen. Seit November 2018 arbeiten wir im Rahmen der Aufarbeitung der Umweltschäden sehr eng und konstruktiv insbesondere mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreis Emsland zusammen. Wichtig und richtig ist dabei eine zwangsläufig längere Zeit inanspruchnehmende fundierte Ermittlung und Aufarbeitung. Nur so sind Schäden und Maßnahmen sicher zu bestimmen. Wir werden insoweit unseren Verpflichtungen gegenüber dem Land Niedersachsen im Rahmen der Einhaltung der FFH-Schutzziele genauso nachkommen, wie unseren internationalen Verpflichtungen zum Klimaschutz im Rahmen der Klimarahmenkonvention. Ich freue mich ausdrücklich, dass wir auch heute den Umweltschutz in den Mittelpunkt gestellt haben und uns einvernehmlich auf die weiteren erforderlichen Schritte geeinigt haben. Das Bundesministerium der Verteidigung wird die Umsetzung nun mit Nachdruck verfolgen.“ sagte der Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium, Gerd Hoofe

Umweltministerium und Landkreis werden den Bund bei der Planung und Umsetzung von Maßnahmen im Moor und zum Ausgleich des Klimaschadens fachlich unterstützen.

„Wir streben die Kompensation der Umweltschäden bevorzugt im eigenen Landkreis an, denn hier ist der Schaden entstanden“, sagte Emslands Landrat Reinhard Winter. „Unsere Mitwirkung in allen Fragen rund um die Wiederherstellung der Flächen und allgemein zur Aufbereitung des Moorbrandes sichere ich ausdrücklich zu.“

Bild 1: Fast 800 Einsatzkräfte und Gäste aus der Politik waren der Einladung des Landkreises Emsland zur Dankveranstaltung gefolgt. Landrat Reinhard Winter (4. v. l.) würdigte das unermüdliche Engagement der Kräfte, das Schaden vom Landkreis und von Bürgerinnen und Bürgern abgewendet habe. (Fotos 2: Landkreis Emsland)

Bild 2: Gut gefüllt war der Saal mit Kräften von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk, Maltesern, des Deutschen Roten Kreuzes und vielen weiteren Beteiligten, die bei der Bekämpfung des Moorbrandes mitgewirkt haben.

erschienen am: 2019-02-09 im europaticker



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