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Eine Bannwaldrodung zur Ausweitung der Lechstahlwerke lehnt der BUND Naturschutz ab
Gesamtökologisches Zukunftskonzept für Bayerns einziges Stahlwerk gefordert

Die Lechstahlwerke planen derzeit zahlreiche Ausbauvorhaben. Am Standort Meitingen ist eine Kapazitätserhöhung geplant und die Betriebsflächen sollen in einen geschützten Bannwald hinein erweitert werden. Im benachbarten Holzheim soll eine Schlackedeponie entstehen. Die Lech-Stahlwerke GmbH betreiben das einzige Stahlwerk in Bayern. Das Stahlwerk liegt im Ortsteil Herbertshofen von Meitingen. Die Lech-Stahlwerke wurden 1970 vom italienischen Unternehmer Luigi Giussani als Bayerische Elektrostahlwerke gegründet als Hersteller von Bewehrungsstahl und gehören heute zur Max-Aicher-Gruppe. Die Lech-Stahlwerke beschäftigen etwa 800 Mitarbeiter und produzieren pro Jahr etwa 1,2 Mio. Tonnen Stahl. Das Stahlwerk produziert aus Schrott mit Elektrolichtbögenöfen über Stranggussanlagen Knüppel und walzt daraus die Produkte Stabstahl und Halbzeug sowie Betonstahl. Die Lech-Stahlwerke kamen in den letzten Jahren immer wieder in Konflikt mit Anwohnern und deren Bürgerinitiativen bezüglich der von dem Stahlwerk ausgehenden Lärm- und Staubbelästigungen.

„Die ökologische Transformation unserer Wirtschaft erfordert ein gesamtökologisches Zukunftskonzept für die Lechstahlwerke“, so Richard Mergner, Landesvorsitzender des BUND Naturschutz. „Darin müssen ökologische Verbesserungen in den Bereichen Energie, Wasser, Flächennutzung, Verkehr, Abfallstoffe/Schlacke, Luftschadstoffe, Lärm, Flächennutzung, Natur- und Waldschutz enthalten sein“.

Der BN hält grundsätzlich ein Stahlwerk für Schrottrecycling in Bayern im Sinne einer Kreislaufwirtschaft mit kurzen Wegen für sinnvoll. Daher schlagen wir in den Stellungnahmen zu den aktuell anhängigen Verfahren vor, ökologische Zielvereinbarungen zu den oben genannten Themen in einem öffentlich-rechtlichen Vertrag zwischen den Gebietskörperschaften und den Lechstahlwerken festzuschreiben.

Johannes Enzler, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Augsburg, erläutert: „Das Stahlwerk muss unter den ökologisch besten Standards betrieben werden, um eine Zukunft zu haben. Die Auswirkungen auf die Schutzgüter müssen soweit wie technisch möglich minimiert werden. Hier sehen wir noch erheblichen Handlungsbedarf. Gleichzeitig müssen die Belastungen für die Einwohner, Mitarbeiter, Natur- und Umwelt reduziert werden.“

„Eine Bannwaldrodung zur Ausweitung der Lechstahlwerke lehnen wir ab, da der Wald als Feinstaubfilter und Lärmschutzwald wichtig für die umgebende Bevölkerung ist“, ergänzt Gudrun Schmidbauer, Vorsitzende der BN-Ortsgruppe Meitingen. „Es müssen noch mal Alternativflächen für die geplante Schlackeaufbereitungsanlage geprüft werden“.

Der BN schlägt vor, im Rahmen des gesamtökologischen Zukunftskonzeptes für folgende Schutzgüter Ziel-Vereinbarungen zu treffen:

  1. Flächen sparen: Produktions-, Lager- und Transportkonzept unter Berücksichtigung vorhandener Industrieflächen (z. B. Areal der ehem. Linde AG und nördlich anschließendes Grundstück)
  2. Ring-Bannwald: Durch die Begründung eines Bannwaldes rings um das Lechstahlwerk herum soll eine Verbesserung des Immissionsschutzes (Lärm, Feinstaub, andere Luftschadstoffe) erreicht werden.
  3. Luftschadstoffe und Stäube: Umsetzung der nach dem Stand der Technik möglichen Luftschadstoff-Reduktionsmöglichkeiten. U. a. Reduktion der Stickstoffemissionen zum Schutz der umliegenden Biotope (u. a. FFH-Gebiet 7431-301; Lechauen nördlich Augsburg mit stark stickstoffempfindlichen Lebensraumtypen, u. a. dem prioritären LRT 6210 Naturnahe Kalk-Trockenrasen).
  4. Energie: Umsetzung der technisch machbaren Energieeinsparmöglichkeiten und Produktion eigener Energie.
  5. Wasser: Umsetzung der nach dem Stand der Technik möglichen Wassersparmaßnahmen. Verbot der Nutzung von Tiefengrundwasser und Schutz des Grundwassers (räumliche Nähe zu den Trinkwasserquellen sowie die TW-Entnahmestellen weiter lechabwärts). Niederschlags- und Abwasserreinigung.
  6. Wärme: Reduktion der Einleitung von erwärmtem Wasser in den Lechkanal.
  7. Lärm: Umsetzung der nach dem Stand der Technik möglichen Lärm- Reduktionsmöglichkeiten und Festschreiben von täglichen Produktionszeiten.
  8. Abfälle/Schlacke: Erarbeitung und Umsetzung eines ökologisch optimierten Recycling- und Entsorgungskonzeptes unter Berücksichtigung genehmigter Konzepte. Ob eine Deponie in der ehemaligen Sandgrube bei Holzheim errichtet werden kann, ist dabei als ungeklärt zu betrachten (offenes Enteignungsverfahren).
  9. Verkehr: Erarbeitung und Umsetzung eines Verkehrskonzeptes, mit dem anteilig deutlich mehr Güterverkehr auf die Schiene verlagert wird und Verbesserung der LKW-Parkplatzsituation.

erschienen am: 2020-03-25 im europaticker



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