europaticker:
Messungen zeigen, dass die kühleren Temperaturen der Alpen als Kältefalle für Luftschadstoffe wirken
Alpen als Frühwarnsystem

Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen: Auch in den Hochlagen der Alpen sind Schadstoffe nachweisbar, die weltweit über die Atmosphäre verbreitet werden. Um den Eintrag schwer abbaubarer organischer Substanzen in die Alpen zu überwachen, führen Bayern und Österreich seit 15 Jahren ein länderübergreifendes Monitoring durch. Umweltminister Thorsten Glauber betonte heute im Rahmen der Vorstellung der Messergebnisse in München: "Die Alpen sind unser Frühwarnsystem für globale Schadstoffe. Die länderübergreifenden Messungen auf der Zugspitze und in den Hohen Tauern zeigen, welche Stoffe sich weltweit über die Luft ausbreiten und sich in den Alpen anreichern. So können wir frühzeitig erkennen, bei welchen Stoffen Handlungsbedarf besteht. Die gesammelten Daten sind von globaler Relevanz. Gemeinsam mit Österreich bringen wir unsere Forschungsergebnisse auf europäischer und internationaler Ebene ein. Unser Ziel ist die weltweite Reduzierung von Chemikalien, die sich in unseren Ökosystemen anreichern können. Damit schützen wir Mensch und Natur." Die mit dem Umweltmonitoring gewonnenen Daten von über 100 Schadstoffen sind für Hochgebirge der mittleren Breitengrade weltweit einzigartig.

Die Messungen zeigen, dass die kühleren Temperaturen der Alpen als Kältefalle für Luftschadstoffe wirken: Selbst entlegene alpine Gebiete sind nicht mehr frei von Chemikalien. Das liegt an Kondensationseffekten durch die besonderen Hochlagen der Alpen. Ursprung ist die weltweite Verwendung von Chemikalien wie beispielsweise Insektiziden, Holzschutzmitteln oder Flammschutzmitteln. Bisher sind die gemessenen Konzentrationen überwiegend als gering einzustufen. Das Umweltmonitoring dient deshalb als Frühwarnsystem: Sobald die Messungen Hinweise darauf geben, dass sich Stoffe in den Alpen anreichern, können frühzeitig Gegenmaßnahmen eingeleitet werden. Die Ergebnisse der langjährigen Messreihen sind eine wichtige Datengrundlage für die Weiterentwicklung chemikalienrechtlicher Regelwerke beispielsweise der europäischen REACH-Verordnung, des internationalen Stockholmer Übereinkommens sowie der europäischen Wasserrahmenrichtlinie. Bei einer Vielzahl von über die Stockholm-Konvention geregelten Stoffe zeigt sich bereits ein Rückgang in den Luftkonzentrationen, darunter Organochlorpestizide wie DDT und Lindan. Die gemessenen Luftkonzentrationen des Insektenvernichtungsmittels Endosulfan gingen nach dem Verbot in der Europäischen Union und in der Stockholm-Konvention innerhalb der letzten 15 Jahre sogar um 96 Prozent zurück.

Die Messungen finden seit 2005 im Rahmen verschiedener Projekte an der Umweltforschungsstation Schneefernerhaus auf der Zugspitze und am Sonnblick Observatorium in den Hohen Tauern statt. Im Mittelpunkt des aktuellen Projekts "PureAlps" auf der Zugspitze standen zuletzt Organochlorpestizide, Dioxine und halogenierte Flammschutzmittel. Auch neuartige Stoffe sowie Ersatzstoffe für europaweit bereits verbotene Chemikalien werden in den Blick genommen. In dem vor kurzem gestarteten Projekt OPTIMON werden die Messungen fortgesetzt. In einem weiteren Projekt werden aktuell Auswirkungen chemischer Schadstoffe auf wildlebende Insekten im Alpenraum erfasst. Seit 2005 finanziert das Umweltministerium derartige Monitoringprojekte im Alpenraum mit knapp 2 Millionen Euro.

Die Staatsregierung arbeitet zum Schutz von Mensch und Natur auch durch andere politische Initiativen daran, Chemikalien, die sich in unseren Ökosystemen anreichern können, zu reduzieren. Im Zuge des Volksbegehrens Plus wurde dabei ein wichtiges Ziel erreicht: Auf den vom Freistaat bewirtschafteten Flächen ist der Einsatz von Totalherbiziden künftig verboten. Das gilt auch für extensiv genutzte Flächen in Naturschutzgebieten, gesetzlich geschützten Landschaftsbestandteilen, gesetzlich geschützten Biotopen – und ab dem Jahr 2022 auch für landwirtschaftlich genutztes Dauergrünland. Daneben hat sich die Staatsregierung im Bundesrat erfolgreich für eine Verringerung des Herbizid-, Pestizid- und Insektizideinsatzes in Privatgärten eingesetzt.

Weitere Informationen sowie der gemeinsame Bericht des Bayerischen Landesamts für Umwelt und des österreichischen Umweltbundesamts sind im Internet verfügbar unter: https://www.lfu.bayern.de/analytik_stoffe/purealps/publikationen/index.htm.

erschienen am: 2020-03-25 im europaticker



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