europaticker:
Keine Regulation nicht das Klima
Niederlande: Corona-Pandemie wirkt sich positiv auf die Luftqualität aus

Auf im Internet kursierenden Satellitenbildern wird zurzeit gerne der verminderte Ausstoß von Treibhausgasen aufgrund der Corona-Pandemie visualisiert. Auch Messstationen an der Erdoberfläche verzeichnen gegenwärtig in verschiedenen Regionen eine Abnahme der klimaschädlichen Gase. Für die Niederlande werden ähnliche Entwicklungen erwartet.

In den stark betroffenen Gebieten Chinas und Italiens ist die Veränderung bereits mess- und spürbar: Durch die Reduzierung des Verkehrs und des Geschäftslebens ist der Anteil von gesundheitsschädlichen Stickstoffoxiden in China um 35 Prozent gesunken, während er in Italien wöchentlich um zehn Prozent abnimmt, so der europäische Copernicus Atmosphere Monitoring Service.

Eine verbesserte Luftqualität sieht Pieternel Levelt vom staatlichen meteorologischen Institut KNMI auch kommen, jedoch müsse man sich noch eine Zeit lang, bezüglich verlässlicher Zahlen, gedulden. Witterungsbedingungen und vor allem Temperatur, Windrichtung und Windstärke könnten die Menge der luftverunreinigenden Stoffe erhöhen oder eben vermindern. „Deshalb gibt es erst in einigen Wochen etwas über die Situation in den Niederlanden zu sagen“.

Die inzwischen beschlossenen Maßnahmen zur Bekämpfung des Virus reichen dagegen laut NOS bisher nicht zu einem Stopp der Klimaveränderung aus. Dass die Heizkosten der Betriebe sinken würden, habe nur zur Folge, dass die Haushalte den gesparten Verbrauch nun wieder ausglichen, während die Schließung des Hotel- und Gastgewerbes wenig Einfluss hätte. Registrierbare, wenn auch kleine, Effekte habe der verringerte Verkehr, aber den größten Faktor würde die Schwerindustrie ausmachen, sobald auch sie weniger produzieren müsse. Dieses Szenario wird allerdings von einer Einschränkung bestimmt: Erst wenn die Schwerindustrie lange gehemmt werden würde, hätte dies Auswirkungen, sagt Pieter Boot von der Planungsbehörde für Lebensraum. Momentan sei der Effekt des warmen Winters in den Niederlanden jedenfalls noch größer, als der von Covid-19.

Für die jährliche Zielsetzung der Stiftung Urgenda, die einen schrittweisen Abbau des Treibhausgasausstoßes vorsieht und an der sich auch die Regierung orientiert, wird die Pandemie wohl noch keinen Nutzen haben. Dafür müssten nämlich neun bis elf Megatonnen weniger Verschmutzung anfallen, jedoch würde die Verringerung des Verkehrs in einem Monat um ein Viertel noch immer keine eingesparte Megatonne verursachen.

Außerdem stoppt weiterhin nicht der ganze Verkehr: de Volkskrant berichtete bereits, dass Fluggesellschaften teilweise trotz leerer Maschinen gezwungen sind, mindestens 80 Prozent ihrer zuvor reservierten Flüge auszuführen, da sie sonst ihre zukünftigen Flugrechte verlieren würden. Das Ergebnis: leere Maschinen, weil die Reservierungen annulliert wurden und es noch keine einheitlichen europäischen Regelungen zur Lösung des Problems gibt.

Ein im NRC Handelsblad zitierter Umweltaktivist der Organisation 350.org zeigt sich vor dem Hintergrund der radikalen Maßnahmen diverser Länder verwundert: Ein schnelles Handeln der Regierungen und die Änderung des Verhaltens der Bürger seien genau das, wonach er all die Jahre fragen würde. António Guterres, Generalsekretär der Vereinten Nationen, rief nichtsdestotrotz bereits letzte Woche in Erinnerung, dass der weltweite Temperaturanstieg trotz der Corona-Krise nicht vergessen werden dürfe: „Wir können die Klimaveränderung nicht mit einem Virus bekämpfen“.

erschienen am: 2020-03-29 im europaticker



Wir verwenden keine Cookies, weil uns das Surfverhalten von mehr als 1 Millionen Besucher monatlich nichts angeht.

Schreiben Sie uns Ihre Meinung zu dem Beitrag:
Ihre Meinung ist uns wichtig!

Impressum (Kurzfassung):
EUROPATICKER mit den Magazinen: Umweltruf, Korruptionsreport und Green IT
Das Magazin mit Hintergrund aus der Entsorgungsbranche
Deutscher Presserat (ID-Nummer 3690)

Herausgeber Hans Stephani
Beratender Betriebswirt - Journalist - Autor
Blumenstr. 11, 39291 Möser
Telefon: 039222 - 4125 Telefax: 039222 - 66664
Der EUROPATICKER Umweltruf erscheint im 21. Jahrgang. Das Ersterscheinungsdatum war der 20. März 2000.

Für die Titel: EUROPATICKER, KORRUPTIONSREPORT und UMWELTRUF nehmen ich Titelschutz nach § 5 Abs. 3 MarkenG. in Anspruch.
Ich unterliege dem Presserecht des Landes Sachsen-Anhalt.
Verantwortlich im Sinne des Presserechtes und nach Telemediengestz (TMG) ist: Diplom-Betriebswirt Hans Stephani.

Anzeigenverwaltung:
EUROPATICKER - Verlag  GmbH, Eingetragen im Handelsregister des Amtsgerichts Stendal unter der Nummer B 2311, Geschäftsführer: Beatrix Stephani, Steuerliche Angaben: Finanzamt Genthin Steuernummer: 103/106/00739, Blumenstr. 11 D-39291 Möser Telefon: 039222 4125, Telefax: telefax@europaticker.de

    Zurück zum Nachrichtenüberblick                                    Diese Meldung ausdrucken