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Bundesministerin Klöckner setzt weiter auf engmaschige Erfolgskontrolle:
Anteile an Zucker, Kalorien, Salz in Fertiggerichten rückläufig!
Wissenschaftliche Untersuchung bestätigt Wirksamkeit der Reduktionsstrategie

Mit der Nationalen Reduktions- und Innovationsstrategie will das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft den Gehalt von Zucker, Fetten und Salz in Fertigprodukten reduzieren. Erstmalig hat sich die Lebensmittelwirtschaft mittels Zielvereinbarungen bis 2025 dazu verpflichtet, Zucker, Salz und den Gesamtenergiegehalt in diesen Produkten zu reduzieren.

Um sicherzustellen, dass die Strategie wirksam ist und die Ziele erreicht werden, setzt das Ministerium auf ein fortlaufendes und engmaschiges Monitoring. Damit wurde das Max Rubner-Institut (MRI) beauftragt, das nun erstmals eine Zwischenerhebung zu Milchprodukten, Erfrischungsgetränken, Frühstückscerealien und Tiefkühl-Pizzen vorgelegt hat.

Die zentralen Ergebnisse:
Im Vergleich zur Basiserhebung 2016:

Im Vergleich zu 2018:

Dazu betont die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner: „Fertigprodukte müssen gesünder werden. Dabei muss die Reduzierung von Salz, Zucker und Fett einer Überprüfung standhalten – das habe ich immer deutlich gemacht. Ebenso mein Unverständnis darüber, dass gerade Produkte, die sich an Kinder richten, oft zu viel Zucker und Kalorien enthalten.

Die Ergebnisse zeigen: Es geht in die richtige Richtung. Positiv ist, dass in vielen Fällen auch die Gesamtkalorienzahl der Produkte sinkt, wenn Zucker reduziert wird. Das ist entscheidend. Mit dem Begleitgremium werde ich dafür sorgen, dass dieser Fokus nicht verloren geht. Weiter wird es eine engmaschige Erfolgskontrolle geben. Ganz klar ist: Gesetzte Ziele müssen erreicht werden. Und dort, wo es hakt, muss nachgebessert werden.“

Der Präsident des Max Rubner-Institutes, Professor Dr. Pablo Steinberg, hebt hervor: „Aus ernährungsphysiologischer Sicht ist es sinnvoll, dass sich Verbraucher schrittweise an eine niedrigere Gesamtsüße von Lebensmitteln gewöhnen. Die Aufnahme von weniger Zucker und insgesamt weniger Energie sind wichtige Erfolgsfaktoren zur Prävention von Übergewicht und Adipositas und damit auch zurecht Kernziele der Nationalen Reduktions- und Innovationsstrategie.“

Zu den Ergebnissen des Monitorings und ihrer Auswertung wird sich das unabhängige Begleitgremium der Nationalen Reduktions- und Innovationsstrategie demnächst austauschen. Ende des Jahres wird es zudem einen schriftlichen Bericht des Ministeriums zum Stand der Umsetzung geben. Das Ziel ist, weitere Zielvereinbarungen abzuschließen und so die Strategie auszuweiten.

foodwatch zu Julia Klöckners „Reduktionsstrategie“ von Zucker, Fett, Salz: „kein Erfolg, sondern eine Bankrotterklärung“

Zu den heute von Bundesernährungsministerin Julia Klöckner vorgestellten Zahlen zu ihrer „Reduktionsstrategie“ von Zucker, Salz und Fett in Lebensmitteln erklärt Oliver Huizinga, Leiter Recherche & Kampagnen bei der Verbraucherorganisation foodwatch: „Es ist geradezu lächerlich, dass Frau Klöckner ihre freiwillige Vereinbarung mit der Lebensmittelindustrie als großen Erfolg verkauft. Eine Zuckerreduktion von sehr viel zu viel auf viel zu viel ist kein Erfolg, sondern eine Bankrotterklärung. 99 Prozent der Frühstücksflocken für Kinder enthalten zu viel Zucker, Joghurts für Kinder enthalten 40 Prozent mehr Zucker als von der Weltgesundheitsorganisation empfohlen - das zeigen Daten der AOK und vom Max Rubner-Institut. Bei Zuckergetränken, einer der Haupt-Ursachen für die Fettleibigkeits-Epidemie, ging der Zuckeranteil sogar nur um läppische 0,2 Gramm pro 100 Milliliter zurück. Frau Klöckners Strategie gegen Fettleibigkeit und Fehlernährung ist krachend gescheitert - auch wenn die Ministerin sich das nicht eingestehen will.

Die Ministerin setzt vollkommen auf freiwillige Vereinbarungen mit der Lebensmittelwirtschaft – das ist nicht nur naiv, sondern gefährdet die Gesundheit der Menschen in diesem Land. Die Lebensmittelindustrie ist nicht Teil der Lösung, sondern Kern des Problems. Coca-Cola, Ferrero & Co. haben kein Interesse daran, eine gesunde Ernährung zu fördern – sie verdienen ihr Geld mit Zuckerbomben. Anstatt den Herstellern klare Vorgaben zu machen, belässt es Ministerin Klöckner dabei, höflich „Bitte, bitte“ zu sagen.

Frau Klöckner muss aufhören, der Ernährungsindustrie nach dem Mund zu reden und stattdessen auf die Ärzteschaft, medizinische Fachgesellschaften und die Weltgesundheitsorganisation hören: Expertinnen und Experten fordern seit Jahren verbindliche Maßnahmen gegen Fehlernährung und Fettleibigkeit, zum Beispiel gesetzliche Beschränkungen der Werbung an Kinder oder auch eine Limo-Steuer nach dem Vorbild Großbritanniens. Dass Frau Klöckner stattdessen ihre wirkungslose Selbstverpflichtung schönredet, zeigt ihr vollkommen fehlgeleitetes Amtsverständnis."

Die Monitoring-Ergebnisse:

Das MRI hat in seiner wissenschaftlichen Untersuchung geprüft, ob sich die Energie- und Nährstoffgehalte bei Milchprodukten, Erfrischungsgetränken, Frühstückscerealien und Tiefkühl-Pizzen verbessert haben. Die neu erhobenen Daten der ersten Folgeerhebung von Ende 2019 verglichen die Wissenschaftler mit den Daten der Basiserhebung aus dem Jahr 2016 (bei Erfrischungsgetränken 2018). Die Erhebung umfasst die Ergebnisse von 1.129 Joghurtzubereitungen, 240 gesüßten Quarkzubereitungen, 373 trinkbaren Milchmischerzeugnissen, 1.709 gesüßten Erfrischungsgetränken, 892 Frühstückscerealien und 394 Tiefkühlpizzen. Über alle untersuchten Produktgruppen hinweg wurden 267 Produkte mit Kinderoptik erfasst.

Milchprodukte (Joghurts und gesüßte Quarkzubereitungen)

Mit Zucker gesüßte Erfrischungsgetränke

Frühstückscerealien

Tiefkühl-Pizzen

Weiterführende Informationen:
Im Rahmen der Nationalen Reduktions- und Innovationsstrategie für Zucker, Fette und Salz in Fertigprodukten (NRI) haben bislang neun Verbände der Lebensmittelwirtschaft Prozess- bzw. Zielvereinbarungen mit ihren Mitgliedsunternehmen getroffen. Demnach soll der Zuckergehalt von Frühstückscerealien für Kinder bis 2025 um mindestens 20 Prozent, von gesüßten Milchprodukten für Kinder und Erfrischungsgetränken um 15 Prozent gesenkt werden. Außerdem wurde eine 15-prozentige Reduktion des zugesetzten Zuckers in fruchthaltigen Getränken mit Zuckerzusatz sowie eine Senkung des durchschnittlichen Salzgehaltes von Tiefkühl-Pizza auf 1,25 Gramm pro 100 Gramm vereinbart. Auch hat das Bäckerhandwerk zugesagt, Salzspitzen im Brot zu reduzieren. Weitere Zielvereinbarungen sollen mit Industriebäckern und -fleischern geschlossen werden.

Zu den Monitoring-Ergebnissen des MRI:
https://www.mri.bund.de/de/produktmonitoring/

Lesen Sie mehr über die NRI:
https://www.bmel.de/DE/Ernaehrung/_Texte/ReduktionsstrategieZuckerSalzFette.html;jsessionid=A454BEAB4A53A106B23D4BD7F760EA05.2_cid296

erschienen am: 2020-04-01 im europaticker



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