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Zügige bundeseinheitliche Einstufung der Stahlrecyclingbranche notwendig
BDSV: Entsorgung als kritische Infrastruktur anerkennen

Im Zusammenhang mit der anhaltenden Corona-Krise bittet die Bundesvereinigung Deutscher Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen (BDSV) das Bundesministerium des Innern, Bau und Heimat, die bereits anvisierte, bundesweite Ausweitung der Sektoren- und Brancheneinteilung der kritischen Infrastrukturen in Bezug auf die „Entsorgung“ zügig vorzunehmen. In ihrer Begründung verweist die BDSV darauf, dass deren Mitgliedsunternehmen ein wichtiges Bindeglied zwischen den Industrien sind. Sie schließen Kreisläufe, deren Erhaltung auch in Krisenzeiten dringend notwendig ist. Viele Mitgliedsunternehmen bieten Serviceleistungen rund um die Entsorgung für die Bürger sowohl im Hol- als auch im Bringsystem. Für die produzierende Industrie und für die Bürger ist daher eine jederzeit funktionierende Entsorgung existenziell.

Bundesweit einheitliche Behandlung der Entsorgungsbranche notwendig

In ihrem Schreiben an das Bundesministerium des Innern verweist die BDSV darauf, dass es in den letzten Wochen einige Unklarheiten bzgl. behördlicher Anordnungen von Betriebsschließungen im Einzelhandel etc. gegeben habe. So wurden auch kommunale Recyclinghöfe in einzelnen Regionen (z. T. wegen Personalmangels) geschlossen. Eine Ausweitung der Sektoren- und Brancheneinteilung in Bezug auf die „Entsorgung“ ist nach Auffassung der BDSV wichtig, da dies eine Behandlung der Tätigkeiten im Sinne der von ihr vertretenen Unternehmen ermöglicht. Viele BDSV Mitgliedsunternehmen sind auch bundesländerübergreifend tätig und somit darauf angewiesen, ihre vertraglichen Verpflichtungen im benachbarten Land zu erbringen. Die bislang unterschiedliche Verwaltungspraxis der Länder in den vergangenen Wochen hat sich dabei als nicht zielführend erwiesen.

Abmilderung der hohen Anforderungen aus dem IT-Sicherheitsgesetz

Die BDSV regt allerdings an, die sehr hohen technischen und organisatorischen Anforderungen, die sich aus dem IT-Sicherheitsgesetz ergeben, für die Stahlrecycling- und Entsorgungsbranche entsprechend abzumildern. In den Betrieben kommen zwar zunehmend komplexe IT-Systeme zur Auftragsabwicklung zum Einsatz, diese sind jedoch nicht zwingend für die grundlegende Funktionsfähigkeit der erbrachten Entsorgungsleistung.

Deutsche Biodieselproduktion 2019 stabil, Kuppelprodukte wie Pharmaglycerin und Eiweißfuttermittel wichtig für Gesundheit und Ernährung

Die deutschen Hersteller produzierten im Jahr 2019 rund 3,4 Millionen Tonnen Biodiesel. Das ergaben aktuelle Schätzungen des Verbandes der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB). Als Kuppelprodukt entstanden rund 340.000 Tonnen Rohglycerin, ohne das die Pharmaindustrie viele Medikamente sowie Desinfektionsmittel, Seifen und Cremes nicht herstellen kann. "Der Großteil der deutschen Glycerinproduktion hängt am Biodiesel. Deutschland ist der größte Hersteller von hochwertigem Pharmaglycerin in Europa, auf das die pharmazeutische und chemische Industrie bei vielen Anwendungen zugreifen", sagte Elmar Baumann, Geschäftsführer des VDB.

Mit einem  Anteil von etwa 57 Prozent war Raps auch 2019 für die deutschen Produzenten der wichtigste Rohstoff; auch im Vorjahr lag der Wert mit 58 Prozent auf diesem Niveau. Zudem stellten die Biodieselproduzenten bei der Verarbeitung dieses Rohstoffs rund 2,7 Millionen Tonnen eiweißreiches, gentechnikfreies Rapsschrot her. "Wer bei Biokraftstoff nur ans Auto denkt, springt zu kurz. Ohne das gentechnikfreie Eiweißfuttermittel aus der Biokraftstoffproduktion könnten nicht die großen Mengen gentechnikfreie Milch hergestellt werden, die der Verbraucher nachfragt."

Nach weiteren Schätzungen des Verbandes folgen Altspeisefette als zweitwichtigster Rohstoff für Biodiesel mit einem Anteil von 25 Prozent (Vorjahr: 27 Prozent). Während Sojaöl 2018 noch einen Anteil von acht Prozent hatte, stieg er 2019 auf rund elf Prozent. Palmöl spielte wie schon in den Vorjahren mit zwei Prozent eine untergeordnete Rolle. Die übrigen Rohstoffe tierische Fette (zwei Prozent), Fettsäuren (zwei Prozent) und andere Ausgangsstoffe (0,7 Prozent) gehören zu den Abfall- und Reststoffen. Nach Angaben der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) nutzten deutsche Landwirte 2019 für den Anbau von Rohstoffen zur Biodieselproduktion rund 520.000 ha, das heißt etwa 4,4 Prozent der deutschen Ackerfläche (11,8 Mio. ha). Damit konnten Treibhausgasemissionen in Höhe von über 6,5 Millionen Tonnen vermieden werden, schätzt der VDB.

Angaben der AGEE-Stat zufolge lag der Einsatz von Biodiesel in Deutschland bei etwa 2,2 Millionen Tonnen (inklusive hydrierter Pflanzenöle/HVO), der Bioethanolabsatz bei knapp 1,2 Millionen Tonnen. Aufgrund besserer wirtschaftlicher Rahmenbedingungen stieg der Absatz von Biomethan im Verkehr deutlich und lag mit 660 Millionen kWh etwa 70 Prozent über dem Niveau des Vorjahres (389 Millionen kWh). Mit rund 1.000 Tonnen wurde Pflanzenöl in geringen Mengen genutzt.

Im Verkehrsbereich verzeichnete die AGEE-Stat 2019 als einzigem Sektor überhaupt keine Investitionen in Erneuerbare Energien, obwohl dieser Bereich als Sorgenkind der Energiewende gilt. Gleichzeitig gingen die Investitionen in Strom und Wärme aus Erneuerbaren Energien deutlich zurück, beliefen sich aber immer noch auf über 10 Milliarden Euro. "Bei ausbleibenden Investitionen stellt sich die Frage, woher die großen Mengen fortschrittlicher Biokraftstoffe, Wasserstoff und PtX-Kraftstoffe kommen sollen, die zum Erreichen des 2030-Verkehrsziels benötigt werden. Fehlende Investitionen sind Zeichen fehlenden Vertrauens der Wirtschaft und eine direkte Folge der wankelmütigen Politik der Bundesregierung." Der Anteil von Biodiesel, Bioethanol und Biomethan an den Erneuerbaren Energien im Verkehrssektor lag nach Zahlen der AGEE-Sat bei rund 86 Prozent. Dabei gingen 2019 von der Biokraftstoffindustrie wirtschaftliche Impulse in Höhe von 2,93 Milliarden Euro aus. Die deutsche Biokraftstoffbranche hatte nach Annahmen des VDB im vergangenen Jahr rund 20.000 Beschäftigte, die zumeist in strukturschwachen, ländlichen Regionen tätig waren.

Die Mineralölindustrie mischt bis zu sieben Prozent Biodiesel fossilem Diesel bei (B7). Dies ist der wichtigste Absatzmarkt für Biodiesel. Aber auch reiner Biodiesel (B100) kann in hierfür freigegebenen LKW und Bussen eingesetzt werden. "B100 hat in den nächsten Jahren im Vergleich zur Elektromobilität und strombasierten Kraftstoffen das größte Potential für die Dekarbonisierung schwerer Nutzfahrzeuge", sagte Baumann.

erschienen am: 2020-04-01 im europaticker



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