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Nach Wirbel um Kuh-Urteil setzt der Alpenverein auf Eigenverantwortung beim Umgang mit Weidevieh
Almwirtschaft sieht OGH-Entscheidung zum Kuh-Urteil kritisch

Almlandschaften sind ein sehr beliebtes Freizeitziel für Wanderer, doch gleichzeitig sind sie Lebensraum für viele Almtiere. Nachdem die Teilschuld des Landwirts, nach einem tödlichen Unfall 2014 mit einer Wanderin auf seiner Alm, letzte Woche vom Obersten Gerichtshof in Wien bestätigt wurde, will ein Landwirt in der Steiermark seine Alm nun abriegeln. Nach diesem Kuh-Urteil herrscht bei den Landwirten in den Berggebieten Angst. Mit dem Beginn der Almsaison möchte der Österreichische Alpenverein auf die Maßnahmen für ein gutes und sicheres Miteinander auf den Weiden und Almen aufmerksam machen.

Für die Bauern Wirtschaftsraum und Arbeitsplatz, für die Wanderer Erholungsort: die Alm. Sie spielt in landwirtschaftlicher, touristischer und freizeitwirtschaftlicher Hinsicht eine bedeutende Rolle. Mit gegenseitigem Verständnis haben alle mehr davon. Dabei müssen Regeln respektiert und Rücksicht aufeinander genommen werden. Doch es gibt noch einen dritten Nutzer der Alm: das Weidevieh. Je nach Höhe, Lage und Wetter ist die Alm für sie im Zeitraum von Mai bis September schlichtweg Lebensraum. Hier wird gelebt, gefressen und Jungvieh aufgezogen.

Eine Alm ist kein Streichelzoo

Von Natur aus ist Weidevieh neugierig, jedoch nicht aggressiv. Für ein konfliktfreies Miteinander auf Almen und Weiden gilt es ein paar Empfehlungen zu beachten - speziell wenn man mit Hunden unterwegs ist. Hunde werden von Rindern, und vor allem von Mutterkühen, als potenzielle Feinde wahrgenommen und versuchen daher immer ihre Kälber zu beschützen. Natürlich treffen Almtiere auf Wanderer, die wenig bis gar keine Erfahrung mit den Tieren haben. Oftmals laufen solche Zusammentreffen unauffällig vonstatten, doch immer wieder kommt es zu unangenehmen Zusammenstößen, die im schlimmsten Fall dramatisch enden, so wie der tragische Unfall im Pinnistal im Juni 2014, als eine deutsche Urlauberin ums Leben kam.

Hinweistafeln beachten

Damit es nicht zu gefährlichen Begegnungen oder sogar tödlichen Verletzungen mit dem Weidevieh kommt, sind unbedingt die Informationen und Hinweisschilder im Almgelände zu beachten. In zahlreichen Bundesländern machen die (Alm-)Bauern durch Hinweistafeln und Informationsfolder auf das Weidevieh aufmerksam. Die Schilder und die Flyer sollen die Menschen auf den Almen sensibilisieren, dass sich auf den Weiden Almtiere befinden und Vorsicht geboten ist. Die Hinweise sind meist in verschiedenen Sprachen verfasst.

Eigenverantwortung und Respekt

Alm- und Weideflächen werden unter erschwerten Bedingungen bewirtschaftet. Daher sollte man prinzipiell der Natur, den Tieren und den dort arbeitenden Menschen mit Respekt und Anerkennung begegnen. Es liegt in der Eigenverantwortung aller Wanderer und Mountainbiker, sich vorausschauend und respektvoll auf Almen und Weiden zu bewegen.

Aktionsplan „Sichere Almen“

Um Besucher über richtiges Verhalten auf Österreichs Almen und Weiden zu informieren, haben der Österreichische Alpenverein und das Bundesministerium gemeinsam mit der Wirtschafts- und der Landwirtschaftskammer Österreichs Maßnahmen für ein sicheres Miteinander auf Österreichs Almen und Weiden entwickelt. „Berg- und Almlandschaften sind einzigartige Erholungs- und Erlebnisräume für die Bevölkerung und unsere Touristen. Mit dieser Offensive wollen wir Wanderer sensibilisieren und über den richtigen Umgang mit Weidevieh informieren. Aufklärung und Eigenverantwortung spielen dabei eine zentrale Rolle“ so Alpenvereinspräsident Andreas Ermacora.

Diese Informationsoffensive für die Wanderer soll dazu beitragen, dass die Wanderer auf Almgebieten mehr Hintergrundwissen über die Tierhaltung auf den Almen erhalten. Als Interessenvertreter der Bergsteiger und Wanderer ist es für den Alpenverein wichtig, dass es weiterhin möglich sein muss, das Gebirge zu betreten. „Sperren von ganzen Almgebieten, das Verbot der Mitnahme von Hunden oder auch das Wanderverbot auf Wegen sieht der Alpenverein nicht als zielführend und sinnvoll. Das aktuelle Urteil bezieht sich auf einen Sonderfall, in mehrfacher Hinsicht, der nicht auf die generelle Situation „Wanderwege auf Almen“ übertragbar ist. Entsprechend ist auch keine Notwendigkeit von „Präventivsperren“ rechtfertigbar. Wir hoffen auf eine gute Lebensraumpartnerschaft von Bauern, Grundbesitzern und Naturnutzern“ so Norbert Hafner, Landesverbandvorsitzender des Alpenverein Steiermark.

Aktionsplan brachte bereits konkrete rechtliche Verbesserungen

Die Almwirtschaft Österreich hat kein Verständnis für die OGH-Entscheidung zum Kuh-Urteil, verweist jedoch darauf, wie wichtig es im letzten Jahr war, dass die Gesetzeslage für die Almen verbessert wurde und man einen Aktionsplan gestartet hat. Die Entscheidung führt unter den Almbäuerinnen und Almbauern erneut zu viel Unverständnis und Diskussion. Einige Betriebe überlegen bereits, auf ihren Almen Aktivitäten wie das Mitführen von Hunden auf Mutterkuhalmen zu verbieten. 
Die Almwirtschaft Österreich als Dachverband aller Almwirtschaftsvereine der Bundesländer ist sich der Problematik der Sachlage bewusst, erwähnt jedoch auch, dass im vergangenen Jahr durch den sogenannten "Aktionsplan für sichere Almen" und der damit verbundenen Änderung des Tierhalterparagrafen im Allgemeinen bürgerlichen Gesetzbuch (ABGB) konkrete rechtliche Verbesserungen für die Almen bewirkt wurden.

Eigenverantwortung der Wanderer im Gesetz festgeschrieben 

Erich Schwärzler
, Obmann der Almwirtschaft Österreich, betont, dass es bei dieser Änderung zu einer Besserstellung der Grundbesitzer gekommen ist. Die Eigenverantwortung der Wanderer wurde mittels zehn Verhaltensregeln genauer definiert und im Gesetz festgeschrieben. Weiters führt er an, dass die Bundesregierung hier unter Einbeziehung der Almwirtschaftsvertreter gut und schnell reagiert hat. Auch auf Länderebene wurde durch praktikable Versicherungslösungen viel Positives bewirkt und somit ein zusätzlicher Schutz geschaffen.
"Es braucht weiter viel Information und Aufklärung in Richtung der Freizeitnutzer, aber auch in Richtung der Almbäuerinnen und Almbauern. Das Aufstellen von Hinweistafeln ist hierzu von zentraler Bedeutung. Auch für die Problematik, die sich durch das Mitführen von Hunden ergibt, braucht es weitere Lösungen. Am besten ist es, bei Wanderungen durch Mutterkuhalmen den Hund zu Hause zu lassen", so der Obmann. Die Almwirtschaft Österreich spreche sich klar für ein gutes Miteinander zwischen Tourismus und Almwirtschaft aus. Dafür brauche es jedoch gewisse Rahmenbedingungen und ein vermehrtes Verständnis und Bewusstsein der Erholungssuchenden für die Almwirtschaft.

"Es ist zu hoffen, dass der tragische Unfall von 2014 in der Schwere ein Einzelfall bleibt. Wenn es ein beiderseitiges Verständnis gibt und die Verhaltensregeln eingehalten werden, dann können solche Vorfälle zukünftig gänzlich vermieden werden. Das muss jedenfalls das oberste Ziel sein", so Schwärzler. (Schluss)

Weitere Informationen zur Aktion “Sichere Almen” finden Sie auf https://www.sichere-almen.at/?


erschienen am: 2020-05-21 im europaticker



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