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Der „Marburger Rücken“ ist ein Höhenzug des Westhessischen Berglandes zwischen
Goßfelden im Norden bis Niederweimar im Süden
Marburger Rücken: Gesetzliche Voraussetzungen zum Naturschutzgebiet liegen nicht vor

Nachdem das Regierungspräsidium Gießen (RP) einen Antrag zur einstweiligen Sicherstellung der Fläche auf ihre Schutzwürdigkeit als Naturschutzgebiet überprüft hat, kommt dessen Obere Naturschutzbehörde (ONB) zu dem Ergebnis: Der „Marburger Rücken“ entspricht in weiten Teilen des beantragten Flächenumfangs nicht den im Bundesnaturschutzgesetz geforderten Kriterien für ein Naturschutzgebiet.

Der Marburger Rücken, der aus Buntsandstein besteht und besonders im Norden und Süden bewaldet ist, breitet sich direkt westlich von Marburg aus und erhebt sich damit oberhalb des Tals der Lahn, das hier auf etwa 180 bis 190 m Höhe liegt. Er reicht etwa von Goßfelden im Norden bis Niederweimar im Süden. In Richtung Norden bis Nordosten fällt das Gelände zur Einmündung der Wetschaft in die Lahn, hinter der sich allmählich der Burgwald anschließt, ab, und nach Süden zur Einmündung der Allna. Auf der anderen bzw. östlichen Seite des Lahntals erheben sich die mit bis zu 380 m knapp höheren Lahnberge.

Auf dem Marburger Rücken steht insbesondere das Marburger Schloss mit dem Schlosspark. Viele Marburger Ortsteile – Oberstadt, Marbach, Ockershausen und Wehrda – schmiegen sich vom Tal her an diesen Höhenzug, andere – die Siedlung Stadtwald (bei der ehemaligen Tannenberg-Kaserne) und Wehrshausen – liegen unmittelbar darauf. Daher ist der Höhenzug deutlicher als die östlich gegenüber und jenseits der Lahn liegenden Lahnberge in das Marburger Stadtbild einbezogen, was wohl auch erklärt, dass der eigentliche Begriff vergleichsweise unbekannt ist, während die Lahnberge wegen der Philipps-Universität Marburg vielerorts im Stadtgebiet ausgeschildert und folglich bekannt sind. Für die geringe Bekanntheit des Begriffes Marburger Rücken ist überdies auch die Tatsache verantwortlich, dass sich nach Westen ohne nennenswertes Tal die deutlich höheren Kuppen des nordöstlichen Gladenbacher Berglandes um den Rimberg anschließen.

Damit eine Fläche als NSG unter Schutz gestellt werden kann, müssen laut Bundesnaturschutz-gesetz bestimmte Erfordernisse gegeben sein. Dazu zählt der besondere Schutz von Natur und Landschaft, um Lebensgemeinschaften bestimmter Tier- und Pflanzenarten zu erhalten, entwickeln oder wiederherzustellen. Alternativ wäre es möglich, wenn wissenschaftliche, naturgeschichtliche oder landeskulturelle Gründe vorliegen. Als dritte Variante ist das Vorliegen von Seltenheit, besondere Eigenart oder hervorragende Schönheit bewertet worden. Zusätzlich müsste neben der Schutzwürdigkeit auch eine Schutzbedürftigkeit vorliegen.

Für die umfangreichen Prüfungen sind die Flächen eingehend vor Ort angesehen und aufgrund der aktuellen Aktenlage in Text und Karte bewertet worden. Außerdem sind diese an mehreren Terminen nochmals im Detail vor Ort begangen worden. Während der Prüfung wurden alle Kriterien bewertet. Im Ergebnis ist der „Marburger Rücken“ nach Auffassung der Oberen Naturschutzbehörde als Naturschutzgebiet nicht schutzwürdig. Die geltenden Bestimmungen des Natur- und Artenschutzrechtes sind zusammen mit den weiteren Fachrechten stattdessen ausreichend, um dieses Gebiet mit seiner Artenvielfalt wie auch die Zug- und Rastvögel zu schützen.

erschienen am: 2020-05-21 im europaticker



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